Pilotprojekt H&M testet Flickservice für kaputte Klamotten

H&M sucht Wege aus dem Formtief und dem Wegwerfwahn: Der schwedische Modekonzern testet nach SPIEGEL-Informationen neue Dienste, darunter eine Website mit Nähtipps und einen Reparaturservice in Hamburg.

H&M-Filiale
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Hennes & Mauritz (H&M) startet in Deutschland das Pilotprojekt "Take care" gegen den Wegwerfwahn in der Modebranche.

  • Der Konzern will erstmals Produkte wie Waschmittel und Fleckenentferner verkaufen.
  • Es wird eine Onlineseite mit Nähanleitungen und Pflegetipps geben, um die Langlebigkeit von Textilien zu erhöhen.
  • In einer Hamburger Filiale wird außerdem testweise ein Reparaturservice für gebrauchte Kleidung angeboten.

Das Projekt startet an diesem Donnerstag, zeitgleich veröffentlicht der schwedische Konzern seinen neuen Nachhaltigkeitsreport.

Im Anschluss an das Projekt werde man auswerten, ob die Kundschaft solche Angebote in Anspruch nimmt und der Modekonzern in Zukunft eventuell mit Schneidereien oder anderen Dienstleistern zusammenarbeiten werde, heißt es bei H&M.

Bei den meisten großen Fast-Fashion-Anbietern stößt das Geschäft mit den Billigklamotten mittlerweile an Grenzen. Auch H&M kämpft seit einiger Zeit mit Erlöseinbußen und einem sinkenden Aktienkurs. Mehrere Unternehmen, die mit schneller Mode in den vergangenen Jahren viel Geld verdient haben, testen derzeit neue Absatzmodelle. Tchibo etwa startete im Januar mit einem Verleihservice für Babykleidung, der als nachhaltig geltende Outdoorhersteller Patagonia bietet schon lange Reparaturangebote an. (Lesen Sie hier ein Interview mit dem Patagonia-Gründer.)

Das Problem mit der schnellen Mode ist nicht nur eins für die Konzerne, sondern auch für die Umwelt. Die weltweite Textilproduktion hat sich zwischen den Jahren 2000 bis 2015 verdoppelt, die Tragedauer von Kleidung in dieser Zeit jedoch halbiert. Derzeit werden jährlich mehr als hundert Milliarden Kleidungsstücke hergestellt. Umfragen zeigen jedoch, dass immer mehr Konsumenten auch in Deutschland dem ewigen "Heute Trend, morgen Müll"-Kreislauf entkommen wollen, die Generation der Millennials begeistert sich für Second-Hand-Läden und so genannte Upcycling-Mode.

"Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden dafür sensibilisieren, dass wir alle mit Ressourcen sparsamer umgehen müssen und Kleidung mit Flecken oder Löchern nicht sofort in den Müll wandern sollte", sagte Hendrik Heuermann, Nachhaltigkeitsmanager bei H&M Deutschland, dem SPIEGEL. "Die Modeindustrie muss sich verändern und neue Geschäftsmodelle entwickeln, nur dann können wir langfristig erfolgreich sein."

insgesamt 7 Beiträge
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Reg Schuh 11.04.2018
1. Flickservice - Pilotprojekt
Es gibt seit Jahrhunderten den Berufsstand des Schneiders, und auch immer noch in vielen Städten Reparatur-Schneiderein. Muß man nur mal hingehen.
dasfred 11.04.2018
2. zu Nr. 1
Selbst die kleinen Reparatur Schneider geben nach und nach auf, weil immer weniger geändert und repariert wird. Der größte Teil der Garderobe landet in Topzustand im Container. Ist vielleicht ein netter Werbegag von H&M, wird aber wohl nicht nennenswert zum Umsatz beitragen. Allein von Nachhaltigkeit reden und alle paar Wochen neue Kollektionen auf den Markt zu schmeißen, ist schon ein Wiederspruch in sich.
baal0815 11.04.2018
3. Immer wieder neu...
Es ist schon sehr lustig, dass so uralte Dinge, wie das Reparieren von Kleidung und anderen Sachen, plötzlich als Innovation verkauft werden. Hübsches Beispiel: in der DDR gab es sogenannten Komplexannahmestellen. Dort konnte man von der Feinstrumpfhose bis zum Staubsauger eigentlich alles zur Reparatur abgeben. Manche Dinge von damals waren durchaus sehr nachhaltig und umweltfreundlich. Auch Plastiktüten und -verpackungen gab es so gut wie überhaupt nicht. Heute ist es total innovativ, wenn man keine Plastikverpackung hat. Mit sozialistischem Gruß
JungUndFrei 11.04.2018
4.
Das Problem ist der Preis, reparieren lohnt sich nur bei höherwertiger Kleidung. H&M bietet meines Wissens nach nur billig Ware an. Eine Hose für 25 Euro für 15 Euro flicken zu lasse macht nicht viel Sinn, wenn man weiß das bald das nächste Loch kommt.
Spr. 11.04.2018
5. Wegwerfmode flicken lohnt nicht!
Die bei H&M und Konsorten verkaufte Kleidung ist so dermaßen billig, vor allem was die "Qualität" angeht, dass sich selbst ein noch so billiger Flickservice nicht lohnen wird. Ein Shirt, dass 5 oder 10 Euro kostet, wird in den Müll geschmissen. Meist spätestens nach der dritten Wäsche, weil das Kleidungsstück dann zwar noch nicht kaputt ist, aber völlig unansehnlich und außer Form. Die Frage ist eher, wann die Billigkund(inn)en die Erleuchtung ereilt, dass Billigklamotten die bei weitem teuerste Art ist, sich zu kleiden.
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