Haftpflichtversicherung: Love Parade war bei Axa für 7,5 Millionen versichert

Wer ist schuld an der Love-Parade-Tragödie, wie werden die Opfer entschädigt? Veranstalter Rainer Schaller hat das Großereignis für 7,5 Millionen bei der Axa versichert. Sollten darüber hinaus Schäden entstanden sein, müsste er für alle weiteren Kosten wohl privat aufkommen.

Love-Parade-Organisator Schaller: Finanzielles Nachspiel? Zur Großansicht
REUTERS

Love-Parade-Organisator Schaller: Finanzielles Nachspiel?

Berlin - Die Katastrophe bei der Love Parade hat für die Veranstalter wahrscheinlich auch harte wirtschaftliche Folgen. Der Organisator Rainer Schaller hatte die diesjährige Veranstaltung bei der deutschen Tochter des französischen Konzerns Axa gegen Personen- und Sachschäden versichert. Diese Haftpflichtversicherung decke Schäden bis zu 7,5 Millionen Euro ab, sagte ein Konzernsprecher am Montag.

Bei einer Massenpanik während der Love Parade in Duisburg waren am Samstag 19 Menschen getötet worden, 511 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft schwebt ein Mensch weiter in Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit mögliche Sicherheitslücken.

Fest steht: Der Verursacher der Massenpanik muss für den entstandenen Schaden zahlen. Dieser Verursacher müsse aber erst gefunden werden, sagte Christian Lübke, Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Es kann sein, dass am Ende die Richter darüber ein Urteil fällen müssen."

Sollte der Veranstalter Lopavent schuldig sein, kann das Unternehmen seine Haftpflichtversicherung geltend machen. Für Ansprüche, die über diese Versicherungssumme hinaus entstehen, werde der Veranstalter privat haften müssen. Gründer und Geschäftsführer von Lopavent ist Rainer Schaller, der auch die Fitnesskette McFit betreibt.

Axa trägt die Deckung einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge allein. Zu Einzelheiten über Haftungsfragen oder zur Entschädigung für die Opfer wollte sich der Versicherer nicht äußern. Der Sprecher sagte, Axa tue "alles was wir können, um schnell zu vernünftigen Lösungen zu kommen". Derzeit arbeite der Versicherer "mit Hochdruck" daran, sich ein Gesamtbild der Situation zu machen.

Die Kosten für die Behandlung der Verletzten strecke erst einmal die Krankenversicherung vor, sagte Lübke. Die Kassen würden sich an den Veranstalter wenden. Geklärt werden müsse dann, wen möglicherweise eine Teilschuld treffe, wer Auflagen nicht befolgt oder nicht erlassen habe. "All das ist offen", sagte Lübke.

lgr/apn/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 57 Beiträge
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1. 7,5 Mio?
johndoe2 26.07.2010
Da hat die Haftpflichtversicherung meines Hundes ja schon 5 Mio.
2. wieder am falschen ende gespart
conocedor 26.07.2010
Da kann man für die verletzten Opfer, die Angehörigen der Toten und Herrn Schaller selbst nur hoffen, dass er aus seiner erfolgreichen McFit- Kette auch privat ordentlich was zurückgelegt hat. Denn sollten die Gerichte urteilen, dass die Lopavent tatsächlich die Verantwortung trägt, dann reichen siebeneinhalb Millionen Euro wohl nicht mal annähernd für die Befriedigung aller finanziellen Forderungen. Wenn man bedenkt, dass man sich mit einer Privathaftpflicht gegen die Widrigkeiten des Lebens schon mit ähnlich hohen Summen versichert, erscheinen diese 7,5 Millionen bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung sehr mickrig.
3. wer den Schaden hat ...
weltbetrachter 26.07.2010
Den verstorbenen Menschen gilt unser aller Mitgefühl. Die verletzten Menschen mögen alle wieder gesund werden und - hoffentlich - keine bleibenden Schäden davontragen. Zudem sollte Sorge dafür getragen werden, das alle unbürokratisch und schnell entschädigt werden. Um den folgenden Papierkram, Gerichtsverfahren und Verrechnungen zwischen Krankenkassen, Versicherungen etc. kann man sich später noch kümmern. Bei der Versicherungssumme von 7,5 Mio. bleibt für jeden Einzelnen eh nicht viel. Da braucht man nur die Summe durch die Anzahl der Verstorbenen und Verletzten zu teilen. Jeder PKW scheint jedoch besser versichert zu sein, als so eine Massenveranstaltung. Wie man so etwas überhaupt zulassen kann, bleibt wohl ewig ein Rätsel. Der Veranstalter sollte schon mal seine Mittel zusammenzählen - da wird wohl noch einiges kommen - und das mit Recht !!! Was da passiert ist - ist unverantwortlich ! ! !
4. -
langsamfahrstelle 26.07.2010
Eben. 7,5 Mio. klingt aus naiver Sicht nach totaler Unterdeckung. Aber evtl. haben die Veranstalter ja auch bei einer anderen Versicherung noch eine höhere Police abgeschlossen. Mal davon abgesehen wird mir nicht ganz klar, warum das nun für den Schaller ein finanzielles Problem bedeuten soll. Veranstalter ist doch die Lopavent GmbH, nicht er persönlich. Die GmbH braucht er eh nicht mehr, im (für ihn) besten Fall steckt da auch kein großes Vermögen (abgesehen von der nun wertlosen Marke) drin und von Bürgschaften von ihm privat weiß man auch nichts. Die GmbH geht bei eventuellen Forderungen einfach pleite und zack, ist nichts mehr zu holen. Oder wo ist mein Denkfehler?
5. nur 7,5???
2591149 26.07.2010
Es ist zwar etwas makaber jetzt über Geld zu sprechen aber 7,5 Millionen ist die Mindestdeckung für Personenschäden bei einem PKW und scheint mir äußerst gering zu sein.
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Zeugen im Wortlaut
Wo haben die Sicherungssysteme versagt? Was passierte im Tunnel? Die Ursachensuche beginnt - SPIEGEL ONLINE dokumentiert Zeugenaussagen aus verschiedenen Quellen. Die Angaben konnten nicht verifiziert werden. Klicken Sie auf die Überschriften...
Fabio, 21: "Reihenweise Leute zusammengeklappt"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen. (...) Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter." Einige seien über Zäune und über eine Leiter geklettert oder über eine enge Treppe am Tunnelende. "Wir sind danach durch den Tunnel zurück. Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. (...) Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei erst einmal nichts. "Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen. Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt."
Udo: "So stelle ich mir Krieg vor"
n-tv-Kameramann und Augenzeuge: "Da lagen schon einige Menschen am Boden, andere kletterten die Wände hoch und versuchten, über die Seiten auf das Gelände zu kommen. Und die Menschenmenge, die nachrückte, die liefen einfach über die am Boden liegenden drüber. Also eine richtige Massenpanik. (...) Die Polizei hat versucht, hineinzugehen in die Menge und die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen. (...) Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor." Die Veranstalter seien vermutlich nicht richtig auf die Menschenmassen vorbereitet gewesen. "Das war programmiertes Chaos." Zunächst seien keine Rettungskräfte dort gewesen: "Hilfskräfte waren erst mal gar nicht vorhanden, vielleicht drei, vier vom Malteser Hilfsdienst. Die konnten aber in der Masse der Menschen auch nichts machen. Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein Gelände für 350.000 Menschen bereitstellen."
Dustin, 17: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: "Alle wollten noch auf das Gelände. Damit es schneller geht, sind einige auf die Treppe ausgewichen." Diese führt von der Unterführung direkt zum Güterbahnhof, doch "von hinten drückten immer mehr nach". Es habe 40 Minuten nur Panik gegeben, erst dann habe eine Rettungsgasse gebildet werden können. Für viele kam die Hilfe zu spät. Dustin: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben." Es sei einfach erdrückt worden. Ein weiteres Mädchen habe neben ihm gelegen und sei schon blau angelaufen gewesen. Mit Mund-zu-Mund-Beatmung habe er sie wiederbeleben können. "Auf mir lagen noch zwei Menschen." Teilweise seien fünf bis sechs Personen übereinandergeschoben worden. Schließlich hätten ihn Rettungssanitäter herausgezogen. Es sei so eng gewesen, dass seine Schuhe zwischen den Menschen steckenblieben: "Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch Luft bekomme."
TV-Augenzeuge: "Dann sind wir alle umgefallen"
Mann im WDR-Interview: "Es hat sich alles wie in einem Hexenkessel gestaut. Es kamen immer weiter Leute von hinten. Und irgendwann fangen die Leute dann an, umzukippen. Ein paar sind die Treppe hochgegangen, ein paar den Mast hochgeklettert." Gemeint sind eine Nottreppe und ein Lautsprechergerüst, die von unten auf das Gelände führen. "Ich hab nur gesehen, dass ich mit meiner Freundin oben bleibe, weil ich wusste: Wenn ich einmal am Boden liege, dann werden die Leute über uns drübertrampeln. Dann sind wir alle umgefallen, ich halb mit runter, meine Beine waren beide eingequetscht." Zum Glück habe ihm jemand hochgeholfen, "dann sind wir wie durch Glück aus der Masse rausgetrieben worden. (...) Dann hab ich allen gesagt: Geht wieder zurück, die Leute sterben da vorne." Als er die Polizisten gewarnt habe, habe er gehört: "Willst Du das hier organisieren?" Jetzt bewege er sich von seinem sicheren Ort nicht weg, sitze da, eine halbe Stunde, eine Stunde, vielleicht länger, und wolle nicht mehr weitergehen. Er fürchte, dass so etwas wieder passiere.
Achmed, 17: "Brutal nach vorne gedrückt"
Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Als die Polizei das Gelände abriegeln wollte, wurden wir brutal nach vorne gedrückt, die Leute vorne bekamen keine Luft mehr." Die Stimmung sei zunächst gar nicht aggressiv gewesen. "Die wollten doch alle nur Spaß. (...) Dann haben alle geweint, ich habe geweint. Ich habe noch nie gesehen, wie ein Mensch gestorben ist."
Mario, Stefan, Rebecca: "Direkt niedergetrampelt"
Stimmen auf dem Internet-Portal DerWesten - Mario: "Es waren Tausende Menschen im Tunnel. Viel zu viele auf jeden Fall. Die Leute sind reihenweise umgefallen. Und die Polizei hat von beiden Seiten immer mehr Leute in den Tunnel geschickt". Stefan: "Wer umgefallen ist, wurde direkt niedergetrampelt." Die Sanitäter seien erst nicht durchgekommen. Rebecca: "Dann ist ein Rettungswagen durch die Menge gefahren, aber dadurch wurden alle noch mehr zusammengedrängt. Alle waren total hysterisch."
"Gabi", 43: "Die einen wollten rein, die anderen raus"
Forumseintrag auf einslive.de: "Wir sind etwa eine halbe Stunde vor der Panik durch diesen Tunnel gelaufen. Es war tierisch voll. Die einen wollten rein, die anderen raus. Also Gegenverkehr und großes Geschubse. Das war das große Problem. Die Polizei stand dabei und hat nur geschaut. (...) Nun, es hört sich jetzt vielleicht klugscheißerisch an, aber irgendwie konnte man es doch vorhersehen. Nur ein Eingang zum Gelände. Und es passten nicht alle drauf, die auch gerne wollten."
"Ronja", 17: "Uns kamen tausend entgegen"
Forumseintrag auf einslive.de: "Ich war in dem Tunnel. Plötzlich kam eine Frau zu uns und sagte wir sollen gehen, vorne fingen Massenschlägereien an. Die Menschen wurden über Traversen auf die Brücke geschleust, über Container hochgeschoben, bevor alles passiert ist. (...) Uns kamen auf den Rückweg noch mindestens tausend Menschen entgegen. Warum haben die Veranstalter nur einen Eingang gehabt?"

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Duisburg: Katastrophe bei der Love Parade