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Gefängnis für Thomas Middelhoff: Big Trouble

Von , Essen

Middelhoff vor Gericht: Fahle Blässe Zur Großansicht
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Middelhoff vor Gericht: Fahle Blässe

Thomas Middelhoff muss für drei Jahre ins Gefängnis. Als er das Urteil hört, sackt der sonst so selbstbewusste Manager zusammen. Die Richter lassen "Big T" noch im Saal festnehmen.

Der Freitagmorgen im Landgericht Essen beginnt für Thomas Middelhoff mit einer Tasse Espresso. Er hockt im hintersten Winkel der Kantine, auf weißen Plastikstühlen unter einem ausgeblichenen Sonnenschirm. Der frühere Top-Manager, "Big T" genannt, trägt einen dunklen Anzug, ein blütenweißes Hemd, goldene Manschettenknöpfe und lächelt tapfer in das Smartphone eines Fernsehjournalisten, der den vielleicht letzten Kaffee Middelhoffs in Freiheit verewigen möchte.

Seine gesunde Bräune, mit der Middelhoff über sechs Monate die Zuschauer in Saal 101 des Gerichts beeindruckte, ist inzwischen einer fahlen Blässe gewichen. Der 61-Jährige sieht erschöpft aus. Jörg Schmitt, der Vorsitzende Richter, wird die Verwandlung des Angeklagten später mit den Worten beschreiben, es sei deutlich zu erkennen gewesen, in welchem Ausmaß der Prozess Middelhoff "psychisch belastet" habe.

Zu Beginn des letzten Verhandlungstags in dem Untreueverfahren versucht der frühere Arcandor-Chef aber noch Zuversicht zu verbreiten, er ringt sich Scherze ab. "Von mir gibt es auch noch nicht genug Fotos", presst Middelhoff durch ein gequältes Lächeln hervor, als die Fotografen und Kameraleute ihn mit einem Blitzlichtgewitter begrüßen. Kerzengerade nimmt er sodann auf der Anklagebank Platz, seine Haltung ein Statement: Ich stehe.

Doch als Richter Schmitt ihm eröffnet, dass er wegen Untreue und Steuerhinterziehung für drei Jahre ins Gefängnis gehen soll, sackt Middelhoff in sich zusammen. Und je länger die Urteilsbegründung dauert, desto mehr verliert sein Körper an Spannung. Schließlich stützt Middelhoff seinen Kopf in die Hand und erträgt, was über ihn ergeht.

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Bilder-Chronik: Der unaufhaltsame Abstieg des Thomas Middelhoff

Das ganze Leben bestand aus Arbeit

Laut Kammer hat Middelhoff als Chef des inzwischen insolventen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor seinem Unternehmen einen Schaden von 500.000 Euro zugefügt. Demnach stellte der Manager seiner Firma in 26 Fällen ganz oder überwiegend privat veranlasste Flüge mit Charterjets und Hubschraubern zu Unrecht in Rechnung. Auch eine Festschrift für seinen Mentor bei Bertelsmann, Mark Wössner, sei fälschlich vom Unternehmen bezahlt worden, befindet das Gericht.

So war der promovierte Betriebswirt etwa im Juni 2008 mit dem Helikopter zu einer Hochschulratssitzung an seine frühere Universität in Münster geflogen und mietete dort eine Limousine. "Was hatte Arcandor damit zu tun?", fragt Richter Schmitt am Freitagmorgen rhetorisch. Weshalb habe das Unternehmen diese Kosten übernehmen müssen?

In der Entscheidung zeichnet die Kammer das Bild eines stets von Termin zu Termin hetzenden Top-Managers, dessen ganzes Leben Arbeit war - und der womöglich aus diesem Grund irgendwann den Unterschied zwischen Privatem und Beruflichem nicht mehr erkannte: Zu einem Teambuildung-Seminar traf sich die Konzernspitze in Middelhoffs Villa in Südfrankreich. Der Chef beherbergte seine Kollegen, bewirtete und unterhielt sie.

Doch zwischen Ausfahrten mit der Jacht und opulenten Abendessen wurde dort auch über die Entlassung von 4000 Menschen entschieden. Abseits des "dekadenten Eindrucks", den das auf manchen mache, so Richter Schmitt, sei die Frage: War es Arbeit oder Vergnügen?

Für die einen mag Thomas Middelhoff ein Mann sein, der jegliches Maß verloren hat, ein Abgehobener, der für sich in Anspruch nahm, außerhalb des Gesetzes zu stehen. Doch deutlich wird vor Gericht auch, wie schwierig es im Leben eines Workaholics ist, zwischen Dienst und Freizeit zu unterscheiden. Wenn man so will, fiel Middelhoff seinem Fleiß zum Opfer - oder seiner Gier.

Das Gericht sieht Fluchtgefahr

Middelhoff wollte vor Gericht seine Ehre wiederherstellen, wie er einmal sagte. Doch dazu hätte vor allem Ehrlichkeit gehört, so Richter Schmitt. Er habe in seinem Berufsleben "selten einen Angeklagten erlebt", der sich "derart viele Widersprüche und Einlassungsbrüche" geleistet habe. Das war die freundliche Umschreibung dafür, dass der Manager nach Auffassung der Kammer an vielen Stellen des Prozesses gelogen hat, dass sich die Balken biegen.

Noch im Saal lässt das Gericht Middelhoff festnehmen. Wegen Fluchtgefahr ergeht ein Haftbefehl gegen ihn, er muss vorläufig in Untersuchungshaft. Es sei auch nach sechs Monaten eigentlich völlig unklar, wo er denn nun lebe, so das Gericht. Middelhoff hat ein Anwesen in Bielefeld und eines in Saint-Tropez. Auf die abschließende Frage des Richters, ob er alles verstanden habe, antwortet "Big T" sehr knapp: "Ich denke: ja." Es klingt fast ein wenig patzig.

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insgesamt 131 Beiträge
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1.
Immanuel_Goldstein 14.11.2014
Jemand, der angibt, sein ganzes Leben hart gearbeitet zu haben, der ist zutiefst unglaubwürdig wenn er sein Unternehmen in den Bankrott geritten und sich selbst maßlos bedient hat. Es gibt in diesem Lande viele Menschen, die viel härter arbeiten, als diese selbsternannten "Top-Manager" und denen beim leisesten Vergehen oder Fehler die Existenz zerstört wird. Middelhoff wird auch im Knast noch dreimal täglich warm essen können.
2. Wo ist das Victory ?
Forist2 14.11.2014
Ackermann läßt grüßen !
3. hat dieser Mann nie darüber nachgedacht .....
Spiegelleserin57 14.11.2014
dass hinter der Zahl 4000 Menschen stehen deren Existenz zum großen Teil von ihrem Job abhängt. Über Zahlen ist schnell entschieden , nur muss man auch daran denken was man tut, das kann man besonders von Topmanagern erwarten. Dass der Staat Steuerhinterziehung nicht duldet ist mehr wie gerecht!
4. Interessantes Strafmaß...
fugazi70 14.11.2014
...wenn man das mal mit Uli Hoeneß vergleicht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt ;-)
5. es ist immer wieder phänomenal
Elrond 14.11.2014
...zu lesen, dass Manager höchster Kreise bei strafwürdigem Vergehen offenbar härter bestraft werden müssen, als andere, die nicht auf der finanziellen Sonnenseite des Lebens stehen. Eine etwas merkwürde Sicht auf das Recht. Es scheint gerade so, dass ein hart Arbeitender und mit Hartz IV Aufstockender strafrechtlich einen moralischen Vorteil haben müsste, wenn ihn ein gericht verurteilen sollte. Ich würde sagen, dass Sie, lieber @Herr Goldstein gerade dabei sind, das Recht zu beugen. Wie war das noch mit der Ausnutzung von Macht...
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