Hambacher Forst Umweltschützer scheitern mit Klage gegen Braunkohle-Tagebau

Die umstrittenen Rodungen im Hambacher Wald könnten bald beginnen: Der Braunkohleabbau darf laut einem Urteil fortgeführt werden. Der Energiekonzern RWE will "zeitnah" mit den Baumfällungen beginnen.

Besetzte Bäume im Hambacher Forst
DPA

Besetzte Bäume im Hambacher Forst


Die Umweltorganisation BUND ist mit einer Klage gegen den Braunkohleabbau im Hambacher Forst gescheitert. Die in Zweifel gezogenen Genehmigungen für den Tagebau seien rechtmäßig, urteilte das Kölner Verwaltungsgericht. Gegen das Urteil protestierten Braunkohlegegner lautstark im Gerichtssaal.

Der Umweltverband hatte mit der Klage die Fortführung des Tagebaus und die anstehenden Rodungen in dem uralten Waldgebiet in Nordrhein-Westfalen verhindern wollen. Der BUND wandte sich nach dem Urteil direkt an das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster, um die Rodungen doch noch zu verhindern. Außer mit dem angekündigten Antrag auf Berufung muss sich das OVG mit dem anhängigen Eilverfahren gegen die Zulassung des Hauptbetriebsplans für den Tagebau befassen.

Die Rodungen würden "zeitnah" beginnen, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns RWE. Der Vorsitzende Richter Holger Mauerer bedauerte in der Verhandlung, dass der Energiekonzern und das beklagte Land Nordrhein-Westfalen einen Kompromissvorschlag des Gerichts abgelehnt hatten.

BUND zeigte sich kompromissbereit

Der Tagebau liegt zwischen Jülich im Kreis Düren und Elsdorf im Erftkreis. Unter seinem 85 Quadratkilometer großen Abbaufeld lagern laut RWE 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle, die bis zu 450 Meter tief liegen. In dem Tagebau werden jährlich rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert.

Nur der BUND hatte Bereitschaft zu einem Vergleich signalisiert, die Abbaugrenzen des Tagebaus zu verschieben und den Hambacher Wald zu verschonen. Die Kammer hatte mit dem Vorschlag den Konflikt befrieden wollen - zumal ein Kohleausstieg absehbar sei.

"Wir werden weiter alle politischen und rechtlichen Hebel ansetzen, um den unverantwortbaren Tagebau zu stoppen und die Reste des Hambacher Waldes zu retten", sagte der BUND-Braunkohleexperte Dirk Jansen. Klimaschützer und Umweltaktivisten fordern seit Langem einen Stopp der Stromgewinnung aus Braunkohle - vor allem wegen des hohen Kohlendioxidausstoßes der Kraftwerke. Im Hambacher Forst halten Aktivisten aus Protest gegen den geplanten Ausbau die Baumwipfel besetzt:

SPIEGEL TV: Widerstand in Baumwipfeln (09.09.2017)

SPIEGEL ONLINE

Aktenzeichen: 14 K 1282/15

apr/AFP/dpa



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