Rückschlag für die Bahn Gericht bremst Bahnhofsneubau in Hamburg

Die Verlegung des Fernbahnhofs Hamburg-Altona könnte sich verzögern: Das Hamburger Oberverwaltungsgericht hat einen vorläufigen Baustopp verhängt.

Entwurf des Architektenbüros C.F. Møller
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Entwurf des Architektenbüros C.F. Møller


Rückschlag für die Deutsche Bahn bei der Verlegung des Bahnhofs Altona: Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat einem Eilantrag gegen das Vorhaben stattgegeben. Damit darf die Bahn bis zu einer vollständigen Klärung nicht weiterbauen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt. Das Urteil erging bereits am 15. August, wurde aber erst jetzt bekannt. Die Deutsche Bahn will den Fernbahnhof im Hamburger Stadtteil Altona 1,8 Kilometer nördlich an den Standort Diebsteich verlegen. Für das Großprojekt muss auch die Verladestation für Autozüge umziehen.

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Das Gericht bemängelte, dass der Planfeststellungsbeschluss in diesem Punkt unzureichend sei. Er sehe keinen gleichwertigen Ersatz vor und stelle einen rechtzeitigen Ersatz auch weder zeitlich noch inhaltlich sicher, heißt es in der Urteilsbegründung. Eine entsprechende Verpflichtung der Bahn löse das Problem nicht.

Weitere Fragen zur Rechtmäßigkeit wurden in dem Eilverfahren nicht abschließend beurteilt. Bei dem Bauvorhaben gibt es weitere Kritik, etwa an der geplanten Kapazität des neuen Bahnhofs. Auch diese Fragen sollen jetzt im laufenden Hauptsacheverfahren geklärt werden. Wie lange das dauern wird, ist unklar. Entweder versucht die Bahn, den Mangel zu beheben, oder der Planfeststellungsbeschluss wird aufgehoben.

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Die Bahn teilte auf Anfrage mit, sie nehme den Beschluss zur Kenntnis und akzeptiere ihn. "Wir werden den Beschluss nun intensiv, auch mit unseren Projektpartnern, prüfen und im Anschluss über weitere Schritte entscheiden", sagte eine Sprecherin. Weitere Aussagen wollte das Unternehmen nicht machen.

Eine SPIEGEL-Recherche hatte bereits im November vergangenen Jahres auf die unvollständige Planung der Bahn hingewiesen. Eine Verkehrsanalyse zeigte zudem, dass das Vorhaben für viele Fahrgäste Nachteile mit sich bringt. Die Bahn will den Kopfbahnhof durch einen Durchgangsbahnhof ersetzen. Diese sind für die Bahn billiger zu betreiben, da sie weniger Personal benötigen. Auf den frei werdenden Flächen will die Stadt Wohnungen errichten. Kritiker wenden jedoch ein, dass ein Großteil des Wohnungsbaus auch ohne den neuen Bahnhof möglich wäre.

Am Standort Diebsteich befindet sich derzeit eine S-Bahn-Station. Bisherigen Planungen zufolge sollten in diesem Sommer die Bauarbeiten beginnen, 2023 sollte der neue Bahnhof fertig sein und der Fernbahnhof Altona abgerissen werden. Dieser Zeitplan könnte sich jetzt erheblich verzögern.

brt



insgesamt 25 Beiträge
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deraushh 22.08.2018
1. Stillstand
nicht nur in Hamburg, überall in Republik. Ausbau der benötigten Infrastruktur, ob Straßen, Schiene, Stromleitungen, können viel zu leicht und langfristig blockiert werden. Das müssen wir Steuerzahler alles bezahlen. Es kann doch nicht sein, so kommt nichts bzw schleppend vorran in Deutschland. Das müssen andere Mechanismen gefunden, schnelle Verfahren der Grundentscheidung und im Notfall Nachbesserung (mit Fristen).
geris 22.08.2018
2. Parallelen
... zu Stuttgart 21 zu unverkennbar!
Softeis 22.08.2018
3. Sehr schön
Da haben die Investoren, die Bahn und die Stadt wohl einen Kreislaufkollaps bekommen. Eine der besten Entscheidungen eines Gerichts nach der Ermöglichung von Fahrverboten.
Le Commissaire 22.08.2018
4.
Der Hamburger Hauptbahnhof ist an alle U- und S-Bahn-Linien angeschlossen, hat also eine optimale Anbindung. Weitere Fernverkehrshalte in der Stadt sind daher völlig unnötig. Folglich sollte der (zudem noch sehr hässliche) Bahnhof Altona aufgegeben werden, für die paar Regionalanbindungen reicht der geplante neue Bahnhof gut aus.
Stäffelesrutscher 22.08.2018
5.
Saubere Entscheidung und eine schallende Ohrfeige für die DB und den früheren Hamburger Ersten Bürgermeister. Keiner von denen hatte es für nötig gehalten, ins Gesetz zu gucken (Rückbau von Infrastruktur ist verboten, solange sie gebraucht wird) oder sich mal ernsthaft mit dem Vorschlag der Bürgerinitiative zur Ertüchtigung von Altona mit Freiräumung von Flächen für den Wohnungsbau zu befassen. Stattdessen gab man sich dem Größenwahn hin - Stuttgart 21 an der Elbe, sozusagen.
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