"Aus China gesteuert" Hamburger Ermittler decken Steuerbetrug durch Onlinehändler auf

Über insgesamt 14 Accounts verkaufte ein Onlinehändler Waren im Internet. Dem Finanzamt meldete er jedoch nur einen - um Steuern in Millionenhöhe zu hinterziehen. Die Hintermänner sitzen in Asien.

Onlinehandel (Symbolbild)
DPA

Onlinehandel (Symbolbild)


In Hamburg haben die Behörden einen massiven Steuerbetrug durch ein aus China gesteuertes Onlinehandelsunternehmen aufgedeckt. Die Firma habe dem Finanzamt in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren Umsätze von 45 Millionen Euro verschwiegen und dadurch Steuern von mehr als sieben Millionen Euro hinterzogen, teilte die Finanzbehörde der Hansestadt am Freitag mit. In dem Fall ermittelten Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft gemeinsam.

In den vergangenen Tagen durchsuchten die Ermittler demnach die Räume des Onlinehändlers und die Wohnung ihres Geschäftsführers, einem 44-jährigen Deutschen chinesischer Abstammung. Der Mann wurde parallel dazu von Zielfahndern der Polizei festgenommen.

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Die Firma verschwieg dem Finanzamt nach Angaben der Behörde bei der Steuererklärung mindestens 14 Accounts auf einer bekannten Onlinehandelsplattform, über die sie Umsätze machte. Sie gab lediglich einen an. Das Unternehmen war in Hamburg ansässig, wurde demnach aber "über ein chinesisches Netzwerk" gesteuert.

Das Unternehmen ist kein Einzelfall - insbesondere über die US-Konzerne Amazon und Ebay hinterziehen Händler immer wieder Steuern. Von den Tausenden chinesischen Anbietern auf Ebay haben rund 90 Prozent nicht einmal eine deutsche Umsatzsteuernummer. Die Plattformen waren in der Vergangenheit wenig daran interessiert, das Vorgehen ihrer Händler bekannt zu machen.

Zuletzt hatte die EU einen Vorschlag gegen Steuerlöcher der Internetriesen unterbreitet: Künftig soll die "digitale Präsenz" der Unternehmen ausreichen, um sie zu höheren Abgaben in EU-Ländern zu bewegen.

ans/AFP



insgesamt 9 Beiträge
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klausbrause 06.04.2018
1.
Notfalls sollte man die Vermittler solcher Geschäfte, d.h. die Amazons dieser Welt, haftbar machen.
polltroll 06.04.2018
2. Verantwortung des Gesetzgebers!
Wenn unserer Regierung noch irgendwas an der heimischen Einzelhandelslandschaft liegt, sollte sie hier so langsam mal tätig werden! Wenn ich so erlebe mit welchen Gängelungen und Abgaben ein lokaler Händler in Deutschland so schikaniert wird, wundert es mich, dass diesem unlauteren Treiben im Netz so untätig zugesehen wird!
jumbing 06.04.2018
3.
Ich bin absolut kein Trump-Fan, aber er hat erkannt, daß man der chinesischen Wirtschaftspolitik nicht mehr länger tatenlos zusehen darf. Nur unsere "Volksvertreter" lassen zu, daß der heimische Markt mit chinesischen Produkten überschwemmt wird und dies auch noch steuerfrei.
Poco Loco 06.04.2018
4. Darüber bin ich nicht traurig.
Das ist schon krass welchen Preisvorteil diese chinesischen Händlern gegenüber den steuerzahlenden und vielleicht sogar in der EU produzierenden Herstellern und Einzelhändlern haben. Die Löhne sind immer noch sehr gering in Ch., der Transport wird subventioniert vom chin. Staat sonst würden die Produkte viel mehr kosten, und die Chinahändler führen keine oder wenig Umsatzst. und Einkommensst. ab. Wie sollen da die lokalen Wettbewerber noch mithalten? Die Konsumlaune ist zwar statistisch hoch, dennoch haben die Leute im wahren Leben immer weniger Geld für Qualität übrig, weil sie ohnehin schon alles auf Kante genäht haben (z.B. wg. der schlechten Lohnentwicklung u. den steigenden Mieten). Viele Einzelhändler leiden unter der Situation, es wird Zeit dass diese Wettbewerbsverzerrung mal korrigiert wird. Ebay u. Amazon gefällt die Schnäppchenjagd auf ihren Plattformen natürlich, denn die interessiert nur der Umsatz. Ebay verlangt von seinen Plattform-Verkäufern auch immer wieder, sie sollen die Preise senken oder ändern die Angebote eigenmächtig auf "Preis vorschlagen", um mehr Umsatz zu machen. E. ignorieriert die Tatsache, dass Made in Germany und die enthaltene Umsatzsteuer, einen anderen Preis kosten muss um noch irgendwie profitabel zu sein. Dass diese Plattformbetreiber auch noch eine gesalzene Provision einstreichen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Dass diese Provision vielleicht auch mal verringert werden könnte, davon will Ebay u. Co. naturgemäß nichts wissen. Jetzt sollen sie sich wenigstens mal darum kümmern, dass ihre Marketplace-Verkäufer auch eine Umsatzsteuer berechnen und Amazon soll diese gleich einbehalten und an das FA abführen, dann wäre wenigstens etwas fairerer Wettbewerb hergestellt.
hman2 06.04.2018
5.
Zitat von jumbingIch bin absolut kein Trump-Fan, aber er hat erkannt, daß man der chinesischen Wirtschaftspolitik nicht mehr länger tatenlos zusehen darf. Nur unsere "Volksvertreter" lassen zu, daß der heimische Markt mit chinesischen Produkten überschwemmt wird und dies auch noch steuerfrei.
Und weil Trump was getan hat, geht gerade die US-Wirtschaft den Bach runter, falls Sie das noch nicht gemerkt haben. Es kommt ein Handelskrieg auf. Den werden die Chinesen überstehen, die USA ganz sicher nicht.
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