Hamburger Traditionswerft ThyssenKrupp verkauft Blohm + Voss an Araber

Schon wieder steigen arabische Investoren bei einem deutschen Unternehmen ein: Ein Schiffsbauer aus Abu Dhabi übernimmt große Teile der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss. Der bisherige Eigentümer ThyssenKrupp zieht sich damit weitgehend zurück.

Blohm + Voss: Auch die Yacht "Eclipse" des Milliardärs Abramowitsch wurde hier gebaut
dpa

Blohm + Voss: Auch die Yacht "Eclipse" des Milliardärs Abramowitsch wurde hier gebaut


Hamburg - Der von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelte Konzern ThyssenKrupp Chart zeigen will weite Teile der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss an ein arabisches Schiffbauunternehmen verkaufen. Die MAR Group aus Abu Dhabi, die zu den führenden Schiffbauern der Golf-Region gehört, übernehme jeweils 80 Prozent an den Gesellschaften Blohm + Voss Shipyards, Blohm + Voss Repair und Blohm + Voss Industries, teilte ThyssenKrupp am Donnerstag mit.

Für den Bau von Militärschiffen wollen die Partner ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Anteil von je 50 Prozent gründen. Wegen der Flaute im Schiffbau hatte ThyssenKrupp erst vor wenigen Wochen die Mehrheit an den Nordseewerken Emden verkauft.

Mit dem Blohm + Voss-Deal setzt sich der Einstieg arabischer Investoren bei deutschen Unternehmen fort: Zuletzt war das Emirat Katar beim Autobauer Volkswagen eingestiegen. Im Frühjahr hatte sich die Investmentgesellschaft Aabar aus Abu Dhabi am Autohersteller Daimler beteiligt.

"Lösung für derzeitige Auftragsflaute"

Bei dem Blohm + Voss-Investor handelt es sich um Scheich Hamdan bin Zajed al-Nahjan, der Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi ist. Dessen Gruppe Abu Dhabi MAR war über eine Kapitalerhöhung erst im Sommer zu 90 Prozent bei der angeschlagenen Rendsburger Werft Nobiskrug eingestiegen. Abu Dhabi Mar gehören darüber hinaus zwei weitere Werften.

"Wir haben einige potenzielle Aufträge im Militär- und im Yachtbereich, einige Schiffe könnten von den Bloom + Voss-Werften gebaut werden", sagte Iskandar Safa, Besitzer der Firma Privinvest, die 30 Prozent an der Abu Dhabi MAR Group hält. ThyssenKrupp-Vorstand Olaf Berlien erklärte: "Das ist nicht der Anfang des endgültigen Ausstiegs aus dem Schiffbau, sondern eine Lösung für die derzeitige Auftragsflaute."

Noch rund 2200 Mitarbeiter bei Blohm + Voss

Der Marine-Schiffbau von ThyssenKrupp habe seit elf Jahren keinen Auftrag aus dem Ausland erhalten, die vier von der Bundesregierung bestellten Fregatten lasteten den Konzern nicht aus. Bei Luxus-Yachten sei das Unternehmen bis vor kurzem auf fünf Jahre ausgelastet gewesen, nun hätten Kunden aber alle Aufträge storniert. "Den Bereich hätten wir ohne die Lösung mit Abu Dhabi Weihnachten zumachen müssen", sagte Berlien.

Die IG Metall kritisierte die Pläne scharf. "Wir sehen darin eine große Gefahr für die Beschäftigten. Auslastungslücken im militärischen Bereich lassen sich künftig nicht mehr mit zivilen Aufträgen ausgleichen", sagte Hamburgs Erster Bevollmächtigter Eckard Scholz. ThyssenKrupp widersprach. "Wir haben keine Pläne, Stellen zu streichen, unser Ziel ist es Aufträge ranzuschaffen und damit Beschäftigung zu sichern", sagte Safa.

In den drei Blohm + Voss Gesellschaften für den Bau von Yachten, den Reparaturbetrieb und den Bau von Schiffskomponenten sind rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt. Im Marineschiffbau sind es noch rund 500, allerdings greift der "graue" militärische Bereich künftig im Bedarfsfall auf Kapazitäten des "weißen" Bereichs zu.

böl/Reuters/ddp/Dow Jones



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.