Handel mit Russland Deutsche Firmen leiden unter Ukraine-Krise

Die deutsche Wirtschaft schlägt wegen der Spannungen zwischen dem Westen und Russland Alarm. Zehntausende Arbeitsplätze stünden in Deutschland auf dem Spiel, wenn es nicht bald eine Lösung in der Ukraine-Krise gebe.

Hamburger Hafen: Deutsche Wirtschaft warnt vor deutlichen Verlusten
DPA

Hamburger Hafen: Deutsche Wirtschaft warnt vor deutlichen Verlusten


Moskau - Die deutsche Wirtschaft klagt angesichts der politischen Ost-West-Konfrontation über extrem trübe Aussichten für ihre Russland-Geschäfte. "2015 und 2016 werden brutal schwierig", sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, in Moskau. Er forderte die Politik auf, sich ohne Schuldzuweisungen an den Verhandlungstisch zu setzen, um eine Lösung der Krise auszuhandeln. Es bestehe die Gefahr, dass Europa Russland nicht nur als wichtigen Markt, sondern auch als Partner verliere.

Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine sagte Cordes, dass etwa drei Viertel der aktuell befragten deutschen Unternehmen Zweifel an der Wirksamkeit der westlichen Sanktionen gegen Russland hätten. Im Zuge der Krise seien die deutschen Exporte nach Russland um knapp 20 Prozent gesunken. Das bedeute einen Verlust von rund 60.000 Arbeitsplätzen - bei 300.000 Stellen insgesamt, die in Deutschland vom russischen Markt abhängig seien, sagte er.

Nach einer Umfrage der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer (AHK) wollen 30 Prozent der deutschen Unternehmen Personal in Russland abbauen. Drei Viertel verzichten auf Investitionen. 91 Prozent der Firmen erwarten demnach insgesamt einen negativen Trend für dieses Jahr, wie die AHK in der Studie feststellte. Noch nie in den vergangenen zehn Jahren sei die Stimmung so schlecht gewesen.

Cordes begrüßte ausdrücklich das Angebot der Bundesregierung an Russland, eine Freihandelszone und einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. Russland sei für die westlichen Unternehmen weiterhin ein "hochattraktiver Markt", sagte AHK-Präsident Rainer Seele. Er lobte, dass die deutsche Politik nun einen früheren Vorschlag von Kremlchef Wladimir Putin über einen Wirtschaftsraum von "Lissabon bis Wladiwostok" aufgreife.

Der AHK-Umfrage zufolge würden 78 Prozent der deutschen Unternehmen auch die Ukraine gern als Teil eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes der Europäischen Union mit der von Russland initiierten Eurasischen Wirtschaftsunion sehen. Zugleich befürchteten viele westliche Firmen, dass sich Russland von Europa ab- und vor allem China zuwende, hieß es. In der Krise zwischen der EU und Russland im Streit um die Ukraine gebe es bisher nur Verlierer.

Die Sanktionen, die Rubelabwertung und der niedrige Ölpreis sowie Kapitalflucht hätten Russland in eine tiefe Krise gestürzt, sagte AHK-Präsident Seele. "Die Kreditvergabe ist praktisch zum Erliegen gekommen." Auf deutscher Seite sei von der Krise vor allem der Maschinenbau sowie die Automobilindustrie betroffen. Trotzdem gebe es von allen Befragten ein Signal, betonte Seele, der auch Vorstandschef des Energiekonzerns Wintershall ist: "Wir halten dem russischen Markt die Treue."

jbe/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ronniii 05.02.2015
1. Das Gejammer
der Wirtschaft kann man wirklich nicht mehr ertragen. Entweder beim Mindestlohn oder der Krise in der Ukraine. Arbeitsplätze die Menschen ausbeuten oder die erhalten bleiben weil man toleriert das Russland einfach fremde Länder überfällt haben in einer Gesellschaft wie der unseren nichts zu suchen. Sie müssen dann eben weg fallen. Das gleiche gilt für Saudi-Arabien und damit die Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie sicher bleiben sollten wir die Panzer lieber selber beschaffen damit wir mal wieder in die Lage kommen uns gegen Despoten wie Putin zu verteidigen.
Ichbines2 05.02.2015
2. Unverständnis
Keine Ahnung, was diese Meldungen ständig zu bedeuten haben: Tagtäglich kommen doch Wirtschaftszahlen und die fallen doch immer brillant aus. Heute z.B. Daimler! Der Dax ist fast bei 11000. Weder die Ukraine-Krise, noch der Krieg in Europa oder das Griechenlandproblem tangieren auch nur entfernt unsere Wirtschaft. Dagegen steht nämlich ein niedriger Euro und ein niedriger Ölpreis sowie bzw. oder deshalb jede Menge Binnenkonsum. So what?
wealthofnations 05.02.2015
3.
... schlägt überhaupt nicht Alarm, sondern ist zu 99% mit anderen Dingen als mit Russland beschäftigt. Es sind einige wenige Unternehmen, die versuchen ihre Interessen im Russlandgeschäft zu schützen. Legitim, aber irrelevant.
ralbec 05.02.2015
4. Einsicht bei Politikern?
Ein Politiker muss nicht unbedingt pragmatisch sein, ein Politiker muss nicht einmal etwas von dem verstehen, wofuer er er zustaendig ist. Er bekommt aber sein Geld, und wie so viele Abgeordnete, vieles auch noch steuerfrei. Ein Bauer aber, ein Kleinunternehmer aber, ein Konzernlenker aber, diese Herren alle haengen im Netz, wenn Sanktionen durchgeboxt werden. Und wir alle haengen im Netz, wenn Raketen fliegen und Bomben fallen. Wer sagt mir mal, wie oft die Russen in den Jahren nach Ende des 2. Weltkrieges Expansionen gemacht haben. Bitte benennt mir die Faelle! Ich kenne keinen. Aber alle Welt spricht von den boesen Russen, die neue Territorien erobern wollen. Und unser Gold wird vorsorglich bei unseren besten Freunden in Amerika gebunkert. Seht Euch doch mal die Karte an: ich bin viele Male in und ueber Russland geflogen. Es ist schier unbegreiflich gross. Warum in aller Welt hat sich der Westen aufgemacht, vor der Höhle des Bären rumzutanzen. Dass dann dieser Bär wütend wurde und sich nun den Eingang zu seiner Höhle freischiesst, ich kann es verstehen. Lasst den Bären zufrieden, macht weiter Geschäfte mit ihm, ja lasst Euch friedlich in Russland nieder, die Russen sehen Euch gerne. Nur fuchtelt nicht mit Gewehrläufen vor seiner Nase herum. Das macht nicht nur den russischen Bären nervös. Ich bin Deutscher und lebe seit 25 Jahren in Russland. Mir geht es hier gut.
harry099 05.02.2015
5. die USA haben ihre exporte nach russland gesteigert.
so ist das mit der politik der USA. das positive klima zwischen deutschland und russland ist im eimer und die US machen kohle. demnächst bezahlen wir noch zuschüsse an die ukraine, damit diese die von den US gelieferten waffen bezahlen können. waffen, die zum teil schon geliefert sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.