Klöckner & Co Deutsche Stahlfirma profitiert von Trumps Strafzöllen

Der Duisburger Stahlkonzern Klöckner & Co hat das beste Quartalsergebnis seit sieben Jahren erzielt. Der Grund: die Strafzölle von US-Präsident Donald Trump.

Stahlrollen
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Der deutsche Stahlhändler Klöckner & Co profitiert von der "America First"-Politik des US-Präsidenten Donald Trump. Dessen für den US-Markt verhängte Schutzzölle auf Stahl treiben die Preise für den Werkstoff in die Höhe und lassen die Gewinne bei dem Duisburger Handelskonzern steigen.

Einen großen Teil des Geschäfts macht das Unternehmen in den USA. Dort kauft Klöckner & Co den Stahl ein und verkauft ihn an amerikanische Bauunternehmen, Autohersteller und Maschinenbauer weiter. Direkt ist der Händler bei diesen An- und Verkäufen also nicht von den Zöllen betroffen. Aber er profitiert nun kurzzeitig vom Preisanstieg, verursacht durch die teureren Importe.

Bei Klöckner liegt der Stahl oft gut zwei Monate in den Lagern, bevor er weiterverkauft wird - das hat jetzt geholfen. "Nun erzielen wir höhere Margen", sagte ein Sprecher. Unter dem Strich hat das Unternehmen im zweiten Quartal 33 Millionen Euro verdient - neun Millionen mehr als vor Jahresfrist. Dies ist das beste Quartalsergebnis seit über sieben Jahren. Auch der Umsatz zog deutlich an.

Der durch Trumps Zölle entstandene Preisanstieg in den USA habe aber voraussichtlich seinen Höhepunkt erreicht - und damit dürften auch bei Klöckner die Margen wieder sinken. "Da ist nicht mehr viel zu erwarten", sagte Konzernchef Gisbert Rühl. Er bleibt aber optimistisch: Im dritten Quartal will er den operativen Vorjahreswert von 47 Millionen Euro übertreffen und 55 bis 65 Millionen Euro einfahren.

Trump hatte einen Handelsstreit auch mit der Europäischen Union entfacht, indem er Einfuhrzölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium verhängt hat. Die EU hat darauf mit ähnlichen Zöllen etwa auf Motorräder und Whiskey reagiert. Trump drohte daraufhin mit zusätzlichen Zöllen auf Autos, die vor allem deutsche Hersteller treffen würden.

hej/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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p-touch 24.07.2018
1. Was ich mich schon
länger frage ist ob die US-Stahlhersteller überhaupt die benötigten Mengen liefern können wenn durch die Strafzölle die Nachfrage an heimischen Stahl steigt. Und ob sie in der Lage sind Spezialstähle, die aus dem Ausland importiert werden, herzustellen.
pacificatore 24.07.2018
2. Gelassen bleiben
Läuft der Wettbewerb über die Qualität des Gutes, dann sind die Zölle nicht so wichtig. Beim Preiswettbewerb ist das anders. Die Deutschen bauen Qualitätsprodukte und sind deshalb von den trump'schen Zöllen kaum betroffen. Wenn Trump via Entwicklungsautarkie Teile der US-Wirtschaft auf Weltmarktniveau bringen will, dann soll er es versuchen. Die Ergebnisse sehen wir vielleicht in 10 Jahren. Also: Gelassen bleiben.
kospi 24.07.2018
3.
Zitat von p-touchlänger frage ist ob die US-Stahlhersteller überhaupt die benötigten Mengen liefern können wenn durch die Strafzölle die Nachfrage an heimischen Stahl steigt. Und ob sie in der Lage sind Spezialstähle, die aus dem Ausland importiert werden, herzustellen.
Nee, sind sie nicht, aber woher soll denn Trump das wissen? Die Stahlhersteller twittern nicht.
halihalo52 24.07.2018
4. Auch der Umsatz zog deutlich an.
Wenn die Preise steigen, zieht der Umsatz immer an. Eine erstaunliche Erkenntnis. Und was soll der Jubel jetzt bringen? Es ist doch lediglich ein kurzes Einfahren von zusätzlichem Gewinn auf Basis einer Preiserhöhung. Die Meldung ist also nicht viel wert.
Das dazu 24.07.2018
5. Seltsame Meldung
Da wird eingelagerte Stahl zu höheren Preisen verkauft, was zu Gewinn führte. Das ist verständlich, auch, das dies nur in Zukunft nicht mehr so sein wird. Man hat ja keinen billiger eingelagerten Stahl mehr zu Hand. Das Lager wird nun zum aktuellen Preis gefüllt. Das passiert bei allen Handelsbereichen, in den Preise so ansteigen und die Ware gelagert werden kann. Was ist da jetzt genau die Meldung? Oder fehlte heute einfach eine Trump Zoll Meldung?
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