Entspannung im Handelsstreit Aktienkurse von Europas Autokonzernen steigen

Die Verständigung im Handelsstreit zwischen der EU und den USA gibt Europas Autoherstellern Auftrieb an den Börsen. Bei Daimler herrscht allerdings nur gedämpfte Freude.

Mercedes-Stern
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Die Aktien deutscher Autohersteller haben an diesem Donnerstag mit Kurssprüngen auf die abgewendete Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und der EU reagiert. Die Aktien von Volkswagen und BMW stiegen um jeweils mehr als drei Prozent, auch Daimler-Aktien verzeichneten ein Plus von 1,5 Prozent.

Aktien von Fiat Chrysler (FCA) erholten sich in Mailand sogar um vier Prozent, nach dem der Konzern am Vortag den Tod seines Ex-Chefs vermeldet hatte. Die Papiere von Peugeot kletterten in Paris um 2,7 Prozent und erreichte mit einem Kurs von 24,39 Euro den höchsten Stand seit 2008. Auch die Aktien von Zulieferern wie Continental oder Hella legten stark zu.

Experten sprachen von Erleichterung unter den Anlegern, weil die Gefahr von US-Autoimportzöllen vorerst gebannt sei. "Dieses Signal der Deeskalation ist wichtig und nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen ein großer Schritt nach vorn", teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. "Damit besteht nun eine reale Chance, zusätzliche Zölle oder gar einen Handelskrieg zwischen den USA und der EU zu verhindern."

Bei dem Krisentreffen von Trump und Juncker in Washington verständigten sich der US-Präsident Donald Trump und der EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Vorabend auf einen Plan zur Beilegung des Zollkonflikts. Die Einigung kam überraschend, weil sich beide vor dem Treffen noch unnachgiebig gezeigt hatten. Mögliche US-Zölle auf Autos sind nun nach Auffassung der EU vorerst verhindert.

Gedämpfte Freude bei Daimler

Bei Daimler hielt die Freude jedoch nicht lange: Beim Autobauer war der Gewinn im zweiten Quartal stärker eingebrochen als erwartet, weil der Konzern hohe Sonderkosten zahlen musste. Allein Rechtskosten für den Vergleich rund um das Mautsystem Toll Collect belasteten das operative Ergebnis mit 418 Millionen Euro.

Im zweiten Quartal rutschte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um 29 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ab. Vor Steuern und Zinsen ging das Ergebnis ebenfalls um fast ein Drittel auf 2,64 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz ging trotz eines höheren Fahrzeug-Absatzes insgesamt leicht um ein Prozent auf 40,8 Milliarden Euro zurück.

Auch im laufenden dritten Quartal rechnet Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Belastungen. Kostspielige Software-Updates für Dieselfahrzeuge, Auslieferungsstopps und der neue Abgasteststandard WLTP sorgen dafür, dass manche Daimler-Modelle für die Kunden vorübergehend nicht verfügbar sind. Erst im vierten Quartal soll wieder Besserung eintreten.

Auch der Handelsstreit zwischen den USA und China macht Daimler zu schaffen. Der Autobauer musste zuletzt in China auf Mercedes-Autos höhere Rabatte gewähren, weil Kunden sinkende Zölle für Autos aus Europa für ihre Preisverhandlungen bei den Händlern nutzten. Daimler hatte schon vor wenigen Wochen die eigene Ergebnisprognose gesenkt, weil China als Gegenmaßnahme zu Trumps Politik Autos aus den USA mit höheren Einfuhrabgaben belegt.

cop/dpa/Reuters

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