Handelsstreit Deutsche Wirtschaft protestiert gegen mögliche US-Zölle

US-Präsident Donald Trump lässt mögliche Strafzölle auf Autos prüfen. Die deutsche Wirtschaft reagiert empört.

Donald Trump
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Die deutsche Wirtschaft kritisiert mögliche höhere Handelsbarrieren der USA für die Einfuhr von Autos scharf. "Aspekte der nationalen Sicherheit als Begründung anzuführen, ist konstruiert und an den Haaren herbeigezogen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. "Wir müssen das schon fast als Provokation werten."

Investitionen und Jobs, die deutsche Hersteller in den USA schaffen, würden in Washington vollkommen außer Acht gelassen. Sollten die höheren Einfuhrzölle wirklich kommen, würde dies Mehrbelastungen in Milliardenhöhe bedeuten, warnte Schweitzer.

US-Handelsminister Wilbur Ross hat im Auftrag von Präsident Donald Trump eine Untersuchung zur Frage eingeleitet, ob Importe von Fahrzeugen Belange der nationalen Sicherheit der USA berühren.

Eine solche Prüfung würde die rechtliche Grundlage für die Einführung von Zöllen bilden, falls das Handelsministerium in den Importen eine Gefahr für die nationale Sicherheit sieht. Laut "Wall Street Journal" erwägt die Regierung einen Aufschlag von 25 Prozent auf die Einfuhr von Autos.

VW warnt vor Protektionismus

Der Volkswagen-Konzern warnte vor "einseitigem Protektionismus". "Nur freier und fairer Handel sichert Wohlstandsgewinne", sagte ein Konzernsprecher in Wolfsburg. Die Erfahrung zeige, dass "einseitiger Protektionismus langfristig niemandem geholfen" habe.

BMW nannte freien Marktzugang einen entscheidenden Faktor für das Wachstum, den Wohlstand und die Beschäftigung in der gesamten globalen Wirtschaft. Zugleich betonte BMW, sein Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina sei seine weltweit größte Produktionsstätte. Auch sei die BMW Group der größte Nettoexporteur von Fahrzeugen aus den USA. "Wir beobachten die weiteren Entwicklungen genau", hieß es weiter.

Der Autobauer Daimler teilte lediglich mit: "Wir beobachten die Situation aufmerksam und spekulieren nicht über laufende Verhandlungen."

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) nannte die nun eingeleitete Untersuchung des US-Handelsministeriums zwar nicht überraschend. Die deutsche Automobilindustrie beobachte die Entwicklung aber "aufmerksam und mit Sorge", teilte VDA-Präsident Bernhard Mattes mit. Zugleich forderte er, eine Erhöhung der Zollschranken sollte vermieden werden.

brt/dpa/AFP

insgesamt 75 Beiträge
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Gmorker 24.05.2018
1. Arbeitsplätze
Eventuell sollte die deutsche Industrie mal offiziell verlautbaren lassen, das sie prüfen lassen, wieviele Arbeitsplätze durch den zu erwartenden Umsatzverlust prognostiziert werden und in einem Nebensatz erwähnen, das diese Arbeitsplätze im wesentlichen in den USA bedroht wären und nicht in anderen Ländern. Muss ja nicht stimmen, die Drohung alleine reicht ja... sieht man doch an Trumps "Tagespolitik".
kuac 24.05.2018
2.
Längerfristig gesehen macht Trump einen Fehler. Er versucht durch Zollschranken Wettbewerbsfähigkeiten für heimische Autoindustrie zu erreichen. Damit wäre der Innovationsdruck weg und die Branche wird in 10 Jahren nicht mehr zu retten sein. Was mit Tesla passiert, das ist eine andere Geschichte.
aufderuhr 24.05.2018
3. Es wird Zeit, die wirklichen Player in den USA zu aktivieren
Europa muss sich von den wirklichen Riesen der USA befreien. Microsoft, Facebook, Amazon, Apple, etc... Die Motivation wird immer größer! Bin mal gespannt, was passiert, wenn es dazu kommt... America first am Abgrund, würde ich mal sagen.
cyoulater 24.05.2018
4. Bmw
"Zugleich betonte BMW, sein Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina sei seine weltweit größte Produktionsstätte. Auch sei die BMW Group der größte Nettoexporteur von Fahrzeugen aus den USA. "Wir beobachten die weiteren Entwicklungen genau", hieß es weiter." - Ob Herr Trump die Tragweite dieser Aussage versteht? Es sind ja nur 2 Sätze, zwar größer als ein Tweet, aber doch überschaubar...
wusselpowa 24.05.2018
5. Strategischer Fehler der Bundesregierung.
Wer über Jahre hinweg den deutschen Handelsbilanzüberschuss nicht nur gutheisst, sondern sogar noch nach Kräften fördert, ist halt einfach auch selber Schuld, wenn andere Länder anfangen, sich zu schützen. Ich verweise jetzt einfach mal auf den kategorischen Imperativ. Was wäre, wenn alle wie Deutschland das Ausland mit seinen Waren fluten würde?? Im Mittelalter wurde unsere derzeitige Wirtschaftsform Merkantilismus genannt.
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