Trotz Spannungen Handel zwischen China und USA stark gestiegen

Ob sich Händler in den USA ihre Lager noch mal bis obenhin mit Tand und Technik aus China vollgestopft haben? Obwohl zwischen beiden Ländern Handelsstreit herrscht, ist der Warenaustausch deutlich gestiegen.

Container-Abfertigung in Long Beach
AFP

Container-Abfertigung in Long Beach


Angesichts des eskalierenden Handelsstreits zwischen den USA und China decken sich amerikanische Einzelhandelskonzerne offenbar mit Waren aus China ein. Die Importe aus der Volksrepublik, die über US-Seehäfen abgewickelt wurden, legten im Juni überraschend stark zu.

Der Zuwachs habe in allen US-Häfen im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 6,3 Prozent gelegen, teilte der Hafen von Los Angeles unter Berufung auf die Analysefirma IHS Markit mit. Demnach gab es noch im Mai ein Minus von 6,9 Prozent und im April von 3,9 Prozent.

Bezogen auf das ganze erste Halbjahr 2018 stiegen sämtliche Ausfuhren aus China in die USA in Dollar berechnet um 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das teilte der Zoll in Peking mit.

Der Gründer der Unternehmensberatung Hackett Associates, Ben Hackett, sagte, Unternehmen deckten sich wohl vorsorglich vor der Einführung neuer Zölle mit Waren ein. "Das ist ein Anstieg, der nicht normal ist."

Der Handelsstreit zwischen den USA und China war zuletzt immer weiter eskaliert. US-Präsident Donald Trump drohte damit, weitere Waren aus China mit einem Volumen von Hunderten Milliarden Dollar mit zusätzlichen Zöllen zu belegen. Einzelhandelskonzerne wie Walmart oder Amazon könnten auf die Abgaben langfristig mit Preiserhöhungen reagieren oder müssen sich womöglich nach Lieferanten in anderen Ländern umschauen - selbst wenn sie ihre Waren mit viel Vorlauf bestellen.

Allerdings stiegen auch die Ausfuhren der USA nach China im ersten Halbjahr 2018 stark an - dem chinesischen Zoll zufolge um 11,8 Prozent. Der Warenaustausch zwischen den beiden größten Volkswirtschaften wuchs damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,1 Prozent auf 301 Milliarden Dollar.

Das amerikanische Handelsdefizit mit China, das US-Präsident Donald Trump besonders stört, stieg dadurch im Juni mit 28,97 Milliarden Dollar aber auch auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Chinas Ausfuhren in die USA wuchsen in dem Monat auf eine Rekordhöhe von 42 Milliarden Dollar an, während die USA nur für 13,6 Milliarden Dollar Güter nach China ausführten.

Insgesamt legte Chinas Außenhandel im Vorjahresvergleich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres jedoch mit 16 Prozent noch stärker zu. Einfuhren wuchsen dabei den Behördenangaben zufolge mit einem Plus von 19,9 Prozent besonders rasant.

Chinesisches Containerschiff in Qingdao
AP

Chinesisches Containerschiff in Qingdao

Am vergangenen Freitag hatten die USA Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus China im Wert von 34 Milliarden Dollar eingeführt. Die Zölle betreffen 818 Produkte, darunter Autos, Flugzeugteile und Festplatten.

Trump begründet seine Strafzollpolitik mit dem enormen Handelsdefizit seines Landes gegenüber China. Das Land verhängte Gegenzölle und sprach von "notwendigen Gegenmaßnahmen". Ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking sprach davon, die USA hätten "den größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte" eingeleitet.

apr/Reuters/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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claus7447 13.07.2018
1. Klar, jetzt Zölle sparen
Wenn es um Profit geht wird gebunkert. In Zeiten von Niedrigzins möglich. Oder das Ganze nennt man Prävention!
pragmat 13.07.2018
2. Kaufleute
Tja, wer hätte das gedacht? Kaufleute können rechnen und wissen, dass Zölle nur Steuern auf Waren sind, welche eine Grenze passieren. Und wenn man dann seine Marktanteile behalten will, erhöht man seine Preise zunächst mal nicht, sondern bunkert für die Zukunft, solange es das Glimmerzeug aus China noch billig gibt. Na sowas!
Reinhold Schramm 13.07.2018
3. Chinas Regierung will betroffene Unternehmen unterstützen
Von Wen Qing in der Beijing Rundschau: Die chinesische Regierung hat beschlossen, chinesischen und ausländischen Unternehmen, die von den Handelszöllen betroffen sind, die die USA auf chinesische Produkte erhoben haben, finanzielle Unterstützung zu gewähren. China werde Gelder aus Zöllen, die bei der Verschiffung von Waren aus den Vereinigten Staaten nach China erhoben werden, verwenden, um die Auswirkungen der US-Handelsbeschränkungen gegen chinesische Unternehmen und deren Mitarbeiter zu reduzieren, teilte das Handelsministerium am 9. Juli mit. Das Ministerium sagte in einer Erklärung, dass die Regierung alle Unternehmen ermutigen werde, ihre Waren- und Rohstoffimporte zu erhöhen, und zwar insbesondere in der Automobilbranche, bei Meeresprodukten sowie Sojabohnen aus anderen Märkten. Diese jüngste Reaktion Chinas wurde bekanntgegeben, nachdem die US-Regierung am 6. Juli damit begonnen hatte, Strafzölle auf chinesische Importe in Höhe von 34 Milliarden Dollar zu verhängen, die China dann – zur Verteidigung seiner Interessen – mit der Erhebung von Zöllen in gleicher Höhe vergolten hatte. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, China werde die Auswirkungen auf verschiedene Arten von Unternehmen kontinuierlich auswerten. Das Land werde zudem auch das Tempo der effektiven Nutzung ausländischer Investitionen beschleunigen und eine qualitativ hochwertige wirtschaftliche Entwicklung fördern sowie den Schutz der legitimen Rechte und Interessen seiner Unternehmen und Einwohner stärken. Der Schritt Chinas zeigt, dass das Land Ressourcen einsetzt, um seinen Herstellern zu helfen, die Auswirkungen der irrationalen Handelspolitik der USA zu mildern und einheimische Unternehmen bei der Suche nach neuen Importkanälen von globalen Märkten wie Deutschland, Brasilien und Südkorea für verschiedene Produkte zu unterstützen, sagte Ma Yu, eine leitende Forscherin an der Chinesischen Akademie für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Vgl. Beijing Rundschau, 12.07.2018. R.S.: Bereitstellung.
muellerthomas 13.07.2018
4.
hm, also ich sehe in den Zahlen keine besondere Bewegung. Die Importe aus China stiegen im Mai um 4,8% - im Mai 2017 lag der Zuwachs gegenüber Mai 2016 aber noch bei 13%. Und die Exporte nach China sind um 7,6% gestiegen - im Mai 2017 lag der Zuwachs gegenüber Mai 2016 aber noch bei 15,5%.
az26 13.07.2018
5. Cool!
Der eine zahlt höhere Zölle, der andere auch. Die höheren Zolleinnahmen werden dann wiederum in die eigenen Firmen als Beihilfen gesteckt. Ein Nullsummenspiel, das am Ende nichts bringt. Ob Trump sich das so vorstellte?
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