Handwerksverband über die Bundesregierung "Da wird Gegenwart verwaltet, aber nicht Zukunft gestaltet"

Den Handwerkern in Deutschland geht es laut einem aktuellen Konjunkturbericht so gut wie nie. Die Unzufriedenheit ist beim Zentralverband des Deutschen Handwerks trotzdem groß.

Zimmermann in Bamberg (Archiv)
DPA

Zimmermann in Bamberg (Archiv)


Die Weltpolitik streitet über Handelsbeschränkungen und Zölle, doch das deutsche Handwerk zeigt sich davon unbeeindruckt. "Besser als je zuvor in einem Frühjahr", bewerteten die Betriebe derzeit ihre Lage, sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke.

55 Prozent der Betriebe schätzten laut aktuellem ZDH-Konjunkturbericht ihre Situation derzeit als gut ein, das sind rund fünf Prozentpunkte mehr als im ersten Quartal 2017. Nur neun Prozent nannten demnach eine schlechtere Lage.

Generalsekretär Schwannecke äußerte trotz dieses "herausragenden Starts" umfassend Unmut über die Politik der Bundesregierung. In der Steuerpolitik, bei der Rente und im Arbeitsrecht fehle beispielsweise der Mut: "Da wird Gegenwart verwaltet, aber nicht Zukunft gestaltet", kritisierte Schwannecke. Mit dem diskutierten Rückkehrrecht aus Teilzeit drohe zudem ein Souveränitätsverlust für Arbeitgeber. Personalplanung werde erschwert.

Auch Fachkräfte seien nach wie vor schwer zu finden, klagte Schwannecke. In einigen Kammerbezirken hätten 60 Prozent aller Betriebe Personalengpässe. Zudem seien 15.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben.

Umsätze sollen um drei Prozent steigen

Die neue Bundesregierung habe weniger die "Notwendigkeiten für erfolgreiches Wirtschaften als vielmehr die sozialpolitische Rundumversorgung im Blick", hieß es. Die drohenden Fahrverbote für Dieselautos könnten für manche Betriebe existenzgefährdend sein. Handwerker würden zu 80 bis 90 Prozent auf Dieselfahrzeuge zurückgreifen.

Aktuell geht es den Betrieben laut ZDH-Generalsekretär Schwannecke aber gut. "Derzeit deuten alle Indikatoren darauf hin, dass erst einmal nicht mit einem grundsätzlichen Umschwung dieser Konjunkturwetterlage im Handwerk zu rechnen ist", teilte er mit. Die Auftragsbestände seien so hoch wie nie, ebenso die Umsätze und Investitionen.

Schwannecke rechnet damit, dass die Umsätze in der Branche 2018 um rund drei Prozent steigen. In den kommenden Monaten rechnen 37 Prozent der Betriebe in Deutschland mit nochmals besseren Geschäften, nur 4 Prozent mit einer Eintrübung.

apr/dpa



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