Sorge vor schlechtem Ruf Handwerkspräsident fordert Meisterpflicht für bestimmte Berufe

In vielen Handwerksberufen sollte der Meisterbrief wieder Pflicht werden, fordert der Chef des Branchenverbands. Er sorgt sich angesichts Tausender Ein-Personen-Betriebe um den Ruf des Handwerks.

Goldschmied bei der Arbeit
DPA

Goldschmied bei der Arbeit


Seit dem Wegfall der Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen sind Tausende Solo-Selbstständige dazugekommen. Der Handwerksverband ZDH sieht darin nicht nur Vorteile. Präsident Hans Peter Wollseifer dringt auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen und warnt vor Marktverzerrungen. "Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen", sagte Wollseifer der Nachrichtenagentur dpa.

Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen. Wollseifer verwies auf ein juristisches Gutachten im Auftrag des Handwerks. Dies komme zu dem Ergebnis, dass eine Rückkehr von Handwerkern in die Meisterpflicht unter Einhaltung bestimmter Kriterien verfassungs- und europarechtlich möglich sei.

Im Jahr 2004 war in mehr als fünfzig Berufen die Meisterpflicht weggefallen. "Seit der Deregulierung braucht man als Rollladen- und Jalousienbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Gold- und Silberschmied, Orgelbauer oder Musikinstrumentenhersteller keinen Meisterbrief und keinen Qualifikationsnachweis mehr, um in diesen Gewerken selbstständig am Markt zu sein", sagte Wollseifer.

"Theoretisch kann jeder einfach einen Auftrag annehmen und machen. Für diese Tätigkeiten sollte man aber qualifiziert sein." Inzwischen seien einige unterwegs, die sich zwar als Handwerker betitelten, aber gar nicht ausgebildet seien, kritisierte der Handwerkspräsident. "Und die liefern natürlich nicht immer die Qualität ab, die es sein sollte. Das schädigt den Ruf des Handwerks insgesamt."

Günstigere Preise zulasten der Sozialkassen

Seit der Deregulierung seien im Handwerk Tausende Ein-Personen-Betriebe dazugekommen. "Viele Solo-Selbstständige geben an, dass sie weniger als 17.500 Euro Umsatz haben, damit müssen sie dann den Kunden gar keine Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Die können ihre Leistungen natürlich deutlich günstiger anbieten als seriös arbeitende Handwerksbetriebe, die die Mehrwertsteuer abrechnen", sagte Wollseifer. Die Minibetriebe seien selten darauf angelegt, Personal aufzubauen und auszubilden.

Viele Solo-Selbstständige sorgten zudem nicht fürs Alter vor und zahlten keine Kranken- und Unfallversicherung. "Dadurch können sie ganz andere Preise kalkulieren und noch mal fast 40 Prozent günstiger anbieten", rechnete Wollseifer vor. "So kommt es, dass sie für die Stunde 25 Euro berechnen, und Betriebe, die ihre Sozialversicherungsabgaben leisten, 50 Euro berechnen. An vielen Stellen läuft es in die falsche Richtung. Das sollte begradigt werden."

Wollseifer warnte davor, bei der Deregulierung nur das größere Angebot an günstigen Handwerksleistungen zu sehen. Es seien die Meister-Handwerksbetriebe, die Beiträge zur Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherung zahlten.

mmq/dpa



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mynonys22 02.01.2019
1. gerade erst
letztens einen Vortrag der AFD dazu aus dem Bundestag gesehen, mit genau den gleichen Punkten. Ein wahrer Meilenstein der SPD, auf lange Sicht sehr vorausschauend durchdacht die Abschaffung der Meiszerbriefe.
wo_st 02.01.2019
2. Meisterbrief?
Wozu den Meisterbrief, der sagt doch nichts über Qualität aus. Hatte einen Bezirkshandwerkermeister, der nicht Mal ordentlich das Gewerk ausmessen konnte....
Kein Besserwisser 02.01.2019
3. Herr Woolseifer hat wohl Angst um seinen Posten, mehr nicht!
Wer regulieren möchte, macht das ausschließlich im eigenen Interesse - auch wenn er andere Gründe vorgibt. Wenn jemand schlechte Qualität abliefert, regelt das der Markt binnen kurzer Zeit selbst weil er keine Aufträge mehr bekommt. Und soll doch jeder selbst für sich bestimmen, ob er Krankkasse oder Rentenbeiträge bezahlt. Wenn ich sehe, welch hoher Anteil meiner Krankenkasse und Rentenbeiträge für angebliche Verwaltung oder Rücklagen gesteckt werden, kann ich die Haltung vieler verstehen, die ihr Geld lieber selbst bestimmend anlegen. Und dann denke ich, dass Herr Wollseifer ganz einfach befürchtet, seine Pfründe als Handwerkspräsident zu verlieren wenn immer weniger Betriebe in diese völlig überflüssige Institution einbezahlen.
odonata 02.01.2019
4. da will wohl jemand seine Pfründe sichern!
Angesichts des Umstandes, dass das ordentliche Handwerk nicht mal in wichtigen Handwerksbereichen in der Lage ist, vernünftig arbeitende Handwerker zu stellen, ist das wohl ein Witz. Hier versucht man wohl nur, die lästige Konkurrenz aus dem Weg zu schaffen. Viele Migranten mit jahrzehntelanger Praxiserfahrung haben nur dank des Abschaffens der Meisterpflicht die Chance auf eine eigene Existanz. Andere können neben dem normalen Beruf selber Aufträge annehmen....die werden auch im Alter ganz normal Rente beziehen. vor allem bei diesen wirklich umsatzstark benötigten Berufen wie Goldschmied oder Orgelbauer....das ist wirklich ein Witz!!!
Mach999 02.01.2019
5.
Zitat von mynonys22letztens einen Vortrag der AFD dazu aus dem Bundestag gesehen, mit genau den gleichen Punkten. Ein wahrer Meilenstein der SPD, auf lange Sicht sehr vorausschauend durchdacht die Abschaffung der Meiszerbriefe.
Die Argumente werden dadurch auch nicht stichhaltiger. Ob jemand gut ist, macht sich nicht am Meisterbrief fest. Wer einen Orgelbauer irgendwo im Hinterhof sucht, ist selbst schuld. Bewertungsportale sagen deutlich mehr aus als der Meisterbrief. Das verhält sich wie mit den Doktoren in der AfD. Der Doktortitel zeigt, dass sie denken können. Politik und Wortmeldungen der AfD zeigen, dass sie nicht denken wollen. Der Meisterbrief zeigt, dass jemand gute Arbeit leisten kann. Er sagt aber nichts darüber aus, ob jemand gute Arbeit leisten will. Die AfD springt lediglich auf diesen Zug, weil sie Handwerker an sich binden möchte. Typische Klientelpolitik, wie wir sie auch von der FDP kennen. Beide tun immer so, als seien sie wirtschaftsliberal. Wenn es aber um ihre Klientel geht, sind sie dann doch protektionistisch.
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