Harte Zeiten für Aldi und Co. Gericht stoppt Discounter-Expansion

Rückschlag für die Discounter: Das Bundesverwaltungsgericht hat die Eröffnung von Filialen für unzulässig erklärt, wenn dadurch alteingesessene Geschäfte geschädigt werden könnten. Für die Unternehmen kommt das Urteil zur Unzeit - sie leiden ohnehin schon unter Umsatzrückgängen.

Aldi Süd: Die Grenzen des Wachstums könnten erreicht sein
dpa

Aldi Süd: Die Grenzen des Wachstums könnten erreicht sein


Leipzig - Klare Ansage des Bundesverwaltungsgerichts: Die Expansion der Lebensmittel-Discounter hat Grenzen. Deutschlands oberste Verwaltungsrichter bekräftigten am Donnerstag, dass die Errichtung eines Discount-Marktes nicht zulässig ist, wenn dadurch alteingesessene Geschäfte in der Nachbarschaft geschädigt werden könnten. Das gelte auch und gerade für den Fall, dass die Geschäfte nur in sogenannten Nahversorgungsbereichen liegen. Auch solche meist nur fußläufig erreichbaren Gebiete könnten "zentrale Versorgungsbereiche" gemäß Baugesetz sein, entschied der 4. Senat.

Hintergrund waren zwei Klagen von Discountern, die in Köln ("Plus") und München ("Aldi") Märkte eröffnen wollten. Die Städte hatten die Genehmigungen wegen der zu erwartenden "schädlichen Auswirkungen" nicht erteilt.

In Köln befindet sich rund 500 Meter vom anvisierten Standort entfernt eine Ansammlung von Geschäften und Dienstleistern, die bisher die Versorgung der Anwohner sicherten. Die Stadt befürchtete den Niedergang des gesamten Nahversorgungsbereiches, wenn der Discounter mit knapp 700 Quadratmeter Fläche dazukäme. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diese Auffassung.

Mit dem geplanten "Aldi" in München wird sich dagegen der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) noch einmal genauer beschäftigen müssen. Der Senat verwies die Klage zur erneuten Entscheidung zurück. Die VGH-Richter müssen noch einmal die Methode überprüfen, mit der die Abschöpfung von Kaufkraft prognostiziert werden kann.

Für die Discounter ist das Urteil vor allem deshalb eine bittere Nachricht, weil sie zuletzt bereits mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen hatten. Wie der SPIEGEL berichtet hatte, lagen die Umsätze von Aldi, Lidl und Co. in den ersten zehn Monaten des Jahres um rund ein Prozent unter denen des Vorjahres.

böl/dpa-AFX

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Klo, 06.08.2009
1.
Zitat von sysopDie Verbraucher freut's, die Erzeuger leiden: Im Kampf um die Supermarktkunden senken die Discounter die Lebensmittelpreise immer weiter - doch wie gesund ist der Preissturz für die Wirtschaft?
Die Freude könnte dem Verbraucher noch im Hals stecken bleiben. Discounter machen das ja nicht aus Spaß an der Freud, sondern um durch Zerstörung der Konkurrenz eine Art Monopolstellung zu erhalten. Und warum wollen sie diese Stellung? Na klar, um dann doppelt fett abkassieren zu können. Wenn infolge des Preiskampfs der Aldi, der Lidl, der Edeka, der Tengelmann, der Rewe, der Plus, der real diecht gemacht haben, dann bleibt eben nur noch der Sieger übrig und der wird sich das bezahlen lassen. Vom Kunden natürlich, der dann keine Wahl mehr hat.
heinrichv. 06.08.2009
2. Mir egal.
Mein Käse ist teuer, mein Brot ist teuer - alle meine Lebensmittel sind teuer. Dafür esse ich mit Verstand und komme unterm Strich nicht teurer weg als beim Discounter.
MarkH, 06.08.2009
3. ooo
Zitat von sysopDie Verbraucher freut's, die Erzeuger leiden: Im Kampf um die Supermarktkunden senken die Discounter die Lebensmittelpreise immer weiter - doch wie gesund ist der Preissturz für die Wirtschaft?
Hartz4 muss dann eben auch weiter nach unten ;) So kann es sicherlich nicht weitergehen. Neben Aldi und Erzeuger muss es auch n0och weitere Möglichkeiten in D. geben.
CaptainSubtext 06.08.2009
4.
Zitat von sysopDie Verbraucher freut's, die Erzeuger leiden: Im Kampf um die Supermarktkunden senken die Discounter die Lebensmittelpreise immer weiter - doch wie gesund ist der Preissturz für die Wirtschaft?
Wir haben doch gestern erst auf SPON gelerent, dass zumindest niedrige Preise für nicht abzuschreibendes Humankapital gut für die Wirtschaft sei. Also müssen doch niedrige Preise für Säfte etc. auch gut für die Wirtschaft sein. Oder? http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,640037,00.html P.S. Wir haben kein Deflation!
migo1954, 06.08.2009
5.
Moin. So weit wird es nicht kommen. Die nachfolgenden Generationen werden eh nur bei MCD und Co. einkaufen. Aber vielleicht übernimmt ja ein sogenannter Discounter mal die Fastfoodketten, dann würde es vielleicht mit dem Monopol klappen. *g*
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