Berlin - Hartmut Mehdorn soll neuer Chef des Hauptstadtflughafens BER werden. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. "Ich freue mich, dass wir Hartmut Mehdorn als neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der FBB gewinnen konnten", sagte Ramsauer. Ein Sprecher des Flughafens wollte den Bericht dagegen weder bestätigen noch dementieren. Er verwies auf eine vorgezogene Pressekonferenz am Mittag.
Der BER-Chefposten ist seit Januar nicht besetzt. Der Aufsichtsrat hatte den früheren Geschäftsführer Rainer Schwarz abgesetzt, weil die Eröffnung des Airports zum vierten Mal abgesagt werden musste.
Mehdorn hatte erst zu Jahresbeginn nach 16 Monaten den Chefposten bei Air Berlin aufgegeben. Im November ließ er wegen der Verzögerungen beim BER-Bau eine Feststellungsklage auf Schadensersatz gegen die BER-Betreiber einreichen. Mehdorn kritisierte die wiederholten Verschiebungen des Eröffnungsdatums scharf. Manch einer habe wohl vergessen, "dass die Erdachse eben nicht durch den Nabel von Berlin geht", sagte er im vergangenen Jahr.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast äußert sich bestürzt über die Berufung von Mehdorn. "Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht, überzeugt einen der Aufsichtsrat zuverlässig vom Gegenteil", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "So setzt sich die Flughafengesellschaft endgültig dem Gespött aus." Künast sagte weiter: "Matthias Platzecks erste wichtige Handlung als Chefaufseher ist vollkommen schief gegangen." Der brandenburgische SPD-Ministerpräsident hat von Berlins Regierendem Bürgermeister den Vorsitz des BER-Aufsichtsrats übernommen.
Bekannt wurde Mehdorn als Chef der Deutschen Bahn, die er zehn Jahre lang führte. Zwar brachte er das ehemalige Staatsunternehmen erfolgreich auf Gewinnkurs, war jedoch unter anderem wegen seiner undiplomatischen Art stets umstritten. Grünen-Politikerin Künast: "Gebraucht wird ein erfahrener Manager von Großprojekten. Doch die Wahl fällt auf denjenigen, der zehn Jahre als Bahnchef das Milliardengrab S21 betrieben hat." In die Bahn-Zeit von Mehdorn fiel die Entscheidung für den Bau von Stuttgart 21.
Als BER-Chef werde Mehdorn mehr als eine halbe Million, aber "deutlich weniger als eine Million" Euro verdienen, schreibt "Bild". Sein Vorgänger Rainer Schwarz hatte jährlich rund 550.000 Euro verdient.
Anfang der Woche hatte der ehemalige Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, angekündigt, er werde sich nicht als Chefplaner um die Baustelle des Berliner Großflughafens kümmern. Bender war zunächst sogar als neuer BER-Chef im Gespräch gewesen, lehnte dann aber ab.
Am Freitag tritt der BER-Aufsichtsrat zusammen, um über die lange Mängelliste für den neuen Großflughafen im Südosten Berlins zu beraten. Ein Termin für die Inbetriebnahme des Hauptstadt-Airports in Schönefeld, die mehrfach verschoben worden war, steht immer noch nicht fest.
dab/flo/dpa/Reuters/AFP
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