Ambitionierte Uni Harvard erzielt acht Prozent Rendite - und ist "enttäuscht"

Ist das die Arroganz der akademischen Elite? Die Stiftung der US-Universität Harvard hat 2016 eine Rendite von 8,1 Prozent erwirtschaftet - und hadert mit diesem Ergebnis.

Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts: Hohe Ansprüche an die Geldanlage
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Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts: Hohe Ansprüche an die Geldanlage

Von manager-magazin.de-Autor


Die Universität Harvard, eine der Top-Adressen unter den Ausbildungsstätten der USA, ist bekannt für ihre hohen Ansprüche, wenn es darum geht, das eigene Vermögen zu vermehren. Immerhin sitzt die Stiftung der Hochschule, die für das Kapitalmanagement zuständig ist, auf einem Berg von rund 37 Milliarden Dollar - das ist Rekord unter den Universitäten der USA und wohl auch weltweit.

Jetzt hat die Harvard-Stiftung ihren jüngsten Jahresbericht vorgelegt. Demnach erzielten die Investments der Universität im vergangenen Jahr eine Rendite von 8,1 Prozent - und damit ein "enttäuschendes" Ergebnis, wie die Stiftungsleitung findet.

8,1 Prozent Jahresrendite - enttäuschend? Da könnte manch ein Beobachter verwundert die Augenbrauen hochziehen, angesichts von einem allgemeinen Zinsniveau, das sich seit geraumer Zeit auf historisch niedrigem Level bewegt. Doch die Investmentmanager von Harvard - und übrigens auch anderen Hochschulen in den USA - denken in anderen Kategorien. Sie investieren ihr Geld traditionell stark in nicht festverzinste Assetklassen, wie Aktien, Hedgefonds oder auch Unternehmensbeteiligungen sowie Wald- oder Energieinvestments.

In diesem Umfeld liegt Harvard mit seiner jüngsten Performance tatsächlich nicht besonders gut im Rennen, wozu dem Bericht zufolge vor allem Misserfolge bei Umweltinvestments beigetragen haben. Zwar konnte sich die Uni im Vergleich zum Vorjahr, als ein Verlust von zwei Prozent zu Buche stand, deutlich verbessern.

Der Schnitt der US-amerikanischen Spitzenunis kam im letzten Jahr jedoch auf eine Rendite von fast 13 Prozent, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Das Dartmouth College in Hanover, New Hamphire, welches als erste der acht Elite-Unis aus der sogenannten Ivy-League in diesem Jahr seine Ergebnisse vorlegte, kam laut "WSJ" sogar auf 14,6 Prozent.

Bei ihren Anlageerfolgen profitierten die Hochschulen insbesondere von der Rallye, die die weltweiten Aktienmärkte hingelegt haben. Allein der breite US-Aktienindex S&P 500 beispielsweise stieg 2016 um 17 Prozent.

Vierter Chef-Investor in zehn Jahren

Der Grund für die Underperformance der Harvard-Investments ist denn auch an anderer Stelle zu suchen. Er sei Ausdruck "tiefer, struktureller Probleme", die auch in Zukunft auf das Ergebnis drücken dürften, schrieb Chef-Anleger N.P. Narvekar in seinem Jahresbericht.

Was nach heftiger Selbstkritik klingt, ist für den Chef-Investor allerdings kaum verfänglich: Die Harvard-Stiftung kämpft bereits seit einiger Zeit gegen schlechte Anlageergebnisse, und nach einigen Führungswechseln hat Narvekar erst Ende vergangenen Jahres als vierter Chef innerhalb von zehn Jahren das Ruder übernommen.

Seitdem versucht er den Großanleger Harvard Stiftung durch Umstrukturierungen wieder auf Kurs zu bringen. So sollen künftig vermehrt externe Investmentfirmen, gegründet von ehemaligen Investmentprofis der Stiftung, die Anlagen übernehmen. Bis diese Maßnahmen auch in der Performance Wirkung zeigen, werden nach Angaben des Chef-Investors aber noch einige Jahre vergehen.



insgesamt 11 Beiträge
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spmc-12355639674612 20.09.2017
1. An diesem Ehrgeiz
könnten sich manche deutschen Kleinsparer, die ständig betrauern, wie sehr sie von der Nullzinspolitik der EZB enteignet werden, ein Beispiel nehmen: In Harvard versucht man offensichtlich gar nicht erst, die Rendite über festverzinsliche Papiere oder sogar Sparkonten zu erwirtschaften, weil man dort weiß, dass es nichts bringt.
stefan.martens.75 20.09.2017
2. Die Rendite ist doch lächerlich!
Wenn ich die ganzen Fondsmanager vor einem Jahr rausgeschmissen hätte. Das gesamte Kapital in den DOW gepackt hätte würden jetzt 20% Gewinn zu buche stehen. Die Enttäuschung kann man also durchaus nachvollziehen. Schon Gordon Gecko sagte: Fondsmanager sind auch nicht besser als der Markt.
rostfriese 20.09.2017
3. Währungsbereinigt noch schlechter
Weil der US-Dollar sehr stark gefallen ist, sind die Auslandsanlagen eines US-Investors währungsbedingt schon stark gestiegen. Da muss etwas ziemlich stark das Ergebnis belastet haben.
j.weber 20.09.2017
4. Gutes Marketing der Ivy League
Wenn ich schon wieder lese die "acht Elite-Unis aus der sogenannten Ivy-League" . Gerade Dartmouth mit Platz 89 beim aktuellen THE Ranking ist ja kaum noch Elite. Die acht Ivy-League Unis kommen im Schnitt auf einen beachtlichen 26. Platz in diesem Ranking... die acht besten Universitäten ausserhalb der Ivy-League auf den 10. u.a. mit CalTech, Stanford und MIT mit den besten Werten aller US Unis. Die Ivy-League ist keine Elite-Uni-Vereinigung. Sie ist die Vereinigung der größten Unis im Nordosten der USA. Da sind halt 3 oder 4 Elite Unis dabei.
kuac 20.09.2017
5.
Zitat von stefan.martens.75Wenn ich die ganzen Fondsmanager vor einem Jahr rausgeschmissen hätte. Das gesamte Kapital in den DOW gepackt hätte würden jetzt 20% Gewinn zu buche stehen. Die Enttäuschung kann man also durchaus nachvollziehen. Schon Gordon Gecko sagte: Fondsmanager sind auch nicht besser als der Markt.
Genauso ist es. Während der Lehmann-Krise hatte Harvard sehr viel Geld verloren. Es gibt kaum ein Fond, der besser performt als ein Index, trotz Stockpicking.
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