Neue Probleme beim Brandschutz 2017 wird das wohl nichts mehr mit dem BER

Vier Eröffnungstermine wurden bereits abgesagt, jetzt droht laut "Tagesspiegel" auch der fünfte zu platzen: Der neue Hauptstadtflughafen BER hat offenbar erneut Probleme beim Brandschutz.

Entrauchungsanlage des Flughafens (Archiv)
DPA

Entrauchungsanlage des Flughafens (Archiv)


Die für Ende 2017 geplante Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER ist nach Informationen des "Tagesspiegels" wegen neuer Probleme beim Brandschutz gefährdet. Das zuständige Bauordnungsamt habe für den Umbau der Entrauchungsanlage Nachbesserungen gefordert, hieß es. Das gehe aus einem Schreiben von Technikchef Jörg Marks an die Mitarbeiter hervor.

Flughafensprecher Daniel Abbou bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass es das Schreiben gebe und dass beim Brandschutz nachgebessert werden müsse.

"Wir müssen die Anforderungen des Bauordnungsamts einbeziehen und sehen, wie wir die Nachbesserungen umsetzen können", sagte Abbou. Die Folgen für den Zeitplan seien zurzeit ungewiss. Der Landrat vom Kreis Dahme-Spreewald und Chef des Bauordnungsamts, Stephan Loge, habe ihm aber bestätigt, dass man versuchen werde, die Probleme "baubegleitend" zu lösen und so die Verzögerungen zu minimieren, erklärte Abbou.

Der Hauptstadtflughafen sollte eigentlich 2011 eröffnen. Vier Eröffnungstermine wurden schließlich abgesagt, weil Planungsfehler und Baumängel abgearbeitet werden mussten. Zuletzt war der Zeitplan durch die Pleite des Gebäudetechnikausrüsters Imtech und verspätet eingereichte Nachträge zum Bauantrag unter Druck geraten. Nach jüngsten Flughafenangaben gebe es aber noch einen Puffer.

Das Licht geht nicht aus

Mit dieser Nachricht überraschte der Flughafen 2013. Ursache waren Probleme mit der Leittechnik, wo im Zuge der Umplanungen immer wieder angeflickt wurde. Inzwischen ist das zentrale Datennetz des Terminals umgerüstet und für Erweiterungen vorbereitet - für 11 Millionen Euro.

Die Rolltreppen sind zu kurz

Wer mit seinem Koffer vom unteririschen Bahnhof zum Terminal-Vorplatz will, muss am Ende der Rolltreppen noch ein paar feste Treppenstufen überwinden. Die Rolltreppen waren zu kurz bestellt worden, über einen Austausch wurden Flughafen und Deutsche Bahn nicht einig.

Der Rauch muss durch den Keller

Brennt das Terminal, wird ein Teil des Rauches in den Keller gesogen und seitwärts nach außen geleitet. Das sorgte für Spott, widerspricht jedoch wegen des Unterdrucks keineswegs den Regeln der Physik. Nur: Die Entrauchungsanlage war über die Jahre so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Sie wird in mehrere Abschnitte geteilt.

Die Türen sind falsch nummeriert

Knapp jeder dritte der 4000 Räume im Flughafen war falsch nummeriert, weil umgeplant wurde, ohne dass jemand den Überblick wahrte. Das kann schwerwiegende Folgen haben, weil Türen und Lüftungsklappen den Raumnummern folgen. Auch Rettungsdienste brauchen verlässliche Nummern. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.

Im Terminal herrscht Kabelsalat

Mit den Terminal-Erweiterungen legten die verschiedenen Firmen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen - bis sie überbelegt waren, was etwa wegen Hitzebildung riskant ist. Kabel führen auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser, teilweise fehlen Pläne. Mehr als 90 Kilometer Kabel mussten neu gezogen werden. Die Mammutaufgabe ist fast abgeschlossen.

Die Gepäckausgabe ist zu klein

Das mag nach langem Flug niemand: Warten aufs Gepäck, gar ein Kofferchaos. Doch acht Gepäckbänder, insgesamt 580 Meter lang, das ist für das, was auf den Flughafen zukommt, zu wenig. Ein weiteres Band wurde bewilligt, doch der drittgrößte deutsche Airport wird insgesamt zu klein sein. Das Passagierwachstum hat die Planer überrascht. Das benachbarte alte Schönefelder Terminal darf daher vorerst nicht schließen, über Interimsbauten wird nachgedacht.

Vertrauliche Unterlagen liegen im Müll

Ordnerweise Baupläne lagen im vergangenen Sommer in einem Abfallcontainer - auf offener Straße. Noch mehr läuft schief: Ein Planer gibt sich zu Unrecht als Ingenieur aus, Schmiergeld fließt, Machtkämpfe und Intrigen werden auf offener Bühne ausgetragen. Keiner der bisherigen Chefs hat die Baustelle vollends befrieden können.

Das Dach ist zu schwer

Vier Tonnen, so viel wie drei VW Golf, wiegen fünf Ventilatoren, die auf Bühnen unterm Dach des Terminals hängen und im Brandfall Rauch hinaussaugen sollen - viel mehr als eigentlich geplant. Vergangene Woche kam der Fehler nach Jahren ans Licht, seitdem herrscht aus Sicherheitsgründen Baustopp. Der Flughafen betont, die statischen Nachweise seien weiter gültig - keine Einsturzgefahr. Davon muss er noch die Bauaufsicht überzeugen.

sun/dpa



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Seite 1
isegrim der erste 08.03.2016
1. Der Turm zu Babel ist auch nie fertig geworden!
Was soll's? Das Lebe geht weiter.
eckawol 08.03.2016
2. Hätte mich auch sehr verwundert,
dass BER schon 2017 eröffnet worden wäre. Der Chef des zuständigen Bauordnungsamtes ,Stephan Loge, macht sich viele Freunde bei den Westberlinern, die gerne weiter Tegel nutzen.
Lignite 08.03.2016
3. Ist das eigentlich Schikane vom Bau
Weil nicht genug bezahlt wurde? Ein kleiner Sachbearbeiter dort kann ein Milliardenprojekt beliebig verzögern. Denn irgendwas kann man immer finden. Oder behaupten.
dunnhaupt 08.03.2016
4. Berlin lag immer abseits
Erst lange nachdem bereits diverse Eisenbahnstrecken Europa durchkreuzten, wurde Berlin schließlich erstmals durch eine eingleisige Strecke von Köthen (Anhalt) aus an das Netz angeschlossen, wofür der mit nur einem einzigen Bahnsteig versehene Anhalter Bahnhof errichtet werden musste.
martyr 08.03.2016
5.
Allein in der Zeit von heute bis Ende 2017 können entsprechend erfahrene Firmen solch ein Projekt komplett realisieren. Zu einem fixen Preis. Aber nein, die halbe Milliarde mehr damals wäre schwieriger zu rechtfertigen gewesen, also alles in die Hand von völlig überforderten Staatsbediensteten. Jetzt kostet der BER ein vielfaches, wird nicht fertig und keiner lernt draus. Lieber eine Milliarde veranschlagen, acht zahlen, statt den Menschen anderthalb erklären zu müssen.
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