Hauptstadtflughafen Pannen-Airport sollte 2012 als Baustelle in Betrieb gehen

Baut ihr noch oder fliegt ihr schon? Der Hauptstadt-Airport hätte nach der geplanten Eröffnung 2012 monatelang ein Doppeldasein führen sollen, tagsüber als Flughafen, nachts als Baustelle. Die Behörden ließen solch ein Provisorium aber nicht durchgehen.

EX-BER-Projektleiter Korkhaus: "Dass es kritisch war, war uns bewusst."
DPA

EX-BER-Projektleiter Korkhaus: "Dass es kritisch war, war uns bewusst."


Hamburg/Berlin - Technikprobleme, Baumängel und Planungsfehler: Die vielen Pannen am Hauptstadtflughafen verhindern bis heute eine Inbetriebnahme. Wie jetzt bekannt wurde, wären auf dem Airport BER auch nach einer planmäßigen Eröffnung im Juni 2012 noch monatelang Bauarbeiter im Einsatz gewesen.

"Es war klar, dass nach der Eröffnung in Nachtarbeit sechs Monate gearbeitet werden musste", sagte Joachim Korkhaus im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Untersuchungsausschuss hat den früheren Gesamtprojektleiter am Freitag zum zweiten Mal zu dem Debakel befragt. Laut Korkhaus sollten Arbeiter nachts die Decken im Terminal öffnen und Kabel neu verlegen. Bis Weihnachten 2012 sollten sie so die Brandschutzanlage auf Vollautomatik umrüsten - bei laufendem Betrieb des Flughafens.

Die Inbetriebnahme am 3. Juni 2012 war mit einer Teilautomatik geplant. Im Brandfall sollten Feuerwehrleute den Rauchabzug und die Sprinkler per Knopfdruck in Gang setzen, Türen sollten teils per Hand bedient werden - eine Idee der Architekten, nicht des Flughafens, wie Korkhaus betonte. Die Behörden akzeptierten diese Notlösung aber nicht. Der Flughafen sagte die Eröffnung kurzfristig ab.

Das Planungschaos in Schönefeld reicht nach Korkhaus' Ausführungen mindestens bis ins Jahr 2009 zurück. Viele Firmen hätten Kabel planlos verlegt, bis 2011 auf den Kabeltrassen kein Platz mehr gewesen sei.

"Dass es kritisch war, war uns bewusst", sagte Korkhaus. Die Planer hätten aber nicht in allen Bereichen Platz für weitere Trassen gefunden. Das habe zur Absage der Eröffnung 2012 beigetragen. Ein erster Eröffnungstermin - im Oktober 2011 - war 2010 um sieben Monate verschoben worden.

Ab Juli 2014 sollen nun endlich die ersten Maschinen auf dem Flughafen Berlin Brandenburg starten und landen. Diesen Termin nannte Flughafenchef Mehdorn Mitte Januar. Geplant ist ein Testbetrieb mit maximal zehn Flügen am Tag.

bos/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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Alfred Ahrens 31.01.2014
1. Was darf alles mit Steuergeldern in diesem Staat gemacht werden ?
Warum sitzen die Verantwortlichen nicht längst hinter Schloss und Riegel? Wie lange dürfen sich die Steuerzahler noch die Fortsetzung dieses Disasters ansehen? Wäre ja mal interessant, ob es dazu eines Tages eine Antwort gibt anstatt von Phrasengedresche der Politiker und Verantwortlichen!
jonas4711 31.01.2014
2. So so,
Zitat von sysopDPABaut ihr noch oder fliegt ihr schon? Der Hauptstadt-Airport hätte nach der geplanten Eröffnung 2012 monatelang ein Doppeldasein geführt, tagsüber als Flughafen, nachts als Baustelle. Die Behörden ließen solch ein Provisorium aber nicht durchgehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hauptstadtflughafen-ber-sollte-2012-als-baustelle-in-betrieb-gehen-a-950481.html
Planungschaos am Fluchhafen in Berlin??! Ist nichts neues. Die Anfänge eines weiteren Planungschaoses und auf "Teufel komm raus" durchgezogenes politisches Prestigeobjetes (Muttis Chefsache) entwickelt sich grad bei Stuttgart 21. Wir werden es erleben Da wird von den Verantwortlichen geschumelt, getrickst ud gelogen, dass sich die Balken biegen...
hadriani 31.01.2014
3. Der erste ...
vernünftige sachliche Bericht in Spiegel-Online, mit dem ICH als Leser etwas anfangen kann. Die Berichte um die Jahreswende 2012/2013 hatten für mich kaum einen Infiormationsgehalt. Na also ... es geht doch :-)
laermgegner 31.01.2014
4. Nachtflugverbot !!!!!!!!
Interessant, wozu die Nacht alles taugt ! Darf man daran erinnern, dass erst ein Gericht kommen mußte- um diese Kurzschichten von 5 Stunden auf den Plan zu rufen ! Geld scheint also weiterhin keine Rolle zu spielen, aber es hat noch kein Bürger Schallschutz- keiner und es war auch nie geplant, diese Auflage zu erfüllen.
budbad 31.01.2014
5. Danksagung
Großen Dank an die Menschen im Landratsamt (Potsdam?), die den Mumm hatten dieses Prestigeobjekt zu stoppen! Wie schwer mag es diesen Beamten gefallen sein, sich nicht dem Druck zu beugen? Das traurige Gegenbeispiel ist die Duisburger Loveparade. Weil diese politisch durchgedrückt wurde gab es Tote.
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