Hauptstadtflughafen: Landratsamt stellt BER-Teileröffnung in Frage

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Flughafen Berlin Brandenburg: Stärkung für den Bedenkenträger

Schwere Schlappe für Hartmut Mehdorn: Das Bauordnungsamt Dahme-Spreewald macht starke Bedenken gegen die Teileröffnung des Hauptstadtflughafens geltend. Für den Flughafenchef bedeutet das gleich ein doppeltes Problem.

Berlin - Er hatte eine Eröffnung auf Raten geplant. Um die Abläufe im neuen Hauptstadtflughafen zu testen - und wohl auch, um den Blick auf weitere Verzögerungen bei der Abarbeitung der unzähligen Mängel ein wenig zu vernebeln. Doch jetzt droht das Bauordnungsamt Dahme-Spreewald den schönen Plan, den der Flughafenchef mit dem Aufsichtsrat ausgekungelt hat, zu durchkreuzen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge sei eine Genehmigung für einen Teilbetrieb nicht möglich, ließ die Behörde wissen. Im Klartext: So wie die Dinge liegen, kann Hartmut Mehdorn die Teileröffnung des Hauptstadtflughafens wohl abschreiben.

Bei der Flughafengesellschaft will man offiziell davon noch nichts wissen. Das sei "reine Spekulation", erklärte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Dienstag in Berlin. Man befinde sich "im Dialog" mit der Genehmigungsbehörde.

Mitte August hatte der Aufsichtsrat Mehdorns Vorschlag gebilligt, den Betrieb ab Ende März 2014 mit zunächst fünf Starts und Landungen vom sogenannten Nordpier aus zu starten. Gegen die massiven Einwände von Technikchef Horst Amann, der bis 2015 zunächst den gesamten Flugbetrieb des jetzigen Flughafens Schönefeld hatte verlegen wollen - mit acht Millionen Passagieren im Jahr und großen Airlines wie Easyjet. Sein Argument: Für das Mehdornsche Modell wären teure Umbauten im Nordpier nötig, die zum Teil später rückgängig gemacht werden müssten. Er schätzte die Kosten dafür auf fast sechs Millionen Euro. An anderer Stelle war auch von acht Millionen Euro die Rede.

Mehdorns Plan hatte in Berlin heftige Kritik ausgelöst. Der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses Martin Delius von den Piraten sprach von einem durchsichtigen PR-Manöver. Ramona Pop, die Vorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, forderte, lieber einen soliden Terminplan für die endgültige Fertigstellung vorzulegen.

Änderungsgenehmigung nicht umsetzbar

In der "Berliner Zeitung" fand auch der Berliner Rechtsanwalt Ralf Leinemann, dessen Sozietät Firmen beim Bauvorhaben BER vertritt, deutliche Worte. "Es ist grotesk, mit welchem Eifer Mehdorn die Teilnutzung eines Teilbereichs großspurig als 'Teileröffnung' der Öffentlichkeit verkaufen will", kritisierte der Jurist. "Ein solcher Betrieb taugt noch nicht einmal zum Test der Systeme."

Die öffentliche Kritik hätte Mehdorn noch kaltlassen können. Die wirklich schwerwiegenden Einwände kamen jedoch von der alles entscheidenden Stelle: vom Landratsamt selbst. Bereits im Juli ließ die Behörde die Flughafen-Manager wissen, dass die sogenannte Änderungsbaugenehmigung für den Nordpier als nicht umsetzbar gewertet wird.

Für die Umbauten im Nordpier wäre ein Antrag nötig, der umfassend geprüft werden müsste - nicht nur von der Kreisverwaltung, auch von Bundesbehörden, gab Stephan Loge (SPD), Landrat des Kreises Dahme-Spreewald, zu bedenken. Ein Problem stellt nicht zuletzt die Brandschutzanlage dar, deren Funktionsfähigkeit auch im Nordpier noch nicht nachgewiesen wurde. Laut einem Protokoll vom 16. Juli 2013, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, würde die Prüfung von Mehdorns Plan sechs bis sieben Monate dauern. Erst nach ihrem Abschluss könnten die notwendigen Bauarbeiten beginnen.

Das absehbare Stoppsignal aus Dahme-Spreewald bringt jetzt womöglich auch das mühsam austarierte Machtgefüge innerhalb der Flughafengesellschaft ins Rutschen. Denn es stärkt dem als Bedenkenträger geschmähten Technikchef Amann den Rücken. Mit ihm lag Mehdorn von Anfang an über Kreuz, weil er ihn für die lange Pause auf der Baustelle verantwortlich macht. Jetzt aber könnte Amanns Wort im Aufsichtsrat wieder mehr Gewicht bekommen - und Mehdorn als ungestümer Heißsporn dastehen.

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insgesamt 61 Beiträge
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1. Aha - man plant lange, lange
Badischer Revoluzzer 03.09.2013
einen Flughafen und beginnt ihn dann zu bauen. Und dann bemerkt man, daß das Ding behördlicherseits nicht genehmigt werden kann. Ja sollen wir hier verarscht werden? Das schlägt doch dem Faß den Boden aus!Da ist ja das Wort Bananenrepublik noch ein Kompliment.
2. Wie gut....
chromehearts 03.09.2013
...dass es noch standhafte Genehmigungsbehörden gibt. Der versuch Mehdorns, den BER aus der Schusslinie zu nehmen, in allen Ehren! Aber gerade ei Probebetrieb mit Easy-Jet wäre sicher nicht ganz billig gekommen. Wieviel hätte Mehdorn denn an Easy Jet zahlen müssen, um sie ans Norpier zu lotsen? Wer diese Fluggesellschaft und ihre Geschäftstüchtigkeit kennt weiß, dass die eine erhebliche Gegenleidtung für ihr Entgegenkommen verlangt hätten!
3. Schwere Schlappe für Mehdorn??
schuewarei46 03.09.2013
Es ist schon erstaunlich,wie Herr Mehdorn,kurz nachdem er den Job angenommen hat,als Sündenbock für das Flughafendesaster herhalten soll. Herr Mehdorn versucht,durch eine Teileröffnung die Verluste für den Steuerzahler zu reduzieren.Ihm vorzuwerfen,er wolle die jahrelange Verspätung,für die er gar nicht verantwortlich ist"verschleiern",ist einfach lächerlich. Der Beamte,der stolz verkündet,dass eine Teileröffnung nicht über seinen Schreibtisch gehe,wird belobigt.Derjenige,der versucht,das "Schiff ins Wasser"zu bekommen,wird verunglimpft. Herr Mehdorn muss Masochist sein,sonst hätte er den Job nicht angenommen.
4. Bürokratie pur
j1958 03.09.2013
Zitat von sysopSchwere Schlappe für Hartmut Mehdorn: Der Bauordnungsamt Dahme-Spreewald macht starke Bedenken gegen die Teileröffnung des Hauptstadtflughafens geltend. Für den Flughafenchef bedeutet das gleich ein doppeltes Problem. Hauptstadtflughafen: Landratsamt hat Bedenken gegen Teileröffnung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hauptstadtflughafen-landratsamt-hat-bedenken-gegen-teileroeffnung-a-920240.html)
Aha, nun was mich schon länger stört, irgendwelche Provinzbehörden müssen plötzlich Grossprojekte beurteilen. Das größte Projekt vorher war die Biogasanlage von Bauer Willems. Die meisten Großprojekte finden heute außerhalb der großen Städte statt und liegen plötzlich auf dem Tisch überforderter Sachbearbeiter. Das Bauamt Dümselhafen-Püpselsee muss dann den neuen Containerhafen genehmigen. Völliger Unsinn. Vielleicht sollte man eine übergeordnete Genehmigungsinstanz für Megaprojekte schaffen wo man know how sammelt, auch um konkrete Hilfestellung zu geben. Es ist nicht im Interesse der Bürger, wenn der Flughafen am Schluss das Budget der Griechenlandhilfe in den Schatten stellt weil eine Minibehörde außer 'nein' keine Ideen hat.
5. Geduld
Geoerkunder 03.09.2013
ich denke man sollte in Deutschland mal seine vollkommen überzogenen Anforderungen an den zeitlichen Ablauf von Bauprojekten mal deutlich zurück schrauben. Der Bau des Kölner Domms hat 600 Jahre gedauert. Und der Dom ist doch recht nett geworden. Zumindest ist er ein Touristenattraktion. Insofern habe ich volles Vertrauen daß unsere Bauherren auch in ein paar hundert Jahren einen BER und ein Stuttgart-21,, eine Elbphilharmonie und eine Kölner Ubahn und einiges mehr hinstellen werden, was unsere Nachkommen dann bestaunen können.
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