Export in Unruheprovinzen Heckler & Koch lieferte illegal Gewehre nach Mexiko

Der Waffenhersteller Heckler & Koch hat nach SPIEGEL-Informationen bestätigt, was Ermittler seit Jahren vermuten: Das Unternehmen lieferte Sturmgewehre in mexikanische Unruheprovinzen. Zwei langjährige Mitarbeiter stünden unter Verdacht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt allerdings gegen mehr als zwei Verdächtige.

Bundeswehrsoldat mit G36 (Archivbild): Die Gewehre von Heckler & Koch sind gefragt
REUTERS

Bundeswehrsoldat mit G36 (Archivbild): Die Gewehre von Heckler & Koch sind gefragt


Hamburg - Drei Jahre nach der ersten Anzeige hat der Waffenhersteller Heckler & Koch erstmals zugegeben, illegal Sturmgewehre vom Typ G36 in die Unruheprovinzen Mexikos geliefert zu haben. Man habe "interne Sonderuntersuchungen" in Auftrag gegeben, um die Vorwürfe zu prüfen. Ein aus Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten bestehendes Team sei zu dem Ergebnis gekommen, dass ein "dringender Tatverdacht gegen zwei langjährige Mitarbeiter" bestehe, "Waffenlieferungen in nicht genehmigungsfähige mexikanische Bundesstaaten veranlasst zu haben".

So steht es nach SPIEGEL-Informationen in einem von der Geschäftsführung unterzeichneten Aushang auf dem Firmengelände, datiert vom 24. April. Angeblich seien die Mitarbeiter eigenmächtig "ohne Wissen und Wollen anderer Personen im Unternehmen" vorgegangen.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Stuttgart teilt diese Einschätzung nicht. "Wir ermitteln gegen mehr als zwei Personen", sagte eine Sprecherin. Heckler & Koch bestätigt die Sonderuntersuchung und erklärt: "Das Unternehmen hat das Ermittlungsverfahren überdies zum Anlass genommen, sein bestehendes Compliance-System zu überprüfen und zu verbessern."

Das Ermittlungsverfahren läuft bereits seit dem Jahr 2010: Damals hatte ein Buchautor und Rüstungsgegner den Fall mit einer Anzeige ins Rollen gebracht. Es geht um Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe zurückgewiesen: Heckler & Koch halte sich an Recht und Gesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hatte Heckler & Koch eine eingeschränkte Exportbewilligung erteilt. Wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen durften die Gewehre, die auch die deutsche Bundeswehr einsetzt, nicht in die vier mexikanischen Provinzen Chiapas, Chihuahua, Guerrero und Jalisco geliefert werden.

In Mexiko herrscht seit Jahren ein erbitterter Drogenkrieg, der Zehntausende Menschen das Leben gekostet hat. Experten gehen davon aus, dass die Drogenbanden ihre Waffen vor allem aus den USA, zum Teil aber auch aus anderen Ländern beziehen.

In einem weiteren Fall ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft, ob Heckler & Koch mit Parteispenden den Weg für Waffenlieferungen nach Mexiko ebnen wollte.

stk



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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
brainyboy 05.05.2013
1. nicht umsonst
ist Deutschland eine der Top Waffenexporteure auf der Welt! Auch wenn die Bevölkerung es nicht will, hier geht es ums dicke Geld!
fridolinfunke 05.05.2013
2. Verantwortung?
Wo sich Geld verdienen lässt, wird das Gewissen ausgeschaltet und Gesetze umgangen. Traurig aber wahr...
gandhiforever 05.05.2013
3. "Zwei langjaehrige Mitarbeiter"
Zitat von sysopDPADer Waffenhersteller Heckler & Koch hat nach SPIEGEL-Informationen bestätigt, was Ermittler seit Jahren vermuten: Das Unternehmen lieferte Sturmgewehre in mexikanische Unruheprovinzen. Zwei langjährige Mitarbeiter stünden unter Verdacht. Die Staatsanwalt ermittelt allerdings gegen mehr als zwei Verdächtige. Heckler & Koch lieferte illegal Gewehre nach Mexiko - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/heckler-koch-lieferte-illegal-gewehre-nach-mexiko-a-898187.html)
Mit ihrer internen "Untersuchung" will die Firma wohl den Eindruck erwecken, diese Lieferungen seien ohne Wissen der Verantwortlichen erfolgt. Doch da Ermittlungen nicht nur gegen die beiden "Bauernopfer" laufen, wird sich diese Art der Verteidigung kau, aufrecht erhalten lassen. Meiner Meinung nach sind dies Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht hart genug bestraft werden koennen.
socketuning 05.05.2013
4. Da gab es sicher einen ordentlichen Rabatt!
Ich hätte lieber einen Chinesischen AK-47 Nachbau, größere Reichweite und robuster. Kann man in der Gegend sicher auch günstig kriegen. Alternativ eine umgebaute AR-15 im Kaliber .223 aus dem Norden, die eignen sich nicht nur für den gepflegten Amok lauf in einer Schule.
Reg Schuh 05.05.2013
5. überrascht?
Müßte ich jetzt überrascht sein? Das klingt alles sehr schematisch. "zwei langjährige Mitarbeiter" - "eigenmächtig ohne Wissen und Wollen anderer Personen im Unternehmen" - "Ermittlungsverfahren überdies zum Anlass genommen, sein bestehendes Compliance-System zu überprüfen und zu verbessern" "Heckler & Koch halte sich an Recht und Gesetz" - "Parteispenden". Nunja, bis zur Beweisführung soll erst mal die Unschuldsvermutung gelten. Was nicht ist, kann ja noch werden.
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