Waffen Heckler & Koch liefert nur noch in nicht korrupte Länder

Maschinengewehre, Pistolen, Sturmgewehre: Heckler & Koch will seine Produkte künftig nur noch an Staaten liefern, die demokratisch und nicht korrupt sind. Eine Wahl hat der Waffenhersteller allerdings sowieso nicht.

G36-Sturmgewehre von Heckler & Koch
DPA

G36-Sturmgewehre von Heckler & Koch


Der Waffenhersteller Heckler & Koch will künftig kein Neugeschäft mehr mit Staaten außerhalb der Nato-Einflusssphäre machen. Man wolle nur noch "grüne" Länder beliefern, die also demokratisch, nicht korrupt sowie Nato-Mitglieder oder deren Partner seien, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Firmenkreise berichtet. Damit fielen etwa Staaten wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien oder Indien künftig weg. Die Türkei - ein nach Firmeneinschätzung "gelbes" Land - werde ebenfalls von der Kundenliste gestrichen.

Begründet wird der Strategiewechsel damit, dass Exportgenehmigungen in solche Staaten nur schwierig oder gar nicht mehr zu bekommen seien. Zudem wolle man raus aus den negativen Schlagzeilen. "Auch moralische Kritik an solchen Exporten können wir durchaus nachvollziehen", zitiert dpa einen Firmenmanager, der anonym bleiben wolle. Der Kurswechsel wurde demnach intern hitzig debattiert, denn das Exportpotenzial wird damit eingeschränkt.

Branchenfachleute begrüßen die Entscheidung. "Prinzipiell ist es genau das, was wir fordern", sagt Wolf-Christian Paes vom Internationalen Konversionszentrum Bonn. Allerdings folge die Firma damit der politischen Realität. Die Ausfuhrrestriktionen seien unter der Bundesregierung verschärft worden. "Heckler & Koch springt auf einen fahrenden Zug auf - das ist legitim, aber kein Gutmenschentum."

In gut einem Dutzend Fällen wartet Heckler & Koch derzeit auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr von Waffen. So braucht Saudi-Arabien Bauteile, um eine längst fertiggestellte Gewehrfabrik nutzen zu können. Sollte die Ausfuhr nicht erlaubt werden, gingen hohe finanzielle Sicherheiten verloren, die man in Saudi-Arabien hinterlegt habe, hieß es demnach bei Heckler & Koch. Die Strategie betrifft dem Bericht zufolge nur Neuaufträge, alte Aufträge sollen noch erfüllt werden.

Die schwäbische Firma mit ihren 850 Mitarbeitern und rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz ist finanziell angeschlagen und stand kurz vor der Pleite. Zuletzt liefen die Geschäfte wieder etwas besser, so bestellte beispielsweise Frankreichs Armee gut 100.000 Sturmgewehre. Letztlich wirkt sich auch die erhöhte Terrorgefahr positiv auf die Auftragsbücher aus. Nach dem Anschlag von Nizza bestellten Frankreichs Polizei 2000 Sturmgewehre, 3000 Maschinenpistolen kaufte die Polizei in Baden-Württemberg.

In den ersten neun Monaten 2016 stieg der Umsatz um 19 Prozent auf knapp 145 Millionen Euro bei einem Gewinn von 3,8 Millionen Euro. Vor einem Jahr wurde noch ein Verlust von mehr als zehn Millionen Euro gemacht, wie aus einer Mitteilung der Firma hervorgeht.

nck/dpa

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