Hedgefonds-Skandal: Erste Festnahme wegen Insiderhandels

Die US-Behörden haben im Skandal um Insiderhandel bei Hedgefonds einen Geschäftsmann festgenommen. Der Firmenchef soll Hinweise anderer Unternehmen an die Fonds verkauft haben. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Strafanzeige hervor.

Straßenschild an der Wall Street: Insider soll Informationen verkauft haben Zur Großansicht
REUTERS

Straßenschild an der Wall Street: Insider soll Informationen verkauft haben

New York - Er soll Führungskräfte von Unternehmen dazu verleitet zu haben, Informationen an Hedgefonds weiterzugeben und für die Informationen Geld kassiert haben: US-Ermittler werfen einem Geschäftsmann vor, am Insiderhandel bei Hedgefonds beteiligt gewesen zu sein. Am Mittwoch nahmen sie den 56-Jährigen als erste Person in dem Fall fest. Das geht aus der Strafanzeige hervor, die ein New Yorker Gericht veröffentlichte.

Der Festgenommene und seine in Kalifornien ansässige Firma Primary Global Research sollen demnach unter anderem von den Firmen Atheros Communications, Broadcom und Sierra Wireless in den Jahren 2008 und 2009 Hinweise erhalten und diese verbotenerweise an Hegdefonds verkauft haben. Der Strafanzeige zufolge können solche Netzwerk-Firmen mit ihren Tipps mehrere Hundert Dollar in der Stunde verdienen. Die Bezahlung soll beispielsweise über bestimmte Provisionen erfolgt sein.

Der festgenommene 56-Jährige, der als Asien-Fachmann firmierte, sei kurz vor einer Reise nach Taiwan am Sonntag von der Polizei gestellt worden. Sollten sich die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe bewahrheiten, drohen ihm nach Angaben des "Wall Street Journal" fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 250.000 Dollar (187.000 Euro).

Nach den rund dreijährigen Ermittlungen könnte es Medienberichten zufolge in Kürze zu zahlreichen Anklagen gegen Finanzfirmen und -manager in den USA kommen. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft in New York und der Bundespolizei FBI näherten sich dem Abschluss, wie die Festnahme in Kalifornien zeige. Die Untersuchungen richten sich den Berichten zufolge gegen eine Reihe von Banken, Investmentunternehmen und andere Finanzmarktakteure, darunter Angestellte der weltgrößten Investmentbank Goldman Sachs.

Zu Beginn der Woche hatte die US-Bundespolizei FBI Büros von drei Hedgefonds in Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Insiderhandels durchsucht. Zwei der Fonds werden von früheren Managern der Firma SAC Capital geführt. Es handelt sich um die Fonds Diamondback Capital Management und Level Global Investors.

Der 56-Jährige konnte durch die Zeugenaussage eines Fondsmanagers in einem anderen Fall von Insiderhandel belangt werden. In diesem Prozess wird der Milliardär Raj Rajaratnam beschuldigt, der als reichster Mann Sri Lankas gilt. Ein New Yorker Gericht entschied am Mittwoch, dass bestimmtes hochbelastendes Material gegen Rajaratnam verwendet werden darf. Dabei handelt es sich um Handy-Telefonate.

Rajaratnam hatte beantragt, dass diese nicht in dem am 17. Januar beginnenden Prozess berücksichtigt werden dürfen. Behörden schätzen, dass Rajaratnam und eine Geschäftspartnerin etwa 53 Millionen Dollar mit Insidergeschäften verdient haben.

ulz/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Insiderhandel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
Hedgefonds
Geschäftsmodell
Hedgefonds verfolgen hochriskante Strategien, die im Erfolgsfall auch sehr hohe Gewinne versprechen. Sie nutzen alle möglichen Derivate, um Gewinne sowohl in steigenden als auch fallenden Märkten zu erzielen. Ein typisches Modell sind Leerverkäufe, bei denen große Aktienpakete gegen Provision von Fondsgesellschaften oder Banken ausgeliehen und an der Börse verkauft werden. Das drückt in der Regel den Kurs. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Hedgefonds die Papiere zurück und reichen sie an Bank oder Fondsgesellschaft weiter.

Wesentliches Element ist zudem die weitgehende Finanzierung solcher Geschäfte durch Kredite. Durch den so erzielten Hebel- oder Leverage-Effekt wird der mögliche Gewinn noch weiter erhöht, allerdings auch das finanzielle Risiko für die Anleger beim Scheitern der Spekulation erheblich vergrößert.
Standorte
Hedgefonds sind häufig in sogenannten Steueroasen angesiedelt. Auf beispielsweise den Kaiman-Inseln oder den Bermudas profitieren sie von niedrigen staatlichen Abgaben und lockeren Kapitalmarktregeln. Ihre Manager freilich sitzen an den Finanzplätzen New York und London. Anleger sind vor allem Institutionen wie Pensionsfonds, Lebensversicherungen oder Stiftungen, aber auch wohlhabende Privatleute. In Deutschland dürfen die meisten Hedgefonds wegen des hohen Risikos nur im Wege der sogenannten Privatplatzierung an Privatanleger verkauft werden.
Anlagevermögen
Schätzungen zufolge verwalten Hedgefonds derzeit weltweit ein Anlagevolumen von mehr als 1,9 Billionen Dollar. In der ersten Finanzmarktkrise nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers war das Volumen auf etwa 1,5 Billionen Dollar gesunken, hat sich nach Umfragen inzwischen aber wieder erhöht.

Stichwort: Goldman Sachs
Der Chef
AFP
Lloyd Blankfein wurde 1954 in der New Yorker Bronx in einfachen Verhältnissen geboren. Mit Hilfe von Stipendien schaffte er ein Harvard-Studium sowie eine Promotion. Nach einer kurzen Tätigkeit als Steuerrechtsanwalt zog es ihn an die Wall Street. Blankfein war Goldhändler in einer Warenhandelsfirma, die von Goldman Sachs übernommen wurde. Es war der Einstieg durch die Hintertür. 2006 hatte Blankfein sich bis zum Sessel des CEO hochgearbeitet. Blankfein, der als selbstironischer Workaholic mit erheblichem Mut zum Risiko gilt, kassierte 2006 einen Rekordbonus - 53,4 Millionen Dollar. 2009 bekam er immerhin noch neun Millionen Dollar.

Geschichte
Ein Deutscher gründete 1869 die Bank: Marcus Goldman war aus dem fränkischen Trappstadt in die Vereinigten Staaten ausgewandert. In einem Einzimmerbüro begann Goldman, mit Schuldscheinen und Wertpapieren für Rohstoffe zu handeln. Als sein Schwiegersohn Samuel Sachs in die Firma eintrat, erhielt die spätere Großbank ihren Namen.
Bedeutung
Goldman Sachs ist die mit Abstand führende unabhängige Investmentbank weltweit. Mit rund 32.500 Mitarbeitern ist die Bank an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt vertreten. Hauptsitz ist New York. Wann immer ein wichtiges Geschäft ansteht, ist Goldman Sachs mit ziemlicher Sicherheit dabei. Die Kontakte des Hauses reichen bis hoch in die Politik. So stand der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson zuvor an der Spitze von Goldman Sachs.
Aktuelle Lage
Goldman Sachs ist fast schadenfrei durch die Finanzkrise gekommen. Schon 2009 konnte Goldman Sachs mit einem Gewinn von 13,39 Milliarden Dollar nahtlos an die Rekordzahlen aus der Vorkrisenzeit anknüpfen.
Kritik an der Bank
Goldman Sachs wurde zum bevorzugten Ziel von Bankenkritikern. Grund sind unter anderem die üppigen Gehälter: Die "Goldmänner", wie sie in der Branche genannt werden, gehören zu den Spitzenverdienern in der Finanzwelt. Im Schnitt kassierte jeder Angestellte im vorigen Jahr eine halbe Million Dollar (385.000 Euro). Blankfein etwa kassierte noch 2009 einen Bonus von neun Millionen Dollar. Medien und Politiker stempelten den Bankchef deshalb zum Prototypen des "gierigen Bankers". Sein Satz, dass er nur ein Banker sei, der Gottes Werk verrichte, passte da ins Bild.