Teuerste Wohnung der USA Mr. Griffins Unterkunft (wenn er mal in der Stadt ist)

Vier Etagen, 2230 Quadratmeter: Der Hedgefondsmanager Ken Griffin zahlt 238 Millionen Dollar für ein Penthouse am Central Park und bricht damit einen Rekord. Dabei wohnt er nicht einmal in New York.

Enclos

Von , New York


Wie eine Utopie ragt New Yorks neuester Luxuswohnturm in den Nachthimmel. Erste Teile der Fassade strahlen bereits im Flutlicht, am dramatischsten die Spitze im Art-Déco-Stil, 290 Meter über Manhattan.

Der fast bezugsfertige Skyscraper protzt mit einer VIP-Adresse (220 Central Park South) und einem VIP-Rekord: In jener Art-Déco-Spitze, die an den Wolken kratzt, befindet sich Amerikas teuerstes Apartment.

Der Käufer gab sich jetzt zu erkennen. Sonst sind solche Transaktionen geheim, vertuscht von Strohmännern und Tarnfirmen mit Fantasienamen, um russische Oligarchen und andere Steuerflüchtlinge anzulocken, die anonym bleiben wollen.

Besagter Käufer ist diesmal freilich kein Oligarch, kein russischer jedenfalls. Ken Griffin, genannt "The Griff", ist ein Hedgefondshai aus Chicago. Mit einem Vermögen von gut zehn Milliarden Dollar dümpelt der Selfmade-Krösus auf der "Forbes"-Liste der reichsten Amerikaner zwar "nur" auf Platz 45, weit hinter Jeff Bezos (Platz 1) oder Mark Zuckerberg (Platz 4). Aber immerhin ist er der reichste Mann Chicagos.

Ken Griffin
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Ken Griffin

So er dort weilt. Griffin unterhält etliche Residenzen, auch in Florida und London. Er sammelt Immobilien wie Jagdtrophäen. Sein jüngster Fund aber, jenes noch im Bau befindliche Penthouse, das die obersten vier Stockwerke von 220 Central Park South umfasst, ist die buchstäbliche Krönung: Die Wohnung kostet ihn 238 Millionen Dollar.

Das ist zwar nicht ganz so viel wie die teuerste Privatimmobilie der Welt in Hongkong (361 Millionen Dollar). Doch in den USA hat Griffin einen langjährigen Rekord eingestellt - ein Häuschen in den Hamptons, das ein Wall-Street-Rivale 2014 für 137 Millionen Dollar erstanden hatte.

238 Millionen Dollar: "Das ist so viel wie das Bruttoinlandsprodukt von Palau und anderen kleinen Staaten", staunt das Home-Magazin "House Beautiful" - verbunden mit der Frage, die sich viele stellen: "Warum?"

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Griffins Wolkenkuckucksheim ist wie ein Stinkefinger zu einer Zeit, in der wachsende Ungleichheit die USA zusehends spaltet. In der die einen vor dem Immobilienhecht im Weißen Haus kuschen und die anderen eine Reichensteuer fordern. In der allein in Manhattan gerade, obwohl der Luxusmarkt langsam schwächelt, 13 neue Supertürme entstehen, etwa in den Hudson Yards, während sich immer weniger New Yorker die Miete leisten können. In der die Exzesse von heute womöglich die Revolution von morgen schüren.

So viel Exzess bekommt man für 238 Millionen Dollar: 2230 Quadratmeter an der "überragendsten Adresse New Yorks", so der Bauherr, der Immobilienkonzern Vornado - ein "zeitloser Zusatz" zur "legendären Skyline", mit "Prachtblick" über den Central Park, einer Privateinfahrt unter "einer Laube reifer Bäume", Speisesälen und Spa. Der Kalkstein kommt aus Alabama, dem drittärmsten US-Bundesstaat.

Was die PR-Prosa verschweigt: Die eigentliche, banale Adresse des 79-stöckigen Towers ist 216 West 58th Street, auf der hinteren Seite des Blocks, wo sich auch der Eingang befindet. Die schickere Adresse Central Park South wurde nur ermöglicht, indem man ein Nachbarhaus von 1954 abriss und das Grundstück bis zur Parkmeile hin verlängerte.

Zwangsräumung für die Mittelschicht

So geht das bei den Himmelsstürmern: Dutzende Mittelklasse-Mieter wurden zwangsgeräumt, um Einprozentlern wie Ken Griffin Penthouses zu bauen, die sie wahrscheinlich nur selten nutzen werden. Mr. Griffin brauche schließlich "eine Bleibe, wenn er in der Stadt ist", zitierte das "Wall Street Journal" eine Sprecherin seines Hedgefonds Citadel.

Dem 50-Jährigen kann solcher Sozialneid sowieso egal sein. Er spekulierte schon als Harvard-Student, lange vor dem Internet, profitierte vom Börsencrash 1987 und gründete kurz darauf Citadel. Heute managt die Firma nach eigenen Angaben 28 Milliarden Dollar.

Schlagzeilen machte 2003 Griffins zweite Hochzeit, ein zweitägiges Spektakel in Versailles. Der Empfang fand laut "Forbes" im Hameau de la Reine statt, Marie Antoinettes künstlichem Lustdorf, dessen Architekt später ebenso der Révolution zum Opfer fiel wie die arrogante Königin.

Griffins Ehe mit der Hedgefondsmillionärin Anne Dias zerbrach 2015. Die Scheidung war ein Rosenkrieg, es ging um Milliarden, Möbel und Monets. Sie einigten sich außergerichtlich.

Seitdem ist Griffin auf Shoppingtour. Nach Rechnung der "New York Times" gab er bereits 1,4 Millarden Dollar für Kunst und Liegenschaften aus. Sein Townhouse am Buckingham Palace kostete 122 Millionen Dollar. Weitere 700 Millionen Dollar habe er aber auch an gemeinnützige Zwecke gespendet, etwa an Universitäten und Museen.

In 220 Central Park South wird Griffin nur reiche Nachbarn haben: Das billigste Apartment kostet zwölf Millionen Dollar. 83 Prozent des Angebots ist laut Vornado-Chef Steven Roth - der jeden Käufer einzeln prüft - bereits unter Vertrag.

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