Heizen ohne Öl und Gas: Pellets statt Petroleum

Von Tobias Lill

Wind, Solar, Biomasse - bei der Stromerzeugung spielen erneuerbare Energien eine wichtige Rolle. Auf dem Wärmemarkt dagegen laufen fast alle Heizungen mit Öl oder Gas. Nun hofft die Öko-Branche auf eine Revolution: SPIEGEL ONLINE analysiert, wie die Deutschen in Zukunft heizen werden.

Beispiel Probstried: Heizen mit Sonne und Pellets Fotos
dpa

Probstried - Alles begann mit einer schlechten Nachricht im vergangenen Herbst. "Wir stellten plötzlich fest, dass die zwanzig Jahre alte Ölheizung leck war", sagt Peter Kuisl. Er ist Verwalter einer Wohnanlage in Probstried bei Kempten. Eine neue Heizung musste her. Doch welche?

"Zunächst haben uns die befragten Ingenieurbüros wieder eine Ölheizung empfohlen", erinnert sich Kuisl. Doch er und die Eigentümer der 52 Wohnungen wollten nicht einfach weitermachen wie bisher. Zum einen aus Gründen des Klimaschutzes - zum anderen wegen der Kosten. Sie suchten nach einer Alternative. Und sie fanden eine.

Ein Jahr später erinnert im Keller des Grüntenweg 5 nicht mehr viel an den alten Energieschlucker, der viele tausend Liter Öl verschlang. Wo früher Tanks mit dem fossilen Brennstoff lagerten, haben Handwerker eine rund einen Meter breite und hohe Holzpelletheizung installiert. Seither kommen die Bewohner ganz ohne Heizöl aus.

Außerdem stehen auf den Dächern des Wohnblocks mehrere Solarkollektoren. "Mit deren Hilfe wird die Energie der Sonne in Wärme umgewandelt", erklärt Alfons Renn, der Vorstandschef der Herstellerfirma Rennergy Systems.

Das Display des Heizkessels verrät, wie viel Wärme sich aktuell aus der Sonne gewinnen lässt. Draußen ist der Himmel wolkenverhangen, es nieselt - doch die Solarkollektoren erhitzen den Kessel gerade auf 66 Grad. Renn freut sich: "Das reicht locker." Von April bis September nutzen die Bewohner nun meist die Solarthermie, vor allem zum Duschen. Das restliche Jahr - oder wenn das Wetter einmal nicht mitspielt - mit Holzpellets.

900 Euro Ersparnis pro Jahr

Pellets werden meist aus Holzabfällen hergestellt, die in Schreinereien oder bei der Papierproduktion anfallen. Die kleinen, komprimierten Holzstückchen sind der neue Star des deutschen Wärmemarkts.

Laut Deutschem Pellet-Institut ist eine Pelletheizung fast ein Drittel günstiger als eine vergleichbare Ölheizung. Und das, obwohl der Heizölpreis in den vergangenen Monaten deutlich gesunken ist. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einem Energieverbrauch von 3000 Litern Öl kann demnach bei einem Umstieg auf Pellets jährlich Brennstoffkosten von 900 Euro sparen. Allerdings verlangen die Hersteller für einen neuen Pelletofen ein Drittel mehr als für eine Ölheizung. Laut Deutschem Energie-Pellet-Verband (DEPV) amortisiert sich der höhere Kaufpreis im Durchschnitt nach acht Jahren.

In Probstried läuft es noch besser. Denn Hausverwalter Kuisl ließ die Gebäude auch gleich energetisch sanieren. Nun sparen die Eigentümer sogar die Hälfte der Heizkosten. Von den Anschaffungskosten in Höhe von 650.000 Euro zahlte zudem der Staat 50.000 Euro. Die Wohnungseigentümer mussten jeweils 11.500 Euro für den ökologischen Neustart beisteuern. Doch auch hier gab es staatliche Hilfe: Die bundeseigene KfW-Bank finanziert Projekte dieser Art mit Darlehen, auf die gerade einmal ein Prozent Zinsen fällig werden. "Nach 15 Jahren haben wir jeden Cent wieder drin", sagt Karl Wölfe, der Sprecher der Eigentümergemeinschaft.

Einmalig in Bayern

Doch wichtiger als das langfristig gesparte Geld sei "die Nachhaltigkeit" gewesen, betont Wölfe. Schließlich bläst eine Gasheizung sechs und eine Ölheizung achtmal so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre wie ein Pelletofen - und die Sonne arbeitet ohnehin ganz ohne Abgase. Mehr Arbeit hat Hausverwalter Kuisl übrigens nicht mit der Heizung. "Wie beim Öl muss man nur einmal im Jahr nachfüllen."

Eine derart große Wohnanlage, die zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien heizt, ist laut Renn einmalig in Bayern. "Doch das wird sich bald ändern", sagt der Unternehmer, der expandieren will und gerade erst zehn neue Mitarbeiter eingestellt hat.

Dabei profitiert die Öko-Branche auch vom Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz. Es verpflichtet Bauherren seit Januar, einen Teil ihres Wärmebedarfs mit Hilfe von Solarkollektoren, Biomasseheizungen oder Erd- und Umweltwärme zu decken.

Die klimapolitische Bedeutung ist offensichtlich: In Deutschland entfallen zwei Fünftel der energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen auf den Wärmemarkt. "Hier besteht ein Riesenpotential", sagt Karsten Smid, Energieexperte bei Greenpeace. Nur rund sieben Prozent des Wärmeverbrauchs in Deutschland werden mit regenerativen Energien abgedeckt. Zum Vergleich: Bei der Stromerzeugung kommen schon 15 Prozent aus Öko-Produktion.

Sonne, Holz, Erdwärme - auf den Mix kommt es an

Fast drei Viertel ihrer Wärmeenergie gewinnen die Deutschen aus Öl und Gas. Schätzungsweise sechs Millionen Ölheizungen stehen gerade einmal 120.000 Pelletheizungen gegenüber. Letztere decken rund einen Prozent des deutschen Wärmeverbrauchs ab - womit ihre Leistung etwas höher ist als die der deutschen Solarthermie-Anlagen mit ihren elf Millionen Quadratmetern Kollektorfläche.

Dennoch hat Christian Huber, Mitarbeiter des Lehrstuhls für Bauklimatik und Haustechnik an der TU München, keinen Zweifel: "Die erneuerbaren Energien sind die Zukunft bei der Wärmeerzeugung." Solarthermie, Wärmepumpe, Holzverfeuerung, Geothermie und Biogas seien als Energiemix von großer Bedeutung. "Den Königsweg in Form einer einzigen richtigen Technologie gibt es nicht", sagt er.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) rechnet für das Jahr 2020 mit einem Anteil der regenerativen Energien an der Wärmeversorgung von 20 Prozent. Dabei legt die BEE-Schätzung einen Ölpreis von 200 Dollar pro Barrel zugrunde - ein Preis, der nach Ansicht von Analysten für die kommenden Jahre durchaus wahrscheinlich ist. Sowohl Huber als auch der BEE halten es deshalb für realistisch, langfristig komplett vom Heizöl loszukommen. BEE-Chef Björn Klusmann gibt sich überzeugt: "Die Verdrängung von Öl und Gas aus den Heizungskellern ist technisch deutlich einfacher, als der bisher schon erfolgreiche Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor".

Milliardenhilfe aus dem Konjunkturpaket

Für den Umstieg auf umweltschonendes Heizen ist die Gebäudesanierung "die zentrale Voraussetzung", sagt Huber. Doch trotz der Einführung des Energiepasses sind die meisten Häuser noch immer wahre CO2-Schleudern, bei vielen Altbauten pfeift der Wind durch die Ritzen. Laut der Deutschen Energie-Agentur ist in der Hälfte der deutschen Wohnhäuser in den kommenden 15 bis 20 Jahren eine Sanierung fällig.

An vielen Gebäuden könnten die Arbeiten rasch beginnen. Denn im Rahmen des Konjunkturpakets fließen in diesem und im kommenden Jahr mehrere Milliarden Euro in die energetische Sanierung. Dagegen klingen die 400 Millionen Euro fast mickrig, die das Bundesumweltministerium in diesem Jahr für Hausbesitzer zur Verfügung stellt, die auf nachhaltige Heiztechniken umsteigen.

Laut einer Studie des Umweltministeriums könnte in vier Jahrzehnten fast die Hälfte der nachgefragten Wärmeenergie aus nachhaltigen Quellen stammen - die "richtigen politischen Rahmenbedingungen vorausgesetzt". Das heißt: nur mit Hilfe von Subventionen. Heizöl soll bis dahin nur noch eine marginale Rolle als Brennstoff spielen, der Anteil von Gas soll ebenfalls deutlich zurückgehen.

"Es gibt zu viele Schattenflächen auf den Dächern"

In der Studie des Umweltministeriums gehen die Forscher davon aus, dass deutsche Hausbesitzer künftig vor allem auf Solarthermie und Erdwärme setzen. Die mit Solarthermie erzeugte Energie werde sich im Vergleich zu 2007 bis zum Jahr 2020 versechs- und bis 2050 verfündundzwanzigfachen. Bei der Nutzung der Erdwärme prognostizieren die Wissenschaftler sogar einen noch größeren Anstieg.

Schon seit einiger Zeit ziehen die Verkaufszahlen sogenannter Wärmepumpen an. Diese holen die Wärme aus dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Luft. Nach Ansicht von Experte Huber ist deren Einsatz aber vor allem für Neubauten interessant. "Bei vielen Altbauten lohnen sie sich nur dann, wenn diese saniert sind und es eine Fußbodenheizung gibt", sagt er. Auch sollte der Hausbesitzer darauf achten, dass genug Grundwasser in der Nähe ist. Leider würden manche Handwerker hier falsch beraten.

Über die Möglichkeiten der Solarthermie gehen die Ansichten der Experten indes weit auseinander. Während Greenpeace-Mann Smid wie auch die Agentur für erneuerbare Energien langfristig eine Abdeckung des Wärmeverbrauchs zu 100 Prozent mit dieser Technik für möglich halten, ist Huber skeptisch. "Es gibt zu viele Schattenflächen auf den Dächern", sagt er. Solarthermie sei vor allem eine Ergänzungstechnologie. Sie liefere einfach nicht genug Wärme, um ein ganzes Haus ohne eine zusätzliche Energiequelle - etwa eine Biogasheizung - zu heizen. Er empfiehlt Solarthermie-Anlagen in Kombination mit einer anderen Technik, etwa einer Pellet- oder Gasheizung.

Selbst Heizöl-Händler denken um

Immerhin geht Huber davon aus, dass sich die Speichertechniken für die durch die Sonne gewonnene Wärme "schon bald enorm verbessern". In Zukunft könne die Wärme dann auch problemlos über Wochen oder Monate gespeichert werden. Außerdem könnte die Geothermie in einigen Gegenden eine bedeutende Rolle spielen, schätzt Huber.

Eine echte Expansion ist aber vor allem bei Pelletöfen zu erwarten. Bis zum Jahr 2015 wird sich die Zahl der Pelletheizungen laut DEPV im Vergleich zum Jahr 2008 auf 500.000 verfünffachen. Und im Jahr 2020 könnte die von Holzpellets erzeugte Wärme sogar einen Anteil bis zu zehn Prozent erreichen.

Wegen des hohen Holzverbrauchs warnen Skeptiker bereits vor einem "Ausbluten des Waldes". Der Förster und Buchautor Peter Wohlleben kritisiert, dass die Produzenten einen immer größer werdenden Teil der Pellets nicht mehr aus Holzabfällen herstellen, sondern zunehmend auch aus Waldhölzern. Der Pelletverband DEPV verspricht dagegen, die "nachhaltige Waldwirtschaft" werde nicht verletzt. Aus heimischen Wäldern ließen sich problemlos zehn der 40 Millionen deutschen Haushalte versorgen.

Einig sind sich die Experten, dass Energie langfristig teurer wird - insbesondere Heizöl. Das weiß man auch beim Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), der hunderte Heizölunternehmen vertritt. "Wir rechnen mit einem jährlichen Rückgang beim Heizöl von zwei Prozent", erklärt ein Sprecher. Immer mehr Heizölfirmen machen aus der Not deshalb eine Tugend. Sie verkaufen kurzerhand Pellets statt Petroleum.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Atom oder Solar - wem gehört die Zukunft?
insgesamt 6758 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Frank und gerne Frei 08.07.2009
Sinnvoll ist es, beides zu haben....
2.
AndyH 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Es gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
3.
kdshp 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Hallo, was für eine frage ! Natürlich sonnenstrom und das wird kommen zwar arbeiten die lobbys und politiker noch stark dagegen aber er wird kommen. Ich schaue auch schon was eine solarstromalange für mein haus kostet bzw. ich spare schon dafür und werde mir zu 100% eien holen. Hier hätte die regierung auch was machen sollen ähnlich wie diese abwrackprämie so eien art 100.000 dächer solar programm. man was hätten wir an energie gespart und auch an co2. Atomstrom war gestern !
4.
LumpY 08.07.2009
Zitat von AndyHEs gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
Sie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
5.
AndyH 08.07.2009
Zitat von LumpYSie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
Interessiert defacto keinem, ausser als Möglichkeit die Luft zu besteuern. Unser nachfahren wird nicht dadurch geholfen, dass wir das Land deindustrialisieren bis aussieht wie Michigan.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Erneuerbare Energien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -21-
Fotostrecke
Solarboom in Deutschland: Niedriger Preis, hohe Rendite

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.