Herabstufung durch Fitch Portugal-Krise erhöht Druck auf die EU

Noch debattiert die EU über Griechenland, doch auch in Portugal spitzt sich die Schuldenkrise zu. Die Ratingagentur Fitch hat die Bonität des Landes jetzt herabgestuft, die nervösen Finanzmärkte reagieren sofort. Noch am Donnerstag will die Regierung von Premier Socrates ein Sparprogramm durchpauken.

Portugiesischer Premier Socrates, Merkel: "Anfang einer langen Reihe von Herabstufungen"
DPA

Portugiesischer Premier Socrates, Merkel: "Anfang einer langen Reihe von Herabstufungen"


Lissabon - Es ist ein Alarmsignal: Die Ratingagentur Fitch hat die Bonität des hoch verschuldeten Portugals wegen mangelnder Haushaltsdisziplin gesenkt. Das hat den Druck auf die Regierung Portugals erhöht. Die Neubewertung mache eine langfristige Sanierung der Staatsfinanzen noch wichtiger, sagte der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos zu Reuters.

Bereits am Donnerstag will das Parlament über das harte Sparprogramm zur Defizitreduzierung abstimmen und danach den Plan der Europäischen Union vorlegen. Teixeira dos Santos betonte, die Fitch-Entscheidung sei nicht überraschend gekommen. Er denke, dass die Märkte sie zu einem großen Teil bereits "eingepreist" hätten.

Die Finanzmärkte reagierten allerdings umgehend auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals. Der Euro verbilligte sich. Die Renditeaufschläge auf zehnjährige portugiesische Staatsanleihen verglichen mit dem deutsche Bund erhöhten sich um vier Punkte auf 129 Basispunkte.

Der Finanzminister sagte denn auch: "Ich bin besorgt, weil wir wissen, dass die Märkte manchmal in ihren Reaktionen über das Ziel hinausschießen". Dieses Risiko existiere, und es dürfe nicht ignoriert werden. Portugals Hauptanliegen sei es, das Haushaltsdefizit zurückzuführen, auch um sich von Griechenland zu unterscheiden.

Portugal verbuchte 2009 ein Staatsdefizit von mehr als neun Prozent und muss dringend sparen. Doch das Sparprogramm der Regierung um Ministerpräsident Jose Socrates hat eine Welle der Kritik bei Opposition und Medien ausgelöst.

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Portugal: Kampf gegen die Krise
Socrates hatte bereits angekündigt, die Steuern zu erhöhen. Sprecher der konservativen Sozialdemokratischen Partei PSD warfen Socrates vor, neue Opfer von den Bürgern zu verlangen, anstatt selbst den Gürtel enger zu schnallen.

"Welches Land gerät als nächstes in den Abwärtsstrudel?"

Auch die US-Aktienmärkte rutschten am Mittwoch nach der Herabstufung ins Minus. Investoren fürchten, dass nach Griechenland weitere wirtschaftlich schwache Euro-Länder tiefer in die Schuldenkrise geraten könnten. "Ich denke, dies ist erst der Anfang einer langen Reihe von Herabstufungen, bis die Regierungen ihre Schuldenprobleme in den Griff bekommen", sagte Rick Meckler von LibertyView Capital Management. Zudem belastete die schwache Auktion von fünfjährigen US-Schatzbriefen die Märkte.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit Abschlägen von 0,5 Prozent auf 10.836 Punkte. Im Handelsverlauf hatte der Leitindex zwischen 10.825 und 10.887 Stellen gependelt. Der Dax in Frankfurt ging hingegen mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 6039 Punkte aus dem Handel. Der Ifo-Index war stärker gestiegen als erwartet und stützte den Handel in Deutschland. In Hinblick auf die Sorgen des Marktes sagte Analyst Alan Lanzc: "Es gibt keine Katalysatoren, die uns noch höher bringen können, als wir nach den letzten Gewinnen bereits sind, und Anleger fragen sich, was die nächste Katastrophe sein wird". Man frage sich, welches Land als nächstes in den Abwärtsstrudel der Schulden gerate.

Beratungen über griechische Schuldenkrise

Belastend wirkte sich auch der starke Dollar auf das Marktgeschehen aus, der zum Euro auf ein Zehnmonatshoch kletterte. Dadurch gaben die Rohstoffpreise nach. Die rückläufigen Ölpreise bereiteten wiederum dem Ölriesen Chevron Verluste, die Aktien verloren 1,1 Prozent. Die vor Börsenbeginn veröffentlichten Konjunkturdaten hatten hingegen so gut wie keinen Einfluss auf das Handelsgeschehen.

Die 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union kommen an diesem Donnerstag in Brüssel zusammen, um über die griechische Schuldenkrise zu beraten. Das Thema steht aber offiziell nicht auf der Tagesordnung. Mehrere Staats- und Regierungschefs wie Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy dringen darauf, das die "Chefs" der Länder mit Euro-Währung schon vor Gipfel-Beginn einen Kompromiss über einen Griechenland-Notfallplan vereinbaren. Deutschland trat dabei bis zuletzt auf die Bremse.

Weitere Themen der zweitägigen Konferenz sind die neue Wirtschaftsstrategie "EU 2020" und der Klimaschutz. Die EU-Spitzen wollen zudem Vitor Constancio zum neuen Vize-Chef der Europäischen Zentralbank ernennen. Er ist Portugiese.

fro/Reuters



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Seite 1
seniorita 21.11.2009
1.
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Das muss man nicht glauben, man sollte es wissen. Das Wort Krise ist eigentlich schon falsch, denn nach einer Krise könnte der Patient auch genesen - vorausgesetzt er wird richtig behandelt. Die richtige Fehlerbehandlung ist weit und breit nicht zu sehen, was das Finanzsystem angeht. Da wird nur an den Symptomen herumgedoktert und niemand will an die Ursachen ran. Davon erholt sich niemand. Und wenn die Ursache nicht behoben wird, dann geht es einfach immer nur in die gleiche Richtung. Noch mehr Arbeitslosigkeit, noch mehr Elend, noch mehr soziale Spannungen. Wir brauchen keine Scheinlösungen mehr. Oder Lösungen, die sich gut anhören. Oder Lösungen, die die Ursache beseitigen könnten. Wir brauchen ein Währung, d.h. stabile Preise. Nichts anderes hat Priorität in der Wirtschaft. Stabile Preise lösen zwar nicht alle Probleme, doch mit Inflation und Deflation werden wir so gut wie kein Problem gelöst bekommen. www.freiheitswerk.de
Pinarello, 21.11.2009
2.
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Wieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
seniorita 21.11.2009
3.
Zitat von PinarelloWieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
Richtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
classico, 21.11.2009
4.
Zitat von senioritaRichtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
Wie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
seniorita 21.11.2009
5.
Zitat von classicoWie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
Das ist kein Plan, das ist eine Unverschämheit. In einem System, das immer mehr Menschen unterpflügt, vom Einzelnen zu fordern, es solle sich gefälligst mal um sich selbst sorgen. Nichts für eine Währung tun und dann, wenn es aber in die Deflation geht, anfangen von Selbstverantwortung zu reden. Das sind keine Politiker, die einen Plan haben, sondern korrumpierte Zeitgenossen, die nicht verstehen wollen, dass sie eben nur ein bisschen später unter die Räder kommen. www.freiheitswerk.de
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