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Herabstufung durch Moody's: Krisenländer zittern vor Banken-Stürmung

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Die Herabstufung von 16 spanischen Banken zeigt: Die Finanzinstitute sind zurück im Zentrum der Krise. Nicht nur in Griechenland, sondern auch in Spanien wird die Lage bedrohlich. Anleger und Sparer ziehen Milliarden ab - und befeuern damit die Angst vor einem Bankenbeben.

Spanische Bankia: Laut Presseberichten wurden mehr als eine Milliarde Euro abgehoben Zur Großansicht
REUTERS

Spanische Bankia: Laut Presseberichten wurden mehr als eine Milliarde Euro abgehoben

Hamburg - Der letzte Weckruf kam von Moody's: Die amerikanische Rating-Agentur stufte am Donnerstagabend die Kreditwürdigkeit von gleich 16 spanischen Banken herab - teilweise um drei Stufen. Bereits am Montag hatten sich die Bonitätswächter 26 italienische Institute vorgenommen - darunter Großbanken wie Unicredit Chart zeigen und Intesa Sanpaolo Chart zeigen. Der Ausblick für alle Betroffenen sei negativ, hieß es.

Die Schritte sind drastisch, aber kaum übertrieben. Aus der europäischen Staatsschuldenkrise ist längst auch wieder eine Bankenkrise geworden. Das Schicksal der betroffenen Länder lässt sich nicht von dem ihrer Finanzinstitute trennen: Geht ein Staat bankrott, werden auch seine Banken nur schwer überleben. Andererseits zeigen Beispiele wie Irland oder Spanien, dass ein wackelndes Finanzsystem die nationalen Haushalte schnell überfordern kann.

So begründete Moody's die Herabstufungen in Spanien denn auch mit dem Argument, die Möglichkeit der Regierung, einzelne Banken zu stützen, habe sich verschlechtert. Am Freitag musste die spanische Zentralbank zudem mitteilen, dass der Anteil fauler Kredite in den Büchern spanischer Banken auf ein 18-Jahres-Hoch gestiegen ist. Der Anteil lag demnach im März bei 8,36 Prozent gegenüber 8,15 Prozent im Vormonat.

Spätestens seit zu Wochenbeginn durchsickerte, dass die Sparer in Griechenland an einem Tag fast eine Milliarde Euro von ihren Bankkonten abgehoben haben, geht in Europa die Angst vor dem größten anzunehmenden Unfall eines Finanzsystems um: dem sogenannten Bank-Run - einem Ansturm der Kunden, die das Vertrauen in ihre Bank verloren haben und ihre Spareinlagen zurückfordern.

Ein solcher Run wäre die letzte Stufe des Vertrauensverlusts in die Banken. Schon seit Monaten schaffen vermögende Anleger Milliarden aus den Krisenstaaten ins Ausland, weil sie Zweifel an der Stabilität des Finanzsystems ihrer Heimatländer haben. Bei den Barabhebungen der einfachen Sparer hatte es bis vor kurzem aber kaum Auffälligkeiten gegeben.

Ein Bank-Run ist so gefürchtet, weil er jede Bank der Welt in Schwierigkeiten bringen würde - selbst die gesündesten Institute. Denn es gehört zur Logik des Bankgeschäfts, dass die Institute immer nur einen kleinen Teil der Kundeneinlagen in bar zur Auszahlung bereithalten. Der Rest ist angelegt oder als Kredite an andere Kunden vergeben - das Geld soll "arbeiten", um die Zinsen zu finanzieren, die man den Sparern für ihre Einlagen verspricht.

Die Finanzmärkte rufen schon wieder nach der Europäischen Zentralbank

Mittlerweile kursieren Gerüchte, dass auch in Spanien Bürger damit begonnen haben, ihre Konten bei einigen Banken leerzuräumen. Die Zeitung "El Mundo" hatte berichtet, dass Kunden in der vergangenen Woche mehr als eine Milliarde Euro von der angeschlagenen Großsparkasse Bankia abgezogen hätten. Die Regierung in Madrid dementierte die Meldung zwar, doch die Lage bleibt angespannt. Wie die spanische Zeitung "Expansion" am Freitag berichtete, soll nun die US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen eine unabhängige Bewertung der Problembank liefern.

Um eine Panik zu verhindern, fordern einige Finanzmarktexperten ein schnelles Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB). "Setzt ein Sturm auf die Banken erst einmal ein, ist er ohne eine vertrauenswürdige Einlagensicherung nur schwer wieder zu stoppen", sagte Analyst Tristan Cooper von der Investmentfirma Fidelity. "Angesichts der höchst fragilen Lage Spaniens steht die EZB unter starkem Zugzwang einzuschreiten, um die Nerven der Einleger zu beruhigen."

Doch die Möglichkeiten der EZB sind begrenzt. Zu Jahresbeginn hat sie europäische Banken bereits langfristig mit extrem billigem Geld versorgt. Damals liehen sich die Institute in zwei Schritten insgesamt rund eine Billion Euro für drei Jahre. Nun könnte die Notenbank eine weitere Geldspritze anbieten. Allerdings gehen einigen Banken in den Krisenländern offenbar langsam die Sicherheiten aus, die sie für die Leihgeschäfte bei der EZB hinterlegen müssen. Dazu zählen vor allem Staatsanleihen - unter bestimmten Bedingungen können aber auch Unternehmenskredite eingereicht werden.

Am Mittwoch hatte die EZB bestätigt, dass einige griechische Institute mittlerweile von der Geldversorgung durch die Notenbank abgeschnitten sind. Offenbar verfügen sie nicht mehr über genügend Sicherheiten. Nun müssen sie mit Notkrediten der griechischen Zentralbank in Athen am Leben erhalten werden.

Nicht alle Experten sehen im billigen Geld der Zentralbanken eine gute Lösung: Hans-Werner Sinn glaubt sogar, dass die EZB damit die Kapitalflucht aus den Krisenländern verschärft hat. "Der billige Kredit hat das private Kapital regelrecht in die Flucht geschlagen", schreibt der Präsident des Münchner Ifo-Instituts in einer aktuellen Analyse. "Zweck der Maßnahmen der EZB war es, wieder Vertrauen zu schaffen und den Interbankenmarkt wiederherzustellen. Dabei war sie offenkundig nicht besonders erfolgreich."

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insgesamt 73 Beiträge
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1. 250 Milliarden Euro
tromsø 18.05.2012
Da Deutschland gemäss den Eurobefürwortern von der gemeinsamen Währung wie kein 2tes Land profititert hat, schlage ich vor, dass Deutschland mal schnell 250 Milliarden gen Süden schickt um Danke zu sagen für die Segnungen des Euros. Natürlich als Geschenk. Danke Südlander, dass ihr mit uns den Währungsschwachsinn mitmacht. Danke dafür, dass ihr unsere Produkte mit von uns geliehenem Geld kauft. Und in Zukunft versprechen wir euch eine Fiskalunion mit jährlichen Zahlungen von 40 - 60 Milliarden jährlich. Dieses Geld braucht ihr doch um unsere Autos zu kaufen. Ach, ich liebe diese EU und noch mehr den Euro. Zu schade, dass ich mich nicht aktiv darüber aufregen kann als im Nicht-EU-Raum lebender Europäer.
2. Naja!
Traumschau 18.05.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Herabstufung von 16 spanischen Banken zeigt: Die Finanzinstitute sind zurück im Zentrum der Krise. Nicht nur in Griechenland, sondern auch in Spanien wird die Lage bedrohlich. Anleger und Sparer ziehen Milliarden ab - und befeuern damit die Angst vor einem Bankenbeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833794,00.html
Alles wie gehabt, oder? Es zeigt sich einmal mehr: es war immer und ist es immer noch, eine Bankenkrise. Vielleicht könnte Herr Kaiser endlich mal damit anfangen, den Begriff Bankenkrise statt Staatsschuldenkrise zu verwenden (abgesehen von G.). Denn der Begriff Staatsschuldenkrise ist eine Verhohnepipelung der Menschen und soll nur davon ablenken, dass faktisch nichts getan wurde, um den Finanzmarkt WIRKUNGSVOLL zu regulieren (s. JP Morgan-Desaster). Die Staaten sind immerzu damit beschäftigt, die Banken zu retten und knebeln gleichzeitig die Menschen mit immer neuen Sparorgien. Ein einziges Desaster. So geht der Euro mit Sicherheit den Bach runter. Im Angesicht dieser einseitigen Politik und Verschlimmbesserung ist das wahrscheinlich (mittlerweile) die einzige vernünftige Option: zurück zur Union mit nationalen Währungen! Der Euro könnte gegenüber dem europäischen Ausland als Währung bestehen bleiben, es gäbe feste Wechselkurse der Währungen in Europa zum Euro! Habe ich was vergessen? Ach ja, wer immer noch meint, man könne die Brüningsche Wirtschaftspolitik wiederholen ohne die desaströsen Resultate mit einzukaufen, hat den Knall nicht gehört!
3. Wer stoppt eigentlich....
Cortado#13, 18.05.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Herabstufung von 16 spanischen Banken zeigt: Die Finanzinstitute sind zurück im Zentrum der Krise. Nicht nur in Griechenland, sondern auch in Spanien wird die Lage bedrohlich. Anleger und Sparer ziehen Milliarden ab - und befeuern damit die Angst vor einem Bankenbeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833794,00.html
die vernichtenden, ja die finanz-politisch kriminellen Machenschaften der Raiting-Agenturen??? Sie sind es doch, die den schwachen Ländern in der EU den Dolchstoss verpassen. Und die EU? Ausser unqualifizierten Sprüchen gewisser Schein-Fachleute - wir gründen eine EU-Raiting-Agentur - wird in Brüssel zu diesem Thema, wie üblich, nur heisse Luft produziert! Und sonst nichts!!! Frage: Haben vor der unseligen Einführung des EURO und vor der EU Osterweiterung die Raiting Agenturen der USA auch so vernichtent ihr Unwesen getrieben??? N E I N!!!
4. Prima
Stelzi 18.05.2012
Durch dieses ewige hin und her dank diesen Rating Heinis, kann man prima Geld an der Börse machen. Man muss nur einschätzen können, wie lange sie nach dieser Nummer jetzt wieder still halten, nachdem sich die Kurse mühsam erholt haben. Vorher abstossen und beim nächsten Tauchgang wieder zukaufen. Es ist wohl sonnenklar, dass dieser ganze Rating Schmu nicht aus reiner Freundlichkeit aufgezogen wird, sondern unterm Strich ganz speziellen Interessengruppen dient: den Insidern eben.
5. Das..
vincent1958 18.05.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Herabstufung von 16 spanischen Banken zeigt: Die Finanzinstitute sind zurück im Zentrum der Krise. Nicht nur in Griechenland, sondern auch in Spanien wird die Lage bedrohlich. Anleger und Sparer ziehen Milliarden ab - und befeuern damit die Angst vor einem Bankenbeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833794,00.html
.."Kontenplündern"ist nur das Beben am Meeresgrund".....der Tsunami trifft spätestens in 1-2 Monaten auf Land.Wetten,das der EURO noch in diesem Sommer "platzt"!
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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