Herabstufung durch S&P Rating-Rundumschlag verunsichert Asiens Börsen

Frankreichs Verlust der Top-Bonität und die Herabstufung acht anderer Euro-Länder sorgt für Unruhe bei den Börsianern: Asiens Märkte starten mit Abschlägen in die Woche. Auch der Dax dürfte zum Auftakt verlieren.

Börsentafel in Tokio: Rating-Riese droht auch mit Herabstufung des Rettungsschirms EFSF
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Börsentafel in Tokio: Rating-Riese droht auch mit Herabstufung des Rettungsschirms EFSF


Tokio - Standard & Poor's (S&P) sorgt für Bewegung an den internationalen Börsen: Die Rating-Agentur belastet mit der Herabstufung von neun Euro-Ländern den Handel an den fernöstlichen Aktienmärkten. In Tokio verlor der Nikkei-Index Chart zeigen am Montag bis Handelsschluss 1,4 Prozent an Wert. Der breiter gefasste Topix-Index Chart zeigen gab um 1,3 Prozent nach. Auch der Euro sackte deutlich ab und erreichte zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit Mitte 2010.

Die Verunsicherung über die weitere Entwicklung in der Euro-Zone sei groß, sagten Händler. Zusätzlich belasteten die stockenden Verhandlungen in Griechenland mit den privaten Gläubigern. Daher zählten asiatische Hersteller exportorientierter Produkte auch zu den größten Verlierern an der Börse.

Am Freitag hatte die US-Rating-Agentur S&P Frankreich und Österreich die Top-Bonitätsnote "AAA" entzogen und sieben weitere Länder der Euro-Zone herabgestuft. Die Sorge ist groß, dass nun auch dem Euro-Rettungsschirm EFSF der Entzug der Bestnote droht.

Mit Spannung wird daher der Auftakt an den europäischen Börsen erwartet. Händler rechnen mit Abschlägen auch im deutschen Leitindex Dax Chart zeigen. In den USA bleiben die Märkte am Montag allerdings wegen eines Feiertages geschlossen.

EZB-Ratsmitglied: "Werden alles zur Beruhigung unternehmen"

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach der Herabstufung alarmiert - und wird laut Direktoriumsmitglied Ewald Nowotny alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um zu einer Beruhigung beizutragen. Die EZB habe bereits für zusätzliche Liquidität gesorgt und nun komme es darauf an, dass es zu einer gewissen Beruhigung komme, sagte Nowotny am Sonntagabend im österreichischen Fernsehen. "Was die EZB angeht, werden wir alles, was in unseren Möglichkeiten steht unternehmen, um eine Entspannung herbeizuführen", kündigte der Chef der österreichischen Notenbank an.

Nowotny bewertete besonders die Herabstufung Italiens um zwei Stufen als "sehr dramatisch". Die schlechtere Neubewertung sei etwa für Österreich kein größeres Problem, aber auf europäischer Ebene "wirklich gefährlich", sagte Nowotny. Der Schritt habe die Beruhigung an den Märkten der vergangenen Wochen wieder einen erheblichen Schritt zurückgeworfen, kritisierte er.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte jedoch vor einer stärkeren Einbindung der EZB bei der Lösung der Schuldenkrise. Das Modell der USA, ohne Ende Geld zu drucken, funktioniere in Europa ganz sicher nicht. Die Euro-Schuldenkrise könne nicht gelöst werden, indem die EZB wie die US-Notenbank Fed die Notenpresse anwirft. Das Vertrauen in die Euro-Zone ginge dann verloren.

Schäuble warnte zudem vor einer Überschätzung der Rating-Agenturen. "Die kochen auch nur mit Wasser und im Übrigen, sie sind in einem Wettbewerb untereinander", sagte er im Deutschlandfunk. Er habe den Verdacht, dass die Agenturen um öffentliche Aufmerksamkeit rängen.

Zur weiteren Entwicklung in der Euro-Zone äußerte sich Schäuble optimistisch. "Ich glaube auch nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben", sagte er. Die Euro-Länder seien schließlich längst auf dem Weg in eine Fiskalunion, um sich an gemeinsame Haushaltsregeln zu halten.

Merkel will schnelle Entscheidungen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will immerhin prüfen, ob die Folgen der Rating-Urteile per Gesetz aufgeweicht werden können: Etwa ob es sinnvoll ist, dass für Versicherer bei Abstufungen der Ankauf einiger Staatsanleihen nicht mehr möglich ist.

Konkret pocht Merkel auf schnelle Entscheidungen über den neuen Euro-Rettungsschirm ESM. Der ESM soll nach Merkels Ansicht so schnell wie möglich seine Arbeit aufnehmen. Bislang ist geplant, dass der ESM bis Juli den EFSF ablöst. Dieser sammelt am Markt Milliarden für klamme Euro-Staaten ein. Sollte der EFSF seine Top-Bonität einbüßen, würden die Nothilfen deutlich teurer.

Für Deutschland geht Merkel allerdings zunächst nicht von weiteren Belastungen aus. Es handele sich zudem nur um das Urteil einer der drei großen Agenturen, sagte die Kanzlerin.

Allerdings droht S&P offen mit dem Entzug der Bestnote für den EFSF. "Wir müssen jetzt analysieren: Finden Anpassungsmaßnahmen statt, die den Verlust von AAA-Garantien kompensieren? Wenn das nicht der Fall ist, ist davon auszugehen, dass das Rating auch entsprechend herabgestuft wird", sagte S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer. "Wir glauben, dass die Risiken einer Ausweitung und Verschärfung der Krise zunehmen", sagte Kraemer. Das wirtschaftliche Umfeld trübe sich ein, Staaten und Banken bräuchten allein im ersten Quartal 2012 etliche Milliarden frisches Kapital. Die EZB habe durch ihr flexibles Eingreifen Schlimmeres verhindert.

Finanzminister Schäuble sieht trotz der Drohung keinen Bedarf für eine Aufstockung des deutschen Garantierahmens für den EFSF von derzeit 211 Milliarden Euro. "Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten zu leisten hat, reicht die Garantie bei weitem aus", sagte Schäuble.

yes/Reuters/dpa

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Seite 1
royblackrock 16.01.2012
1. es gibt kein entrinnen...
...aus der schuldenfalle. da keine ratings, keine neuen schulden, kein schuldenabbau. die SCHULD ist systemimmanent! es wird zeit, dass die menschen in diesem lande erkennen, dass unser jetziges finanzsystem eine fehlkonstruktion ist! es kann nicht einmal theoretisch auf dauer funktionieren. das kann nicht sein? ist aber leider so. ich versuche es in aller kürze: die wurzel allen übels ist die geldschöpfung - also die prozesse, bei denen unser geld entsteht. geld entsteht bei uns nur in zwei prozessen: a) die zentralbank gibt einer geschäftsbank einen KREDIT b) eine geschäftsbank gibt einem kunden (unternehmen, privatperson) einen KREDIT. fällt ihnen etwas auf? alles geld entsteht als KREDIT. für kredite sind ZINSEN zu zahlen. das geld für diese zinsen wurde aber nicht geschaffen und kann in der gesamtheit nur über neue kredite von den schuldnern aufgebracht werden. dies bedingt eine endlose verschuldungsspirale, die im crash des systems enden MUSS. etwas ausführlicher hier: pnbc: geldschöpfung - ein unvollkommer prozess (http://bettercentury.blogspot.com/2011/12/geldschopfung-ein-unvollkommer-prozess.html)
AusVersehen 16.01.2012
2.
Zitat von sysopFrankreichs Verlust der Top-Bonität und die Herabstufung acht anderer Euro-Länder sorgt für Unruhe bei den Börsianern: Asiens Märkte starten mit Abschlägen in die Woche. Auch der Dax dürfte zum Auftakt verlieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809247,00.html
Da die Schulden nie weniger werden, in keinem Land der Erde, es sei denn man macht einen vollkommenen Schuldenerlaß, können sich die Staaten noch so sehr anstrengen, wir steuern sowieso in die große Krise. Auch Deutschland! Und was dann? Gehört Deutschland dann den Banken? Wird es eine absolutistische Finanzregierung geben, was den Ende der Demokratie bedeuten würde? Wohl eher nicht. Vielmehr werden irgendwann so manche "Führungseliten", die heute noch fleißig das Blut aus dem Volk aussaugen, von Baukränen baumeln. In der Geschichte der Menschheit gab es genügend beispiele dafür, dass auch dem geduldigsten Volk irgendwann der Kragen platzte und dann sind jede Menge Köpfe gerollt. Nun denn, haren wir der Dinge die da noch kommen werden, aber ich bin mir sicher, ich werde diese Zeit des Umbruchs noch miterleben.
jd87 16.01.2012
3. ...
Zitat von royblackrock...aus der schuldenfalle. da keine ratings, keine neuen schulden, kein schuldenabbau. die SCHULD ist systemimmanent! es wird zeit, dass die menschen in diesem lande erkennen, dass unser jetziges finanzsystem eine fehlkonstruktion ist! es kann nicht einmal theoretisch auf dauer funktionieren. das kann nicht sein? ist aber leider so. ich versuche es in aller kürze: die wurzel allen übels ist die geldschöpfung - also die prozesse, bei denen unser geld entsteht. geld entsteht bei uns nur in zwei prozessen: a) die zentralbank gibt einer geschäftsbank einen KREDIT b) eine geschäftsbank gibt einem kunden (unternehmen, privatperson) einen KREDIT. fällt ihnen etwas auf? alles geld entsteht als KREDIT. für kredite sind ZINSEN zu zahlen. das geld für diese zinsen wurde aber nicht geschaffen und kann in der gesamtheit nur über neue kredite von den schuldnern aufgebracht werden. dies bedingt eine endlose verschuldungsspirale, die im crash des systems enden MUSS. etwas ausführlicher hier: pnbc: geldschöpfung - ein unvollkommer prozess (http://bettercentury.blogspot.com/2011/12/geldschopfung-ein-unvollkommer-prozess.html)
Als kleine Anmerkung noch dazu...jeder der in der Schule Exponentialrechnung hatte, kann sich selber einen Reim darauf machen, wie es zum Schluss in so einem System aussieht (die Kurve wird fast gerade nach oben "schiessen")
das_dunkle_Orakel 16.01.2012
4. .
Zitat von AusVersehenDa die Schulden nie weniger werden, in keinem Land der Erde, es sei denn man macht einen vollkommenen Schuldenerlaß, können sich die Staaten noch so sehr anstrengen, wir steuern sowieso in die große Krise. Auch Deutschland! Und was dann? Gehört Deutschland dann den Banken? Wird es eine absolutistische Finanzregierung geben, was den Ende der Demokratie bedeuten würde? Wohl eher nicht. Vielmehr werden irgendwann so manche "Führungseliten", die heute noch fleißig das Blut aus dem Volk aussaugen, von Baukränen baumeln. In der Geschichte der Menschheit gab es genügend beispiele dafür, dass auch dem geduldigsten Volk irgendwann der Kragen platzte und dann sind jede Menge Köpfe gerollt. Nun denn, haren wir der Dinge die da noch kommen werden, aber ich bin mir sicher, ich werde diese Zeit des Umbruchs noch miterleben.
Genau SO ist es! Aber bevor dem Volk der Kragen platzt, kann so einiges passieren. Ich wollte mir am Wochenende mal wieder '1984' ansehen. Leider hat es nicht geklappt. Aber dieses düstere Szenario macht schon etwas bedrückend.
discipulus_neu 16.01.2012
5. When Mitt Romney Came To Town
Zitat von sysopFrankreichs Verlust der Top-Bonität und die Herabstufung acht anderer Euro-Länder sorgt für Unruhe bei den Börsianern: Asiens Märkte starten mit Abschlägen in die Woche. Auch der Dax dürfte zum Auftakt verlieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809247,00.html
Krisengewinnler und Spekulanten übernehmen ohne demokratische Legitimation die Kontrolle über die Staaten der Welt. Eine Heuschrecke wird der nächste US-Präsident. When Mitt Romney Came To Town (http://www.youtube.com/watch?v=BLWnB9FGmWE)
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