Hilfe für Büro-Alltag Was tun, wenn aus Kollegen Feinde werden?

Zoff im Büro ist keine Seltenheit: Kollegen arbeiten nicht kollegial zusammen, sondern bekämpfen sich. Wie aber lässt sich der Konflikt, der auch unbeteiligte Mitarbeiter belastet, lösen? Managementberater Rüdiger Klepsch gibt praktische Tipps gegen den Krieg an der Schreibtisch-Front.

Konflikt im Berufsalltag: Manchmal ist "nur" eine Klärung möglich
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Konflikt im Berufsalltag: Manchmal ist "nur" eine Klärung möglich


Hamburg - Der Fall dürfte nicht nur Frauen bekannt vorkommen: Zwei Kolleginnen, die in einem Zimmer sitzen, streiten sich immer mehr. Der Berg aus Ordnern und Blumen, der beide Arbeitsplätze voneinander trennt, wächst. Bloß die andere nicht mehr sehen, lieber einen Schutzschirm aufbauen - so das Büro-Motto der Kontrahentinnen.

Die Ursachen für diese verfahrene Situation sind vielfältig: Neid, Missgunst, Inkompetenz, Angst vor Bedeutungsverlust, falsch verstandene Aussagen. Schließlich ist es nicht entscheidend, was die eine sagt, sondern was die andere versteht.

Konflikte zwischen Frauen können böse enden, keine Frage. Aber auch zwischen Männern oder zwischen den Geschlechtern sind solche Auseinandersetzungen nicht minder belastend.

Denn Konflikte:

  • ...wirken in ähnlicher Weise wie Schmerzen: Man konzentriert sich unwillkürlich immer mehr auf den Konflikt. Die übrigen äußeren Ereignisse verlieren ihre Bedeutung. Es kommt zu Pauschalisierungen, Generalisierungen oder Überzeichnungen.
  • verringern das Einfühlungsvermögen. Emotionen gewinnen ein Eigenleben. Wenn man verzerrt wahrnimmt, sind weitere Missverständnisse auf beiden Seiten die Folge.
  • ....belasten das Arbeitsklima, also auch die Kollegen, die nicht direkt davon betroffen sind. Speziell bei den direkt Betroffenen verursachen sie Leistungsabfälle. Manchmal führen sie zu psychischen Störungen, später kann es sogar zu körperlichen Störungen kommen.

Und es wird noch komplizierter:

  • Nicht jeder Konflikt ist gleich erkennbar. Aber es gibt Warnsignale: Aufmerksam werden sollten Sie, wenn der Umgangston von weniger herzlich auf formal schwenkt, Blickkontakt gemieden wird, sozialer Rückzug deutlich wird. Der wichtigste Gradmesser und das empfindlichste Instrument sind Sie selbst.

Um Möglichkeiten zur Lösung von Konflikten zu identifizieren, ist erst einmal entscheidend, was man nicht tun sollte. Es bringt nichts, Konflikte auf Dauer unter den Teppich zu kehren, laut zu werden, das Gegenüber zu veralbern, vor lauter Sturheit nicht mehr zuzuhören oder sich mit der Schuldfrage aufzuhalten.

Unbeteiligte Kollegen, die nicht als Moderatoren von beiden anerkannt werden, sollten unbeteiligt bleiben. Der schlimmste Fehler ist es jedoch, zu warten! Die Gefahr, dass andere mit hineingezogen werden, oder dass Sie sich immer weiter verstricken, wächst.

Was also tun, um die verfahrene Situation zu beenden?

  • Sprechen Sie Dinge, die aus Ihrer Sicht "schräg" laufen oder sich befremdlich anfühlen, früh unter vier Augen an. Das ist die beste Prävention gegen eine zunehmende Verschärfung. Natürlich macht auch hier schon der Ton die Musik. Er muss angemessen und offen sein. Vermeiden Sie Vorwürfe und stellen Sie lieber Fragen. Nur so verhindern Sie eine zunehmende Verstrickung!
  • Vereinbaren Sie ein Treffen, nehmen Sie sich Zeit, so dass Sie ungestört reden können.
  • Versuchen Sie die eigene Wahrnehmung darzustellen. Ich-Aussagen statt Du-Aussagen helfen hier immens.
  • Machen Sie aus Vorwürfen Wünsche. Aber hören Sie auch genau zu. Eine gute Übung für beide ist, das in eigenen Worten zu wiederholen, was jeder jeweils verstanden hat. So wird sichergestellt, dass man nicht vollkommen aneinander vorbeiredet. Da bei Konflikten immer Emotionen im Spiel sind, müssen sie - wenn auch dosiert - heraus: Aber speziell im Arbeitsalltag muss die Richtung auf Lösungen und Zukunft, weniger auf Schuld und Vergangenheit, ausgerichtet sein.

Aus meiner Berufserfahrung folgt, dass nur 10 bis 20 Prozent der Konflikte im Berufsalltag gelöst werden können. 80 Prozent der Konflikte lassen sich höchstens bewältigen. Manchmal ist "nur" eine Klärung möglich. Daher sollte man - wenn es nicht zu einer einfachen Lösung kommt - gemeinsam planen, wie künftige Konflikte gemieden werden könnten. Das hat auch den Vorteil, dass zwei Konfliktpartner etwas Gemeinsames entwickelt haben. Daraus kann wiederum der erste Erfolg einer gelungenen Zusammenarbeit entstehen.

Wenn Sie es allein nicht mehr schaffen, wenden Sie sich möglichst gemeinsam an den Vorgesetzten. Wenn es dem auch nicht gelingt, eine tragfähige Lösung zusammen mit Ihnen zu entwickeln oder er Ihr Vertrauen nicht besitzt, ist es Zeit für ein professionelles Konflikt-Coaching.

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Jeder kennt sie, die kleinen Ärgernisse des Büroalltags. Die Kollegen tratschen statt zu arbeiten, der Chef hat von Tuten und Blasen keine Ahnung - und für Sauberkeit in der Kaffeeküche fühlt sich keiner zuständig.

Wenn es Ihnen ähnlich geht, dann schildern Sie uns Ihre Bürosorgen per Mail , gern auch anonym. Managementberater Dr. Rüdiger Klepsch nimmt sich des Problems an - und gibt Tipps, wie Sie die Situation am besten meistern.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Matzescd, 04.08.2010
1. ach was...
und wenn man die genannten Punkte alle schon hinter sich hat?
frubi 04.08.2010
2. .
Zitat von sysopZoff im Büro ist keine Seltenheit: Kollegen arbeiten nicht kollegial zusammen, sondern bekämpfen sich. Wie aber lässt sich der Konflikt, der auch unbeteiligte Mitarbeiter belastet, lösen? Managementberater Rüdiger Klepsch gibt praktische Tipps gegen den Krieg an der Schreibtisch-Front. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,708767,00.html
Die Firma darf nicht drunter leiden. Punkt. Alles hat sich nach diesem Aspekt unterzuordnen. Wenn man auf Kosten des Unternehmens einen persönlichen Streit ausfechtet, dann verlieren alle Parteien. Man sollte zudem die Sache mit dem Chef besprechen und seine Position stärken indem man eben diesen Fakt hervorhebt.
canaldumidi, 04.08.2010
3. Innere Kündigung vermeiden
Wenn intrigiert, gestenkert wird, sofort und knallhart abmahnen!
klangholz 04.08.2010
4. Wo ist denn der Wehrle?
Der hatte die lustigeren Arbeitsalltagsthemen, wobei die Flachheit der Tipps des Psychologen denen von Wehrle in nichts nachstehen. Wenn man den Artikel auf die relevanten Informationen eindampft, bleibt nichts als Pauschaltipps übrig die von captain obvious stammen könnten. Aber hier schreibt ja der Experte, der Berater, gar ein Dr.! Wir sind ganz gespannt auf den nächsten Tipp für den Arbeitsalltag.
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