Hilferuf privater Krankenversicherer BaFin soll Provisionswettlauf stoppen

Die Konkurrenz unter den 46 privaten Krankenversicherern um neue Kunden ist enorm. Das führt zu massiven Abwerbeaktionen untereinander. Doch jetzt wollen die Gesellschaften den Provisionswettlauf stoppen - mit staatlicher Hilfe.


Hamburg - Die privaten Krankenversicherer (PKV) suchen verzweifelt einen Weg, um das gegenseitige Abwerben von Kunden durch Provisionen einzuschränken. In Gesprächen mit der Finanzaufsicht haben Branchenvertreter jetzt vorgefühlt, ob die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) über Höchstgrenzen in der Kalkulationsverordnung das Problem in den Griff bekommen könnte. Experten aus mehreren Gesellschaften bestätigten der "Financial Times Deutschland" entsprechende Kontakte.

"Ohne staatliche Hilfe kriegen wir das Problem nicht in den Griff", sagte ein Vorstandsmitglied der Zeitung. Die Situation sei sehr ernst und könne den Ruf der privaten Krankenversicherer nachhaltig beschädigen. Die Branche leidet ohnehin unter den negativen Folgen einer Reihe deutlicher Preiserhöhungen, denen weitere Anhebungen folgen dürften - wegen Ausgabensteigerungen und niedriger Zinsen für die Kapitalanlagen.

Die Aufsichtsbehörde BaFin könnte über Änderungen in der Kalkulationsverordnung der Branche neue Spielregeln vorgeben. Dort ist festgehalten, mit welchen versicherungsmathematischen Methoden die Versicherer Prämien kalkulieren und Alterungsrückstellungen berechnen müssen. Die BaFin könnte der Branche auch verordnen, die Stornohaftung auf mindestens fünf Jahre zu strecken und zusätzlich eine Höchstgrenze für Provisionszahlungen einzuziehen. Im Gespräch sind acht Monatsbeiträge. Bis vor wenigen Jahren waren zwölf Monatsbeiträge die absolute Spitze.

Mittlerweile sind manche Gesellschaften auch dazu bereit, mehr als 14 Monatsbeiträge an Vermittler zu zahlen. Darunter leiden oft Neukunden - sie werden mit den Kosten dieses Provisionswettlaufs belastet.

Ein Sprecher des Verbands der privaten Krankenversicherung wollte sich zu Gesprächen mit der BaFin gegenüber der "Financial Times Deutschland" nicht im Detail äußern. Der Verband könne keine Empfehlungen aussprechen, das verböten Kartell- und Wettbewerbsregeln.

wit



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insgesamt 18 Beiträge
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hajoschneider 18.11.2010
1. ?
Zitat von sysopDie Konkurrenz unter den 46 privaten Krankenversicherern um neue Kunden*ist enorm. Das führt zu massiven Abwerbeaktionen untereinander. Doch jetzt wollen die Gesellschaften den Provisionswettlauf stoppen - mit staatlicher Hilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,729830,00.html
Es lebe die Private Krankenversicherung!
Klo, 18.11.2010
2. ...
Zitat von sysopDie Konkurrenz unter den 46 privaten Krankenversicherern um neue Kunden*ist enorm. Das führt zu massiven Abwerbeaktionen untereinander. Doch jetzt wollen die Gesellschaften den Provisionswettlauf stoppen - mit staatlicher Hilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,729830,00.html
Höre ich das richtig? Der Steuerzahler soll dafür sorgen, dass der Wettbewerb unter Privatkrankenkassen aufhört? Ja, glaub ich's denn? Was spricht eigentlich noch gegen eine Auflösung der Privatkassen?
montaxx 18.11.2010
3. seltsam
seltsam - sonst trägt doch die private staatsferne wie eine monstranz vor sich her und propagiert die angeblichen vorzüge der pkv.wenn es ihr dann aber an den kragen geht,ist staatl. assistenz gern gesehen.man sollte das volkswirtschaftlich unnötige nebeneinander von gkv und pkv irgendwann mal stoppen.hinweis an alle,die jetzt wieder mit der ewiggleichen leier von neidgesellschaft oder,huch,sozialismus kommen: dieses nebeneinander zweier versicherungssysteme gibt es in kaum einem westeuropäischen land.auch der hinweis auf england nützt wenig.das dortige staatl. system ist sicher suboptimal;es gibt aber genug einheitl. systeme,die offenbar gut funtionieren.einer schweizer zeitung war kürzlich zu entnehmen,dass das französische gesundheitssystem in einem internat. vergleich ganz vorne lag - ohne pkv!
intenso1 18.11.2010
4. Wo zu...
Zitat von sysopDie Konkurrenz unter den 46 privaten Krankenversicherern um neue Kunden*ist enorm. Das führt zu massiven Abwerbeaktionen untereinander. Doch jetzt wollen die Gesellschaften den Provisionswettlauf stoppen - mit staatlicher Hilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,729830,00.html
braucht Deutschland so viele gesetzliche und private Krankenkassen? Deutschland hat fast so viele Krankenkassen wie der Rest der EU zusammen.
rorrim, 18.11.2010
5. Es ist sinnvoll
Zitat von KloHöre ich das richtig? Der Steuerzahler soll dafür sorgen, dass der Wettbewerb unter Privatkrankenkassen aufhört? Ja, glaub ich's denn? Was spricht eigentlich noch gegen eine Auflösung der Privatkassen?
Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Staat greift zurecht schon in jede Versicherung ein, damit diese ihre Risikokalkulationen nicht mit Phantasie anreichern. Dies gilt außerdem auch für jede andere Versicherung. Leider hat der Gesetzgeber hier eine Lücke gelassen, die es "schwarzen Schafen" unter den Versicherungen erlaubt, diese extrem hohen Provisionen an Makler für Versicherungswechsel zu bezahlen. Da hier die Provisionen besonders hoch sind, ist dies eben nur ein Vorgeschmack, was noch auf alle zukommt (Kfz, Haftpflicht, etc). Wird hier jetzt ein Riegel vorgeschoben, dann gilt dies (hoffentlich) auch für andere Versicherungen. Oder wollen Sie wirklich mit Ihrem Geld nur die Makler finanzieren. Was spricht gegen die Auflösung der PKV? nichts! Was spricht gegen die Auflösung der GKV? nichts!
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