Nikkei und Euro im Plus: Aktienhändler feiern Spaniens Hilferuf

Spanien bekommt 100 Milliarden Euro von den EU-Partnern - an den Märkten sorgt diese Nachricht für Jubel. Die Aktienkurse in Asien steigen kräftig, der Euro legt zu. Zuspruch kommt auch von der chinesischen Regierung. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz indes spricht von "Voodoo-Ökonomie".

Börse in Tokio (Archivbild): Anleger schauen nun auf die Wahl in Griechenland Zur Großansicht
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Börse in Tokio (Archivbild): Anleger schauen nun auf die Wahl in Griechenland

Tokio - Der Hilferuf der spanischen Regierung ist an den Finanzmärkten mit Erleichterung aufgenommen worden. An der Börse in Tokio schloss der Nikkei-Index Chart zeigen rund zwei Prozent im Plus bei 8624 Punkten. Der Hang Seng Chart zeigen in Hongkong gewann ebenfalls zwei Prozent, in Seoul legte der Leitindex Kospi 1,6 Prozent zu. Der Euro Chart zeigen stieg um ein Prozent von 1,25 Dollar auf 1,26 Dollar.

Spanien will nach langem Widerstand nun doch Gelder aus dem Euro-Rettungsfonds zur Rekapitalisierung seiner maroden Geldhäuser beantragen. Die Euro-Finanzminister erklärten sich bereit, dem Land bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. "Ich bin zuversichtlich, dass dies ein starkes Signal an die Märkte senden wird, dass die Euro-Zone bereit ist, Spanien in seinen Anstrengungen zu unterstützen, seinen Bankensektor zu restrukturieren und rekapitalisieren", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Der Umfang des Rettungspakets ist größer als von vielen Investoren erwartet. Die Märkte waren in den vergangenen Wochen von der Angst beherrscht worden, die Krise in der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone könne sich ausweiten und der Weltkonjunktur zusätzlich schaden. Umso größer ist nun die Erleichterung.

"Vergangene Woche wartete jeder darauf, dass die politisch Verantwortlichen handeln", sagte Masayuki Doshida von Rakuten Securities. "Daher sind die Investoren jetzt wieder etwas beruhigt, nachdem die Rettungsaktion für Spanien beschlossen ist." Nun richte sich der Blick der Anleger auf die nächsten Weichenstellungen in der Schuldenkrise.

Sein Kollege Takao Hattori von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities warnte aber auch vor andauernden Unsicherheiten: "Offen ist, auf welchem Weg die Gelder an die spanischen Banken gezahlt werden, wie das Ergebnis der Wahlen in Griechenland ist und wie sich die Situation in Peripherieländern wie Italien entwickelt", sagte Hattori. Am Sonntag wählen die Griechen ein neues Parlament. Das Votum gilt für viele als Entscheidung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone.

China begrüßt geplante Milliardenhilfe

Lob für die geplante Spanien-Hilfe kam aus China. Vizefinanzminister Zhu Guangyao sagte, die chinesische Regierung "glaube fest daran, dass Europa die Weisheit und die Fähigkeit besitzt, mit den Problemen umzugehen". China hoffe auf einen guten Ausgang, sei aber auch auf eine Verschlechterung der Situation vorbereitet.

Scharfe Kritik am Kurs der Krisenmanager äußerte Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Er bezeichnete den Plan als "Voodoo-Ökonomie". "Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung", sagte Stiglitz. Das könne nicht funktionieren.

Stattdessen müsse Europa die Schaffung eines gemeinsamen Bankensystems und einer Fiskalunion vorantreiben. "Man muss sich dem zugrundeliegenden Problem stellen, und das ist: das Wachstum zu fördern", sagte der frühere Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, der als scharfer Kritiker von Sparprogrammen gilt. "Deutschland hält daran fest, dass die Stärkung durch Haushaltsdisziplin kommt, aber das ist eine komplett falsche Diagnose", warnte Stiglitz. Der Preis, den Deutschland für einen Zerfall des Euro zahlen müsse, sei höher als der Preis für die Rettung der Gemeinschaftswährung.

Auch die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, bezeichnete es es als "absurd, dass sich die Staaten bei den Banken verschulden, um die Banken zu retten". Sie forderte in der "Mitteldeutschen Zeitung", dass der Bundestag über die Finanzhilfen abstimmen müsse. "Wenn Steuergeld an private Banken fließt oder an sie verpfändet wird, dann muss der Bundestag ein Wörtchen mitreden", sagte Kipping. 100 Milliarden Euro seien ein Drittel des Bundeshaushalts. Das könne man nicht mal eben mit einem Verwaltungsakt bewilligen.

cte/Reuters/dpa/dapd

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1. *'*
imsozeitgeisty 11.06.2012
Zitat von sysopAPSpanien bekommt 100 Milliarden Euro von den EU-Partnern - an den Märkten sorgt diese Nachricht für Jubel. Die Aktienkurse in Asien steigen kräftig, der Euro legt zu. Zuspruch kommt auch von der chinesischen Regierung, Nobelpreisträger Joseph Stiglitz indes spricht von "Voodoo-Ökonomie". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838056,00.html
Heute lesen wir bei SPON alles super, es geht auf wärts, Euro-Krise (fast) gelöst, wirklicht toller Boom, bla bla blubb blubb. Und Morgen dann: Völlig unvorhersehbar #insert Disasterscenario here#
2. aber hallo
Fackus 11.06.2012
Zitat von sysopAPSpanien bekommt 100 Milliarden Euro von den EU-Partnern - an den Märkten sorgt diese Nachricht für Jubel. Die Aktienkurse in Asien steigen kräftig, der Euro legt zu. Zuspruch kommt auch von der chinesischen Regierung, Nobelpreisträger Joseph Stiglitz indes spricht von "Voodoo-Ökonomie". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838056,00.html
da würd ich auch jubeln, wenn man mir einfach so 100 Milliarden in den A. bläst. Einzige Arbeit: Genug winseln. Guido Knopp aufgemerkt und in paar Jahren Filmchen drüber gemacht: Diese gesamte 'Finanzkrise' ist wohl der gigantischste Betrug, der jemals in der Weltgeschichte stattgefunden hat. Billionen abgesaugt aus hunderten Millionen Steuerzahler-Portemonnais. Da waren selbst Ludwig XIV und seine Fürstenkumpel echte Stümper im Volksaussaugen.
3. Kein Ende der Korruption
Petra_M 11.06.2012
Während sich Europas Banker vor Freude auf die Schenkel klopfen, dürfte den Steuerzahlern die Zornesröte ins Gesicht steigen. Mit welcher Berechtigung, so fragen sie sich zu Recht, werden marode Zombiebanken in Spanien (und nicht nur dort) vom marktwirtschaftlichen Ausleseprozess verschont und mit Krediten künstlich am Leben gehalten, für die die Steuerzahler den Kopf hinhalten müssen? Das Argument, es handele sich um systemrelevante Banken, deren Zusammenbruch das globale Finanzsystem in den Abgrund triebe, ist pure Volksverdummung - eine Immunisierungsstrategie der Bankenlobby, die diese den Politikern geschickt als Weltenrettung verkauft hat. Sicherlich gibt es Banken, die wegen ihrer Größe und Vernetzung mit anderen Instituten systemrelevant sind. Diese Banken muss der Staat retten, um einen Kollaps des globalen Finanzsystems zu verhindern. Doch die spanischen Regionalbanken gehören nicht dazu. Wie man es besser macht, zeigen die USA. Zwar hat die US-Regierung einige Wall-Street-Größen wie die Bank of America und Citigroup mit staatlichen Kapitalspritzen vor dem Aus bewahrt. Doch sie hat zugleich den Mut gehabt, mehr als 140 kleinere und mittlere Banken im ganzen Land in den Bankrott zu schicken. Das hat den Bankensektor bereinigt, Amerikas Finanzbranche steht heute um ein Vielfaches besser da als die Konkurrenz in Europa. Das Aufspannen des Rettungsschirms über Spaniens Banken widerspricht zudem den vertraglichen Grundlagen des EFSF. Diese sehen vor, dass die EFSF-Mittel nur als Ultima Ratio abgerufen werden dürfen, wenn ein Land nachgewiesen hat, dass es seine Banken allein nicht retten kann.
4. Hauptsache den Banken
strandtiger 11.06.2012
geht es wieder gut. Egal welche Misswirtschaft, egal womit die Milliarden von anzugtragenden Mittelstandsvampiren verzockt wurden, der deutsche Steuerzahler nimmt zukünftige Lohnnebenkosten von 70% freudig in Kauf! Nur zu Ihr gewissenlosen Investmentbanker: Ein paar Runden spielen wir noch vor der nächsten Revolution...!
5. Natürlich jubeln die Aktienhändler....
ZWV@SPON 11.06.2012
Zitat von sysopAPSpanien bekommt 100 Milliarden Euro von den EU-Partnern - an den Märkten sorgt diese Nachricht für Jubel. Die Aktienkurse in Asien steigen kräftig, der Euro legt zu. Zuspruch kommt auch von der chinesischen Regierung, Nobelpreisträger Joseph Stiglitz indes spricht von "Voodoo-Ökonomie". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838056,00.html
.... wenn man mal wieder Geld vom Steuerzahler für ihre Spekulationsgeschäfte bekommt. Gruß Oli
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Spanien: Was vom Bau-Boom übrigbleibt


So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.