Hilfsgesuch vor Pleite Deutsche Bank ließ Lehman abblitzen

Richard Fuld ging verzweifelt Klinken putzen: Vor der Pleite von Lehman Brothers klopfte der Investmentbanken-Chef bei 30 möglichen Geldgebern in aller Welt an und bat um Hilfe. Auch bei der Deutschen Bank. Doch Fuld blitzte ab, wie der Untersuchungsbericht zu der Insolvenz zeigt.

Lehman-Gebäude: Die Investmentbank hübschte die Bilanzen auf
REUTERS

Lehman-Gebäude: Die Investmentbank hübschte die Bilanzen auf


New York - Kurz vor ihrer schicksalhaften Pleite hat sich die US-Investmentbank Lehman Brothers hilfesuchend auch an die Deutsche Bank Chart zeigen gewandt. Die Deutsche Bank sei aber nicht einmal bereit gewesen, über eine mögliche Transaktion zu reden, heißt es im 2200 Seiten starken Untersuchungsbericht zur Lehman-Insolvenz.

Am 15. September 2008 brach das US-Institut schließlich zusammen und löste damit eine Schockwelle an den internationalen Finanzmärkten aus.

Die Deutsche Bank steht auf einer langen Liste von Kreditinstituten und Finanzinvestoren, bei denen Lehman Brothers in den Monaten vor der Pleite angeklopft hatte. Die US-Investmentbank wollte dabei eine rettende Fusion, eine Übernahme oder zumindest eine Beteiligung ausloten. Das erschien aber allen Angesprochenen zu riskant. Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte die Informationen am Wochenende nicht kommentieren.

Alles in allem war die US-Investmentbank laut Untersuchungsbericht auf mehr als 30 mögliche Partner und Geldgeber aus aller Welt zugegangen - von der Schweizer UBS Chart zeigen bis hin zum legendären US-Investor Warren Buffett. Auch mit dem direkten Rivalen Morgan Stanley Chart zeigen hatte Lehman-Chef Richard Fuld Kontakt aufgenommen. Einige der Angesprochenen wie die japanische Nomura oder die britische Barclays Bank Chart zeigen bedienten sich später aus der Insolvenzmasse.

Lehman Brothers hatte sich wie viele andere Finanzunternehmen mit kompliziert konstruierten Hypothekenpapieren verspekuliert. Schon Monate vor dem Zusammenbruch stand die Investmentbank auf wackeligen Beinen. Mit Bilanztricks kaschierte sie zudem ihre desolate Lage.

Über sogenannte "Repo 105"-Geschäfte hübschte sie ihre Bilanzen jeweils kurz vor wichtigen Stichtagen auf und präsentierte sich damit nach außen als gesundes Unternehmen, wie der Untersuchungsbericht enthüllt.

Die Deutsche Bank gehörte dem am späten Donnerstag vorgelegten Bericht von Sonderermittler Anton Valukas zufolge zu den Partnern bei diesen Geschäften. Dabei ist allerdings unklar, ob die Frankfurter etwas von der Zahlenkosmetik bei Lehman Brothers mitbekommen haben könnten. Repo-Geschäfte an sich sind in der Finanzwelt gang und gäbe.

Dabei borgt eine Bank einer anderen kurzzeitig Geld und bekommt dafür im Gegenzug Vermögenswerte überlassen. Lehman Brothers ließ bestimmte Repo-Transaktionen in den Büchern wie dauerhafte Verkäufe aussehen.

Die Pleite von Lehman Brothers gilt als Höhepunkt der Finanzkrise. Ab diesem Zeitpunkt verloren die Banken jegliches Vertrauen untereinander, der Geldfluss versiegte. Eine Kettenreaktion in der Finanzwelt setzte ein. Nur das massive Eingreifen der Regierungen hielt die Märkte notdürftig am Laufen. Die Zeche zahlen die Bürger bis heute.

ase/dpa-Afx



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freivogel, 12.09.2009
1.
Zitat von sysopDas Zusammenbruch der Lehman Brothers stand am Beginn der größten internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten. Noch immer hat sich die Weltwirtschaft von dem Crash nicht erholt. Hat die Finanzwelt dauerhafte Lehren aus dem Fiasko gezogen?
Sieht nicht so aus, es wird wieder gezockt an den Banken und Börsen.
Volker Gretz, 12.09.2009
2.
Zitat von sysopDas Zusammenbruch der Lehman Brothers stand am Beginn der größten internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten. Noch immer hat sich die Weltwirtschaft von dem Crash nicht erholt. Hat die Finanzwelt dauerhafte Lehren aus dem Fiasko gezogen?
Auch Migrationshüntergründige mit schlechter Sozialprognose dürfen ihren Geburtstag im Kanzleramt ausrichten und verlieren -egal was sie tun - ihre Aufenthaltserlaubnis nicht, wenn sie nachpolitische Jobs anzubieten haben.
nimmnix 12.09.2009
3.
Zitat von sysopDas Zusammenbruch der Lehman Brothers stand am Beginn der größten internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten. Noch immer hat sich die Weltwirtschaft von dem Crash nicht erholt. Hat die Finanzwelt dauerhafte Lehren aus dem Fiasko gezogen?
\~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~/ Aber selbst verständlich, meine Damen und Herren !! Die Lehren die aus dieser sogenannten ’Wirtschaftskiese’ gezogen wurden sind genau die, welche jedem Manager, Börsen Makler und sogenanntem Wirtschafts- Experten weltweit über Jahrzehnte hinweg auf Management Fortbildungs-Kursen, Wirtschafts- Seminaren und Betriebswirtschaftlichen Studien Gängen eingebleut wurden. Was glaubt man den wofür man all diese Milliarden Euro/Dollars an Universitäten und Seminar Gebühren über die letzten 15/20 Jahre ausgeben hat? - Nur um nach all dem Monate langem `Kooperativen Kasperle Theater` das Handtuch zu werfen? Jetzt wo man sich ein für alle mal der lästigen Konkurrenz entledigt hat? Ich glaube sie haben alle mal wieder etwas zuviel CO2 geschnüffelt, Gell?
Izmir.Übül 12.09.2009
4.
Zitat von sysopDas Zusammenbruch der Lehman Brothers stand am Beginn der größten internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit Jahrzehnten. Noch immer hat sich die Weltwirtschaft von dem Crash nicht erholt. Hat die Finanzwelt dauerhafte Lehren aus dem Fiasko gezogen?
Ja, und zwar die, dass im Zweifelsfall die Steuerzahler einspringen, so dass selbst bei Milliardenverlusten Millionenboni gezahlt werden können.
buntesmeinung 12.09.2009
5. Lehren aus der Lehman-Pleite
genau die, dass die Banken zocken können´wie sie wollen, da am Ende aufgrund der "Systemrelevanz" der Steuerzaheler für die Verluste einspringt. Nach dem Crash gibt es billiges Geld vom Staat und es kann fröhlich weiter gezockt und noch an der Krise verdient werden. Die Dummen bleiben die Arbeitnehmer und Steuerzahler. Das Kapital hat die Politik und uns allemal im Würgegriff,
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