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Hitzefalle ICE: Wer für das Bahn-Debakel verantwortlich ist

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Die Bahn steckt in der Imagekrise. ICE-Klimaanlagen sind bei extremen Temperaturen überfordert, in insgesamt 48 Zügen gab es Probleme - jetzt attackieren Politiker aller Parteien den Konzern, verlangen Konsequenzen. Dabei ist die Regierung mitverantwortlich für den drastischen Sparkurs.

Wartung im ICE-Betriebswerk Berlin: Bahn hat Task Force eingerichtet Zur Großansicht
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Wartung im ICE-Betriebswerk Berlin: Bahn hat Task Force eingerichtet

Hamburg - Da ist es wieder, das Feindbild Bahn: "Klimaanlagen, die nur im Winter funktionieren, sind ein schlechter Witz", sagt Erik Schweickert, Bundestagsabgeordneter der FDP. Auch beim Koalitionspartner CSU gibt man sich empört: "Ein ICE muss bei minus 40 Grad laufen und bei plus 40 Grad auch", lässt Verkehrsminister Peter Ramsauer seinen Staatssekretär verkünden.

Überraschend kommt das nicht. Kaum steht die Bahn in der Kritik, folgt unweigerlich die Schelte durch Politiker. Dieses Mal ist es das Hitzechaos.

Seit am Samstag neun Schüler in einem ICE einen Kollaps erlitten, vergeht kein Tag ohne neue Berichte über Bratröhren-Züge. Und über Menschen, die ärztlich versorgt werden müssen. "Die Situation macht uns sehr betroffen", sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Donnerstag in Berlin. Jeder Reisende, dessen Gesundheit beeinträchtigt werde, sei einer zu viel. Seit Freitag vergangener Woche sei bei 5500 Fernzugfahrten in 48 Fällen die Klimaanlage ausgefallen - warum es vor allem in ICE-2-Zügen passiere, sei immer noch nicht klar. Der Konzern tue alles, um zu ergründen, worin das Problem bestehe.

Inzwischen ist klar, dass die Klimaanlagen in den ICE-1- und -2 nur bis 32 Grad einwandfrei laufen, danach kühlen sie nicht mehr richtig. Bei neueren Modellen sind es 35 Grad. Sollte dies zutreffen, werfe dies ein schlechtes Licht auf die Bahn-Manager, sagt dazu FDP-Politiker Schweickert. Die Bahn müsse nun "dringend handeln" und ihre Klimaanlagen "sommerfest machen".

Klingt gut. Das Problem ist nur: Die Koalitionspolitiker unterschlagen, dass die aktuelle Bundesregierung und ihre Vorgänger an den Problemen eine Mitschuld tragen.

Denn die Bahn sollte sparen, um fit für einen Börsengang zu sein.

Der fiel dann zwar wegen der Finanzkrise aus. Aber der Staatskonzern durfte trotzdem nicht mehr Geld ausgeben - im Gegenteil. Erstmals fordert die Regierung nun sogar Geld zurück. 500 Millionen Euro jährlich, für die Bahn ist das angesichts von 15 Milliarden Euro Schulden und der teuren Übernahme des britischen Konkurrenten Arriva ein Batzen Geld.

Für den Börsengang sei "unglaublich bei den Kosten gespart" worden, kritisiert Winfried Hermann, Grünen-Politiker und Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages. Zudem seien die Reservekapazitäten abgebaut worden, sprich, es gibt weniger Ersatz, wenn Züge ausfallen. Das räche sich natürlich bei hohen Belastungen, sagt Hermann.

Auch die Gewerkschaft der Lokführer GDL erhebt schwere Vorwürfe gegen Bahn und Politik. So sei auch eine "nicht voll umfängliche Wartung aller Komponenten" Grund für den Ausfall der Klimaanlagen. "Diese wurde früher gewährleistet, ist aber durch den Spar- und Börsenkurs zunehmend verlorengegangen", sagt GDL-Chef Claus Weselsky. Es sei "ein Unding, dass Zugbegleiter oder Lokomotivführer nach solchen Vorfällen angeklagt werden".

Wie will die Bahn nun ihre Probleme lösen? Kann sie von anderen Ländern lernen? SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Forum - Klimaschock: ICE - Hitzedesaster vergrätzt Bundesregierung
insgesamt 2247 Beiträge
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1.
F. Schneider 12.07.2010
Zitat von sysopJetzt greifen Bundesminister ein: Nach der Klimakatastrophe bei der Bahn mahnt Verkehrsminister Ramsauer eine schnelle Überprüfung der Züge an. Der Schienenkonzern sucht noch nach dem Fehler - und gibt jetzt weitere Ausfälle der Kühlanlagen zu. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Früher konnte man einfach das Fenster runterziehen. Das waren noch Zeiten.
2. .
Carnival Creation, 12.07.2010
Wachstum, Wachstum über alles... Solange nur die Gier des Neoliberalen Managements der Bahn zählt, muß man ich über solche unfassbaren Peinlichkeiten nicht wundern. Aber wie konnte man denn auch AHNEN, daß wir so ein heißes Wetter kriegen würden? Davor warnen die 'Klimahysteriker' ja schließlich erst seit 20 Jahren.... Das Spiel beginnt! Jetzt!
3. Hauptsache
idealist100 12.07.2010
Zitat von sysopJetzt greifen Bundesminister ein: Nach der Klimakatastrophe bei der Bahn mahnt Verkehrsminister Ramsauer eine schnelle Überprüfung der Züge an. Der Schienenkonzern sucht noch nach dem Fehler - und gibt jetzt weitere Ausfälle der Kühlanlagen zu. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Hauptsache Gewinn und Marktreif zum verscherbeln. Wo sind die Verantwortlichen ?? Unterdimensionierte Anlagen ausgelegt auf max. 30 Grad schalten bei höheren Temperaturen einfach zur Sicherheit ab.
4.
robert_t_offline 12.07.2010
Zitat von F. SchneiderFrüher konnte man einfach das Fenster runterziehen. Das waren noch Zeiten.
Jo das macht bei 300 sicher Spass ^^ Jetzt sagen sicher manche "Ja dann sollen se langsamer fahren" und dann maulen die anderen "Dann bin ich ja ewig unterwegs" :D Da simmer wieder in Deutschland..kann mer meckern ^^
5. Das ist doch nix neues...
buktu1975 12.07.2010
Das ist doch nichts neues: Hatte ich schon mal im ICE im Rekordsommer 2003. Klimaanlage defekt und lauschige gefühlte (und wahrscheinlich reelle) 50° im Abteil. Der Schaffner hat immerhin kühle Drinks ausgegeben. Ich dachte, die hätten mittlerweile dazugelernt. PS: Im Nahverkehr zum Flughafen hatte ich kürzlich eine klimatisierte S-Bahn! Ich war erstaunt!
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