Marktmanipulation Turbo-Händler muss Millionenstrafe zahlen

Für den Hochfrequenzhändler Michael Coscia wird es richtig teuer. Aufseher in Großbritannien und den USA verurteilten ihn und seine Firma zu Geldstrafen und Rückzahlungen von fast sechs Millionen Dollar. Coscia soll per Computer den Ölmarkt manipuliert haben.

Rohstoffhändler in New York: Umstrittene Geschäfte im Millisekundentakt
REUTERS

Rohstoffhändler in New York: Umstrittene Geschäfte im Millisekundentakt


London - Der Hochfrequenzhandel ist umstritten. Mehrere spektakuläre Börsenpannen haben in den vergangenen Jahren den Verdacht genährt, dass die computergesteuerten Geschäfte im Millisekundentakt die Stabilität der Finanzmärkte gefährden.

Der in den USA ansässige Hochfrequenzhändler Michael Coscia jedoch hat den Rohstoffmarkt nicht nur destabilisiert, sondern gezielt manipuliert. Zu diesem Schluss kamen die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA sowie die Commoditiy Futures Trading Commission (CFTC) und die Terminbörse CME Group in den USA. Insgesamt verhängten sie am Montag gegen Coscia und seine Handelsfirma Panther Strafen und Rückzahlungen in Höhe von fast sechs Millionen Dollar.

"Herr Coscia hat den Markt und andere Marktteilnehmer betrogen", teilte die FCA mit. Nach Einschätzung der Aufseher sorgte der Händler 2011 mit Hilfe eines bestimmten Algorithmus dafür, dass ein falscher Eindruck von Angebot und Nachfrage für verschiedene Terminkontrakte auf dem Ölmarkt entstand. Dazu habe Coscia mit Hilfe eines Börsenhändlers aus den USA an der in Großbritannien angesiedelten Börse ICE Futures Europe tausende falsche Aufträge platziert. Allein binnen sechs Wochen strich Coscia dabei einen Gewinn von 279.920 Dollar ein.

Die CFTC verurteile Coscia und Panther zu einer Strafe von 1,4 Millionen Dollar und verpflichtete ihn zur Rückzahlung weiterer 1,4 Millionen an illegalen Gewinnen. Die Börse CME verhängte eine Strafe von 800.000 Dollar und ordnete zudem die Rückzahlung von Gewinnen in Höhe von 1,3 Millionen an. Die FCA verhängte eine Strafe von 900.000 Dollar. Die Strafe in Großbritannien wäre sogar noch um 30 Prozent höher ausgefallen, hätte Coscia sich nicht auf einen Vergleich mit der Behörde eingelassen.

Beim Hochfrequenzhandel kaufen oder verkaufen Computer selbsttätig binnen Sekundenbruchteilen Aktien und andere Wertpapiere. In den USA gehen mittlerweile etwa 70 Prozent der Börsenumsätze auf solche Geschäfte zurück, in Deutschland sind es rund 40 Prozent.

dab/Reuters



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