Hochtief: FDP-Experte gibt Management Schuld an drohender Übernahme
FDP-Finanzexperte Volker Wissing watscht die Konzernleitung von Hochtief ab. Das Management habe den Aktienkurs des Baukonzerns nicht stützen können - nur deshalb sei das Unternehmen jetzt ein Übernahmekandidat.
Berlin/Mainz - Hochtief wird wohl bald von ACS übernommen - noch am Mittwoch könnte der spanische Baukonzern ein Übernahmeangebot vorlegen. Die Belegschaft fürchtet einen Job-Kahlschlag. Entsprechend erhitzt sind die Gemüter. Der deutsche Baukonzern wirft der Regierung vor, sie habe ihn nicht ausreichend vor einer Übernahme aus dem Ausland geschützt - doch der Bundeswirtschaftsminister weist das vehement zurück.
"In der sozialen Marktwirtschaft ist es grundsätzlich nicht die Rolle des Staates, die Eigentümerstruktur einzelner Unternehmen zu beeinflussen", sagte Rainer Brüderle der "Rheinischen Post". Firmenübernahmen seien normale wirtschaftliche Vorgänge. "Als offene Volkswirtschaft wollen wir keine Schutzzäune - weder bei anderen noch bei uns", sagte der FDP-Politiker.
Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing geht sogar noch einen Schritt weiter - und kritisierte die Konzernleitung von Hochtief. Die könne nicht erwarten, dass die Regierung ihre Fehler ausbügele, sagte er am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". Der schwache Aktienkurs des im MDax
notierten Konzerns spiegele nicht dessen Wert wider. Das sei ein großes Problem, da der beste Schutz gegen feindliche Übernahmen immer noch in einem hohen Aktienkurs bestehe.
In der Nacht zum Dienstag hatte die deutsche Börsenaufsicht BaFin ein Angebot des Bauunternehmens ACS zur Übernahme von Hochtief genehmigt. Bei einer Übernahme dürften zahlreiche Jobs wegfallen - vor allem auf Seiten der 11.000 deutschen Hochtief-Beschäftigten. Der Vorstand des Baukonzerns hatte auf ein Veto der BaFin gehofft. Nach dem Okay der Behörde sind seine Chancen, die Übernahme noch abzuwehren, deutlich gesunken.
Hochtief hatte das deutsche Übernahmegesetz immer wieder als löchrig kritisiert und die Regierung vor diesem Hintergrund zum Handeln aufgefordert. Das Gesetz müsse den Regeln anderer europäischer Länder angeglichen werden, damit ACS eine deutlich höhere Hürde zu nehmen habe.
ssu/dapd
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