Höheres Grundkapital Finanzprofis begrüßen Geldspritze für EZB

Erstmals seit Gründung der Währungsunion erhöht die Europäische Zentralbank ihr Grundkapital. Aber was bedeutet der milliardenschwere Schritt? Experten sehen in dem Beschluss der Notenbanker vor allem ein Zeichen der Stärke - und ein klares Signal an die Politik.

Euro-Skulptur vor der EZB-Zentrale: Die Bundesbank hält ein Fünftel des Grundkapitals
dpa

Euro-Skulptur vor der EZB-Zentrale: Die Bundesbank hält ein Fünftel des Grundkapitals


Frankfurt am Main - Es ist eine Reaktion auf die europäische Schuldenkrise und ein Zeichen an den EU-Gipfel: Die Europäische Zentralbank (EZB) will ihr Grundkapital fast verdoppeln. Der Zentralbankrat beschloss, das bisherige Grundkapital um fünf Milliarden Euro auf insgesamt 10,76 Milliarden Euro zu erhöhen. Das teilte die EZB am Donnerstag mit. Hintergrund der Entscheidung seien die Entwicklungen bei Kreditrisiken, Zinsen, Wechselkursen und dem Goldpreis, hieß es.

Über den Schritt der Notenbank war bereits in den vergangenen Tagen spekuliert worden. Die EZB hatte während der Griechenland-Krise im Mai begonnen, in Staatsanleihen von Ländern zu investieren, die in Schwierigkeiten stecken. Im Zuge der Irland-Krise hatte sie erst in den vergangenen Wochen das Volumen noch einmal erhöht. Insgesamt hat die EZB bislang 72 Milliarden Euro in den Kauf öffentlicher Anleihen gesteckt.

"Der Aufkauf von Staatsanleihen hat die Bilanz der EZB ausgeweitet", sagt Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Die Zentralbank hält viele Anlagen, die nicht mehr so wertstabil sind wie vor der Krise." Das erhöhte Grundkapital wirke nun wie ein zusätzlicher Puffer - für den Fall der Fälle, dass die Staatsanleihen in den Büchern der EZB an Wert verlieren. "Das heißt: Die EZB ist auch für weitere Anleihekäufe gut gerüstet", sagt Schäfer. Die Märkte werde das beruhigen.

Keine Auswirkung auf Gewinn der Bundesbank

Die Kapitalerhöhung sei nicht als Zeichen der Schwäche zu werten, sagt auch Manfred Jäger-Ambrozewicz vom Institut der deutschen Wirtschaft: "Das Geschäftsmodell der Zentralbank ist alles andere als instabil, die Währungs- und Goldreserven sind einfach zu groß." Das wüssten auch die Finanzmärkte. Insofern sei nicht davon auszugehen, dass diese durch den Schritt beunruhigt seien.

Jäger-Ambrozewicz sieht in der Maßnahme vor allem ein Signal der EZB an die Politik, dass die geldpolitischen Maßnahmen nicht umsonst zu haben sind: "Die Zentralbank macht mit der Kapitalerhöhung deutlich, dass der Ankauf von Staatsanleihen Geld kostet."

Nach Angaben der EZB soll der Prozess der Grundkapital-Erhöhung in drei Schritten erfolgen und spätestens Ende 2012 abgeschlossen sein. Das zusätzliche Kapital komme von den nationalen Notenbanken der 16 Euro-Länder. Auch weitere europäische Staaten beteiligen sich, die nicht zur Euro-Zone gehören, aber trotzdem an der EZB beteiligt sind - wie etwa Großbritannien, Schweden, Dänemark oder Polen. Der Schritt ist der erste seiner Art seit Gründung der EZB vor zwölf Jahren.

Den Gewinn der Bundesbank wird die Kapitalerhöhung nach Angaben aus Frankfurter Finanzkreisen nicht verringern. Die Zahlung von rund einer Milliarde Euro werde in der Bundesbank-Bilanz ertragsneutral umgesetzt. Die Bundesbank wird den Angaben zufolge künftig über zwei Milliarden Euro am Grundkapital der EZB gezeichnet haben - und damit unverändert wie bisher knapp ein Fünftel des Kapitalstocks.

wal/böl/AFP/dpa-AFX



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Seite 1
zynik 16.12.2010
1. staunen
Zitat von sysopErstmals seit Gründung der Währungsunion erhöht die Europäische Zentralbank ihr Grundkapital.*Aber was bedeutet der milliardenschwere Schritt? Experten sehen in dem Beschluss der Notenbanker vor allem ein Zeichen der Stärke - und ein klares Signal an die Politik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,735115,00.html
Nur so ein Erfahrungswert aus der Krise: Volkswirtschaftlich ist es IMMER klüger genau das Gegenteil von dem zu tun, was "Finanzprofis und Experten" begrüssen. Wer hat diese Vögel eigentlich zu irgendwas legitimiert? Man muss schon staunen wie es um unsere Demokratie bestellt ist, wenn es die EZB ist, die klare Signale an die Politik ausgibt. Man kann nur noch staunen.
Thombor 16.12.2010
2. Übles
---Zitat--- *Finanzprofis begrüßen Geldspritze für EZB* ---Zitatende--- Eigenartig! Geht es eigentlich nur mir so? Ich lese lediglich die Überschrift, und mir ist klar: Das bedeutet Übles für den Normalbürger!
gewgaw 16.12.2010
3. ;)
Zitat von ThomborEigenartig! Geht es eigentlich nur mir so? Ich lese lediglich die Überschrift, und mir ist klar: Das bedeutet Übles für den Normalbürger!
Nein, das bilden Sie sich nur ein. Diesmal ist alles anders.
stanis laus 16.12.2010
4. Zahlenmalerei
"Experten sehen in dem Beschluss der Notenbanker vor allem ein Zeichen der Stärke - und ein klares Signal an die Politik." Na, wenn´s Profis wären, würden sie die Augenwischerei sofort erkennen.
c++ 16.12.2010
5. .
Die Interessen der "Finanzprofis", die uns an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds gebracht haben, und die Interessen der arbeitenden Menschen sind entgegengesetzt. Insofern eine bedenkliche Nachricht.
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