Steueraffäre Hoeneß legt Aufsichtsratsposten bei Allianz-Tochter nieder

Uli Hoeneß tritt von seinem Aufsichtsratsposten bei einer Tochter des Allianz-Konzerns zurück. Der wegen einer Steueraffäre angeklagte Fußballfunktionär wird sein Amt Ende November aufgeben. Es soll sich um seine persönliche Entscheidung handeln.

Bayern-Kontrolleur Hoeneß: Ein Aufsichtsratsposten weniger
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Bayern-Kontrolleur Hoeneß: Ein Aufsichtsratsposten weniger


München - Der Schritt dürfte dazu gedacht sein, Schaden vom Konzern abzuwenden: Uli Hoeneß, Präsident des Fußballclubs Bayern München, legt sein Aufsichtsratsmandat bei einer Allianz-Tochter nieder. Der 61-Jährige werde sein Amt im Gremium der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG zum 30. November aufgeben, sagte ein Konzernsprecher. Es handele sich um eine "persönliche Entscheidung" von Hoeneß.

Er habe das dem Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß, "vor einigen Tagen" mitgeteilt. "Unabhängig davon bedanken wir uns für seine langjährigen Verdienste", sagte der Sprecher. Die 5. Strafkammer des Landgerichts München II hatte am Montag die Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zugelassen.

Sponsoren und die Kollegen von Hoeneß im Aufsichtsrat von Bayern München hatten sich hinter ihn gestellt. Hoeneß sollte Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München bleiben, auch wenn er sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten muss. Am Mittwoch wurde allerdings bekannt, dass ein vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebenes Gutachten offenbar zu dem Schluss kommt, dass Hoeneß seinen Posten im Falle einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung abgeben müsste.

Die von dem Gesellschaftsrechtler Gerd Krieger und dem Strafverteidiger Sven Thomas erstellte Expertise komme zu dem Schluss, dass Bayern-Präsident Hoeneß in einer solchen Situation nicht mehr Aufsichtsratschef bleiben könne. In Auftrag gegeben wurde die Stellungnahme der Experten für das Kontrollgremium demnach von Aufsichtsratsvize Herbert Hainer, dem Vorstandsvorsitzenden von Adidas. Der Sportartikelkonzern ist Anteilseigner und Sponsor des FC Bayern.

Hoeneß steht vom kommenden Frühjahr an wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Sein Fall hatte im Bundestagswahlkampf eine Debatte über Steuerbetrug ausgelöst. Das Thema spielt auch in den laufenden Koalitionsverhandlungen von Union und SPD eine Rolle. Im Aufsichtsrat des FC Bayern München sitzen unter anderem Audi-Chef Rupert Stadler, VW-Chef Martin Winterkorn und der künftige Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges.

nck/dpa

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citi2010 06.11.2013
1. KARMA is a boomerang
Das muss leider jetzt auch Herr Hoeness feststellen. Seine angeblichen guten Taten (mit dicker Windel lässt sich gut stinken) scheinen wohl nicht aufzuwiegen, was er alles so verbrochen hat. Viele reden von Hetzjagd jetzt. Aber der Oberhetzer und Moralist war immer Herr Hoeness selbst. Deshalb kommt das Boomerang des Karma jetzt auf ihn zurück, in genau der selben Form, nämlich Hetze, mit der er Christoph Daum (z.B.) zerstört hat. Hallo Frau Merkel, hallo Herr Gabriel, hallo Herr Friedrich und hallo Frau Nahles: nochmals langsam zum mitschreiben. KARMA IS A BOOMERANG. Ouchhh.
raber 06.11.2013
2. FCB-Sponsoren der gleichen Auffassung und Sorte?
Ist er denn sonst in anderen Aufsichtsräten "ehrenwerter" Kollege? Die Steuererklärungen der Herren Höttges, Stadler und Winterkorn sollten intensiv durchleuchtet werden. Wenn sie der Auffassung sind, dass Steuerhinterziehung völlig in Ordnung ist und einen mit Selbstanzeige vorsätzlichen Wiederholungskriminellen derart unterstützen, dann dürfte in dieser Hinsicht auch ihre Moral und Ethik angezweifelt werden. Vielleicht sind ihre Steuerangelegenheiten löchrig.
schmuggi 06.11.2013
3. Stadelheimer Jailhouse Rock...
Das Präsidium und der Auffsichtsrat, des 1. FC Bayern München, müssen sich um die Anmietung von Räumlichkeiten innerhalb der Haftanstalt München-Stadelheim bemühen. Dann können sie dort ihre Sitzungen abhalten. Für die Sicherheit sorgt der Freistaat...muhahaha Dann ist die ganze Bagage da wo sie hingehört- Es scheint doch noch eine Art Gerechtigkeit zu geben... und sie sollten sich überlegen, ob sie die Vereins-Hymne nicht wechseln wollen. Ich empfehle da den Jailhouse Rock von Elvis Presley....
redwed11 06.11.2013
4.
Na also, es geht doch. Der Anfang ist gemacht und jetzt kann es weitergehen mit dem Aufgeben von Aufsichtsratsposten. War längst überfällig. Welcher Aufsichtsrat möchte schon einen Kriminellen in seinen Reihen haben. Hoeneß, weiter so.
rolantik 06.11.2013
5. Schaden abwenden?
Die Argumentation Schaden von der Allianz-Tochter abwenden zu wollen, zeigt die kindliche Auffassung von Herrn Hoeneß. Falls er aber dennoch das Ernst meinen sollte, dann wäre die Konsequenz naheliegend auch seinen AR-Vorsitz bei der Bayern-AG zumindest ruhen lassen, egal, was die Kollegen im AR bislang sagten. Hoeneß hat doch sonst auch Vieles so gemacht, wie ihm es passte. Hier sieht man, wie gespalten eine Persönlichkeit sein kann. Seine Selbstanzeige wurde doch erst lanciert, als er sah, dass das Abkommen mit der Schweiz nicht zustande kam, er hatte das ja öffentlich gesagt (wie blöd, dass einen solch dumme Aussagen schnell einholen können). Es bleibt spannend.
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