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Hoffnung auf Exportschub: Industrie jubelt über schwachen Euro

Die Welt sorgt sich um den kriselnden Euro, die deutsche Industrie sieht vor allem Vorteile. Laut DIHK wird die schwache Währung den Export ankurbeln: Unter dem Strich ergebe sich ein Wachstumsplus von fünf Milliarden Euro, 80.000 Arbeitsplätze würden gesichert.

Chemiewerk (von BASF in Brandenburg): Die Ausfuhren verbilligen sich, doch Öl wird teurer Zur Großansicht
DPA

Chemiewerk (von BASF in Brandenburg): Die Ausfuhren verbilligen sich, doch Öl wird teurer

Berlin - Es klingt paradox: Der Bundestag verabschiedet ein milliardenschweres Rettungspaket für den Euro - doch die deutsche Industrie findet den Absturz der Gemeinschaftswährung nicht so schlimm. Im Gegenteil: Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wird der sinkende Wechselkurs die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland stärken.

Unter dem Strich werde der schwache Euro der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstumsplus von rund fünf Milliarden Euro bringen, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Rheinpfalz am Sonntag". Damit würden etwa 80.000 Arbeitsplätze in der Industrie gesichert.

Zur Begründung sagte Wansleben, dass der Billig-Euro die Exportchancen der deutschen Unternehmen steigere. Ihre Produkte würden auf den internationalen Märkten günstiger und ließen sich so leichter verkaufen. Das gelte vor allem für Autos, aber auch für Produkte der Elektrotechnik und der Chemie, fügte Wansleben hinzu. Dagegen verteuerten sich Waren aus dem Dollarraum.

Allerdings weist der DIHK-Geschäftsführer auch auf Nachteile hin. So müssten die Deutschen mehr für Importe zahlen. Das gelte vor allem für Öl und andere Rohstoffe, so bleibe den Verbrauchern durch die Euro-Schwäche weniger Geld für den Kauf heimischer Produkte. Da Deutschlands Wirtschaft aber vor allem auf dem Export basiert, sieht der DIHK unter dem Strich ein Plus für die Gesamtökonomie.

Die Märkte sind immer noch nervös

Als Grund für den schwachen Euro gilt die hohe Verschuldung in den meisten EU-Staaten. Unter Experten ist aber umstritten, wie schnell die Defizite abgebaut werden sollen. So warnte der Internationale Währungsfonds kürzlich vor einer zu schnellen Senkung der EU-Defizite. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ermahnte vor allem Frankreich und Deutschland, bei einem zu rasanten Vorgehen könnten beide Länder das Wirtschaftswachstum abwürgen.

Auch die US-Regierung erklärte, die hohe Staatsverschuldung stelle nicht die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft dar. US-Finanzminister Timothy Geithner sagte am Samstag in einem Interview der chinesischen Agentur Xinhua: "Einige der Herausforderungen sieht man jetzt in Europa. Aber ich denke, wir sind in einer viel stärkeren Position, diese Herausforderungen zu bewältigen." Die Weltwirtschaft sei mittlerweile deutlich robuster, um dem Druck aus Europa zu widerstehen.

An den Börsen sorgt die europäische Schuldenkrise immer noch für Nervosität. "Der Markt ist schwierig", sagte Derivate-Direktor Randy Frederick vom Schwab Center für Finanzforschung. Die New Yorker Aktienmärkte stoppten am Freitag zwar ihre dreitägige Talfahrt, auf Wochensicht verloren die drei großen Indizes aber mindestens vier Prozent.

wal/apn/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
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1. Aus meiner Erfahrung
frank_lloyd_right 22.05.2010
(wir verkaufen Software online) trifft das tatsächlich zu - warum nicht für andere Branchen. Wir verkaufen, seit der Euro ernsthaft von seinem grauenhaften, jahrelangern Höhenflug runter ist (es lebe Griechenland !) wieder 70 % mehr in die USA, und das macht schon irgendwo was aus...
2. Ach ja, der Titel, der Titel ....... wo war er doch gleich?
unterländer 22.05.2010
Zitat von sysopDie Welt sorgt sich um den kriselnden Euro, die deutsche Industrie sieht vor allem Vorteile. Laut DIHK wird die schwache Währung den Export ankurbeln: Unter dem Strich ergebe sich ein Wachstumsplus von fünf Milliarden Euro, 80.000 Arbeitsplätze würden gesichert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,696324,00.html
Hmmmmm, das kann ja gar nicht stimmen. Erklären uns etliche Forumsteilnehmer immer und immer wieder, dass Deutschland nur wegen der Europäischen Währungsunion seine Exporte los bringt. Und zwar bei den EWU-Partnern. Auf diesen Binnenhandel hat die Schwäche des Euro nun mal keinen Einfluss. Also?
3. Und die nächste Bankenkrise kommt bestimmt
Liberalitärer, 22.05.2010
Der Mensch ist wohl als solcher nicht lernfähig.
4. aw
kdshp 22.05.2010
Zitat von sysopDie Welt sorgt sich um den kriselnden Euro, die deutsche Industrie sieht vor allem Vorteile. Laut DIHK wird die schwache Währung den Export ankurbeln: Unter dem Strich ergebe sich ein Wachstumsplus von fünf Milliarden Euro, 80.000 Arbeitsplätze würden gesichert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,696324,00.html
Hallo, ja dann auch ihr liege gewerkschaften fordert jetzt endlich mal wieder lohnsteigerungen die auch welche sind. Endlich gibt wer aus der arbeitgeberseite zu das es ihnen so richtig gut geht. Gut zu wissen!
5. Luft Exporte
navy, 22.05.2010
Zitat von sysopDie Welt sorgt sich um den kriselnden Euro, die deutsche Industrie sieht vor allem Vorteile. Laut DIHK wird die schwache Währung den Export ankurbeln: Unter dem Strich ergebe sich ein Wachstumsplus von fünf Milliarden Euro, 80.000 Arbeitsplätze würden gesichert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,696324,00.html
Wie Griechenland zeigt, werden die Export Kredite u.a. von der KfW, nicht bezahlt. Was gibt es zu jubeln, wenn die Deutschen zu dumm sind für einen Export. Die liefern Waren, ohne Gegenwert! Es wird einfach nicht gezahlt und da sollte man mal mit 1 Billionen fauler Export Kredite, Auslands Krediten sprechen, wo die Bedienung der Kredite ganz einfach faul ist. Praktisch arbeitet der Deutschen umsonst, für ausl. Luft Nummern der Bezahlung.
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Sind Sie ein guter Euro-Retter?
dpa
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.

Der Euro-Rettungsschirm
Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hilfspaket für den Euro:
Warum muss Europa einen Schutzschirm für den Euro aufspannen?
Ausgangspunkt war die Finanzkrise Griechenlands, welche durch die weltweite Finanzkrise seit 2008 verstärkt wurde. Spekulationen am Finanzmarkt haben die Krise weiter verschärft. Den Märkten gibt der Euro-Schutzschirm jetzt ein klares Signal: Auf die Finanzstabilität des Euro-Raumes ist Verlass. Spekulationen gegen den Euro lohnen sich nicht.
Wie groß ist der Schutzschirm?
Um den Euro umfassend zu stabilisieren, spannt die Europäische Union zusammen mit den Euro-Ländern einen 500 Milliarden-Euro-Schutzschirm. Der Internationale Währungsfonds (IWF) legt mindestens die Hälfte dazu. Der Schutzschirm umfasst also etwa 750 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil beträgt rund 148 Milliarden.
Was müssen die Steuerzahler bezahlen?
Sowohl Griechenland-Hilfe als auch Euro-Schutzschirm sehen keine direkten Zahlungen aus den Staatskassen, also Steuergelder, vor. Es handelt sich um staatliche Bürgschaften für Kredite, die mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen.
Was bedeutet hier eine Bürgschaft?
Eine Bürgschaft ist nichts Ungewöhnliches. Ein Bürge sagt zu, die Verpflichtungen eines Schuldners gegenüber einem Gläubiger, also einem Kreditgeber, zu übernehmen. Aber nur dann, wenn der Schuldner nicht selbst zahlen kann.
Warum soll Deutschland anderen Euro-Ländern helfen?
Würde es zu einem Zahlungsausfall Griechenlands kommen, wäre nach übereinstimmender Einschätzung von Europäischer Zentralbank und Europäischer Kommission die Finanzstabilität der Euro-Zone insgesamt in Gefahr. Das wäre erst recht der Fall, wenn einem weiteren Euro-Land die Zahlungsunfähigkeit drohen würde.
Wie funktioniert der Euro-Schutzschirm?
Die Finanzhilfen sind als Ultima Ratio, also als letztes Mittel, vorgesehen. Voraussetzung dafür ist: Der betroffene Mitgliedstaat ist durch außergewöhnliche Ereignisse, die sich seiner Kontrolle entziehen, von wirklich ernsten Schwierigkeiten bedroht.

Außerdem muss der betroffene Mitgliedstaat auch beim Euro-Schutzschirm mit dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Kommission ein strenges wirtschafts- und finanzpolitisches Programm vereinbaren unter Mitwirkung der Europäischen Zentralbank.

Müssen wir jetzt eine starke Inflation, also eine Geldentwertung, fürchten?
Nein, die Gefahr einer massiven Geldentwertung aufgrund der Stützungsmaßnahmen für den Euro besteht laut Bundesregierung nicht. Fachleute sagen dem Euroraum für 2010 eine durchschnittliche Teuerungsrate von 1,5 Prozent voraus mit leicht steigender Tendenz.
Wie will Bundesregierung die Banken an den Kosten der Krise beteiligen?
Über eine Bankenabgabe hinaus sollten die Finanzmärkte auch insgesamt zur Bewältigung von Krisenkosten herangezogen werden. Steuern sind dazu grundsätzlich gut geeignet. Die Bundesregierung wird sich auf europäischer und globaler Ebene für eine weitere Beteiligung der Finanzmärkte einsetzen, das heißt für eine Finanztransaktionssteuer oder eine Finanzaktivitätensteuer.

Wichtig ist eine internationale Einigung, die die Bundesregierung für den G-20-Gipfel im Juni, spätestens für den Gipfel im November anstrebt. Wenn das nicht gelingt, ist innerhalb Europas weiter der Weg zu suchen.



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