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Hoffnung auf Krisenende: Ökonomen erwarten Wachstumsschub im Herbst

Die Zahl der Konjunktur-Optimisten nimmt rasant zu. Erst hoben mehrere Banken ihre Wachstumsprognosen an, jetzt zieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nach: Die Ökonomen sagen ein merkliches Plus voraus - schon im dritten Quartal. Kanzlerin Angela Merkel ruft das Ende der Talfahrt aus.

Stahlarbeiter (bei ThyssenKrupp): Für das Gesamtjahr bleibt immer noch ein dickes Minus Zur Großansicht
dpa

Stahlarbeiter (bei ThyssenKrupp): Für das Gesamtjahr bleibt immer noch ein dickes Minus

Berlin - Ist dies schon das erhoffte Ende der Wirtschaftskrise? Zumindest mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet schon für das dritte Quartal ein beschleunigtes Wachstum.

"Die deutsche Wirtschaft wird im dritten Quartal um voraussichtlich 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal wachsen", schreibt das DIW in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. "Damit setzt sich zunächst der Aufholprozess leicht beschleunigt fort." Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen.

Mit dem Mini-Wachstum im zweiten Quartal ist die Rezession offiziell bereits vorbei. Die entscheidende Frage ist nun jedoch, ob ein echter Aufschwung einsetzt - oder ob die Wirtschaft monatelang im Tief verharrt. Mit seiner neuen Prognose bezieht das DIW klar Stellung: Nach Ansicht der Experten wird das Bruttoinlandsprodukt wieder schneller wachsen - ein durchaus optimistisches Signal.

In den vergangenen Tagen hatten auch andere Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen angehoben, ebenso wie mehrere Banken. Auch die realen Wirtschaftsdaten deuten eine mögliche Trendwende an. So sind Exporte und Industrieproduktion zuletzt wieder gestiegen - zwar noch nicht im Vorjahresvergleich, dafür aber im Vergleich zum Vormonat.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, die wirtschaftliche Talfahrt in Deutschland sei voraussichtlich gestoppt. Bei einem Treffen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund und dessen Einzelgewerkschaften am Freitag in Berlin räumte die Regierungschefin gleichwohl ein, für das Gesamtjahr 2009 sei ein Wachstumseinbruch von fünf oder sechs Prozent zu erwarten. "Die Krise ist auf dem Niveau der Talsohle nicht vorbei."

Ökonomen rechnen für das Gesamtjahr ebenfalls mit einem deutlichen Minus - allein deshalb, weil die Wirtschaft im ersten Quartal massiv eingebrochen war. Allerdings könnte der Rückgang weniger dramatisch ausfallen, als zunächst befürchtet. "Bestätigt sich die Entwicklung, so wäre für 2009 insgesamt eine Schrumpfung von weniger als fünf Prozent möglich", schreibt das DIW. Zuvor hatten Experten einen Absturz um bis zu sieben Prozent für möglich gehalten.

"Noch kein Befreiungsschlag"

Allzu viel Optimismus wollen die DIW-Forscher aber auch nicht verbreiten. "Trotz der Aufwärtsentwicklung ist es für eine generelle Entwarnung noch zu früh", sagte Konjunkturexperte Stefan Kooths. "Die zuvor rabenschwarzen Erwartungswerte haben sich nunmehr zwar etwas aufgehellt, Tageslicht sieht aber anders aus. Und dass die Unternehmen mit keiner weiteren Verschlechterung mehr rechnen, ist angesichts der erreichten Tiefststände noch kein Befreiungsschlag."

Immerhin: Positive Nachrichten kommen auch vom Kreditmarkt. So haben die Klagen von Unternehmen über hohe Kredithürden im August etwas abgenommen, teilte das Münchner Ifo-Institut am Freitag mit. Von 4000 befragten Firmen stuften 44,2 Prozent der Betriebe die Kreditvergabe der Banken als restriktiv ein. Im Juli waren es noch 45,1 Prozent.

Für Entwarnung ist es aber noch zu früh. Denn die eigentliche Kreditklemme könnte mit der Erholung der Wirtschaft erst noch bevorstehen, warnen Experten. "Wenn der Aufschwung kommt, sind wieder mehr Kredite gefragt", sagte Ifo-Fachmann Gernot Nerb.

Insgesamt ist die Angst vor einer Kreditklemme immer noch hoch. In wirtschaftlich stabilen Zeiten klagen nur rund 20 Prozent der Firmen über eine restriktive Vergabe.

wal/dpa-AFX/AP

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Forum - Geht es jetzt wieder aufwärts?
insgesamt 1577 Beiträge
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1. tja
lalito 13.08.2009
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wär schön, käme es nicht so schlimm wie befürchtet! Mal sehen wie es nach der Wahl wird, wenn die Zeche für die "systemrelevante" Rettung bei jedem einzelnen Individuum des Systems eingefordert wird.
2.
Crom 13.08.2009
Der Arbeitsmarkt wird nicht so schnell nachziehen, aber eine Rezession ist auch eine Chance. Die Unternehmen rationalisieren und werden dadurch wieder profitabel, was Ausgangspunkt für neues Wachstum darstellt.
3. Huch! Kurz vor den Wahlen häufen sich die guten Nachrichten...
sinnsucher, 13.08.2009
...ein Schelm, wer böses dabei denkt... wenn ich mir auch bei sonst nicht vielem mehr sicher bin, eins weiß ich genau: ich möchte nicht, dass alles einfach weiter geht wie VOR der Krise.
4. Der Spiegel
tmayer, 13.08.2009
hat sich hier wohl ein gewaltiges Eigentor geschossen mit seiner ständigen Schwarzmalerei. Düstere Aussichten und ewige Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise von vor 80 Jahren. Jetzt muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man mit dieser Negativpolemik nicht gewaltig übertrieben hat und ob der Spiegel nicht an Glaubwürdigkeit verloren hat.
5.
I'm a Substitute 13.08.2009
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Meinen Sie diese Frage wirklich ernst? Als Mitarbeiter des Online-Portals eines großen Nachrichtenmagazins, das doch nun wirklich jahrzehntelang deutsche Politik und Wirtschaftsgeschichte begleitet und (zeitweilig sogar kritisch!) unter die Lupe genommen hat, ist Ihnen doch klar, daß ein "numerisches Wachstum" von vielleicht 2% (Containerumschlag im Hamburger Hafen) KEINEN Effekt auf den Arbeitsmarkt besitzt.
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