Hohe Vergütungen: Top-Manager rät Kollegen zu weniger Gehalt

Die Rekordgehälter für Konzernbosse schrecken selbst Manager auf. In einem Brief an seine Dax-Kollegen rät Commerzbank-Aufsichtsratschef Müller laut "Handelsblatt" zu Obergrenzen für Vorstandsbezüge. Nicht aus Bescheidenheit, sondern aus Angst vor staatlichem Zwang.

Top-Verdiener Zetsche, Piëch und Winterkorn (v.l.n.r.): Sorge vor Eingriff der Politik Zur Großansicht
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Top-Verdiener Zetsche, Piëch und Winterkorn (v.l.n.r.): Sorge vor Eingriff der Politik

Frankfurt am Main - Für deutsche Konzernchefs läuft es ziemlich gut. Die Konjunktur zieht an, die Firmen machen ordentliche Geschäfte - und die Gehälter der Bosse steigen auf Rekordhöhen. Die Millionen-Vergütungen sorgen allerdings auch für Kritik. Die Diskussionen haben nun Top-Manager auf den Plan gerufen. Laut "Handelsblatt" empfehlen zwei führende Mitglieder der "Kommission für gute Unternehmensführung" in einem vertraulichen Brief an die Aufsichtsratschefs aller 30 Dax-Konzerne Obergrenzen für die Vorstandsbezahlung.

"Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen", zitiert die Zeitung aus dem Brief von Commerzbank Chart zeigen-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller und dem ehemaligen Daimler Chart zeigen-Finanzchef Manfred Gentz. "Wir regen an, zu überlegen, dass in die Vergütungssysteme der Vorstände selbst Obergrenzen integriert oder in anderer Weise sogenannte Caps in die Vorstandsverträge aufgenommen werden, wobei Höhe und Angemessenheit natürlich im Ermessen der Aufsichtsräte liegen müssen."

Den beiden Managern geht es aber offenbar weniger um Bescheidenheit, sondern mehr darum, gesetzliche Beschränkungen zu verhindern. "Mit Sorge erfüllt uns, dass schon wieder Stimmen - auch im politischen Lager - laut werden, die Regelungen im Codex oder gar durch Gesetz verlangen", heißt es in dem Schreiben.

Gebe es keine Selbstbeschränkung, sei zu befürchten, "dass ansonsten Politiker schon aus populistischem Impuls an gesetzgeberische Maßnahmen denken", heißt es in dem Schreiben. Zugleich betonen Müller und Gentz, sie verstünden sich "weder als Instrument der Politik", noch handelten sie "in vorauseilendem Gehorsam".

Der Brief ging laut "Handelsblatt" unter anderem an die Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme (Siemens Chart zeigen, ThyssenKrupp Chart zeigen), Ferdinand Piëch (Volkswagen Chart zeigen, MAN Chart zeigen), Simone Bagel-Trah (Henkel Chart zeigen) und Manfred Schneider (Bayer Chart zeigen, Linde Chart zeigen, RWE Chart zeigen).

Der Zeitung zufolge steht zumindest Schneider dem Vorschlag offen gegenüber. "Mir geht es darum, zu verhindern, dass wir schon wieder Regeln von der Politik vorgesetzt bekommen", sagte er. "Das sollten wir selbst lösen."

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Managergehälter: Das verdienen die Chefs der Dax-Konzerne
Vor allem das Gehalt von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte zuletzt für Diskussionen gesorgt. Der Automanager bekam 2011 rund 16,6 Millionen Euro. IG-Metall-Chef Berthold Huber sprach sich daraufhin für eine Gehaltsbegrenzung aus - die Gewerkschafter hatten das hohe Gehalt für Winterkorn allerdings im Aufsichtsrat mit abgesegnet.

Die Top-Manager denken bei ihren Bezügen vor allem auch an das Rentenalter und sorgen ordentlich vor. Nach Berechnungen des SPIEGEL haben allein die 30 Dax-Konzerne 637 Millionen Euro für ihre Manager zurückgestellt.

Spitzenreiter ist Daimler-Chef Zetsche. Der Wert seiner bislang zugesagten Pensionsanwartschaften liegt bei 29,6 Millionen Euro. Dahinter folgen VW-Boss Martin Winterkorn mit 19,7 Millionen Euro, Deutsche Bank Chart zeigen-Chef Josef Ackermann mit 18,8 Millionen Euro, Siemens-Chef Peter Löscher mit 12,8 Millionen Euro und E.on-Chef Johannes Teyssen mit 11,7 Millionen Euro.

Die Top-Manager haben sich zudem Sonderkonditionen gesichert, die für gewöhnliche Beschäftigte nicht gelten. So können zahlreiche Dax-Vorstände ihre üppigen Renten bereits im Alter von 60 Jahren beziehen, ohne dafür einen Abschlag hinnehmen zu müssen. Nach SPIEGEL-Informationen fordern renommierte Wirtschaftswissenschaftler und Gehaltsexperten nun, dass hochbezahlte Dax-Vorstände ihre Altersvorsorge aus den laufenden Gehältern finanzieren.

mmq/Reuters/dpa

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1. Ich
Schweijk 23.04.2012
Zitat von sysopDie Rekordgehälter für Konzernbosse schrecken selbst Manager auf. In einem Brief an seine Dax-Kollegen rät Commerzbank-Aufsichtsratschef Müller laut "Handelsblatt" zu Obergrenzen für Vorstandsbezüge. Nicht aus Bescheidenheit, sondern aus Angst vor staatlichem Zwang. Hohe Vergütungen: Top-Manager rät Kollegen zu weniger Gehalt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,829108,00.html)
Frag mich wozu einer 26 mille im Jahr braucht. 1ne wären schon mehr als genug. Aber das neue Motto in der BRD scheint zu sein Gier ist Geil. Ich kann mich an das Motto der Investmentbanker im Jahr 2000 erinnern. Deren Leitspruch war und ist es wohl immer noch, Gier ist Gut, stand ernsthaft als Statement einer dieser Vögel in der Börse Online. Wundert mich nicht das alles imo so läuft wie es läuft. Und unsere Politclowns und überkonzernlenker scheinen den Spruch inhaliert zu haben. Ich sehe ernsthaft keinen Grund für dies Abzockerparty meinen Rücken krumm zu machen. Wers dennoch tut hat mein Mitleid.
2. In jedem anderen Unternehmen..
Zynisch_Kontrovers 23.04.2012
In jedem anderen kleinen bis mittelständischen Unternehmen bezieht der Geschäftsführer bzw. Inhaber (je nach Rechtsform die gleiche Person) alles, was nach Abgaben, Gehältern, sonstigen Kosten und ggf. Rückstellungen als Eigengewinn. Da ist das vollkommen ok, aber bei Managern von Großkonzernen nicht? Ganz abgesehen davon, dass die Bezüge weit weniger als der Überschuss nach den o.g. Kosten darstellt....Das Prinzip ist doch das gleiche, nur dass eben der Großkonzern mehr Jahresumsatz macht, als der kleine Handwerksbetrieb.... Natürlich ist eine Deckelung begrüßenswert, aber wieder mit dem Argument zu kommen, es MUSS so sein, weil das ja SO VIEL Geld ist, was da verdient wird ist finde ich nicht gerechtfertigt!!!
3. krumm
lezel 23.04.2012
Zitat von SchweijkIch sehe ernsthaft keinen Grund für dies Abzockerparty meinen Rücken krumm zu machen. Wers dennoch tut hat mein Mitleid.
Das sehen Sie sehr vernünftig. Die meisten Leute, die ich kenne, sehen das ähnlich. Sie arbeiten, um selbst gutes Geld zu verdienen. Ich kenne eigentlich überhaupt niemanden, des mit dem Ziel arbeitet, seinen Rücken zu krümmen, um damit einer Abzockerparty Vorteile zu verschaffen. Sondern die Leute verrichten zum eigenen Vorteil solche Arbeiten, für die sie selbst gut bezahlt werden. Das klappt auch ganz gut. Und da viele Leute so denken und manche Leute das Ganze gut organisieren, machen Unternehmen Gewinn.
4.
synoptiker 23.04.2012
Einer dieser Hengste hat neulich vorgeschlagen, das Gehalt der Bundeskanzlerin ebenfalls drastisch zu erhöhen. Wenn das kommt, dann wird wohl allen klar, was hier gespielt wird.
5. "26 mille" ...
sappelkopp 23.04.2012
Zitat von SchweijkFrag mich wozu einer 26 mille im Jahr braucht. 1ne wären schon mehr als genug. Aber das neue Motto in der BRD scheint zu sein Gier ist Geil. Ich kann mich an das Motto .....
...sind landauflandab 26.000, was Sie meinen sind 26 Millionen.
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