Hohe Spritpreise Deutsche Bahn verdoppelt Gewinn im Fernverkehr

Angesichts von Höchstpreisen an der Zapfsäule steigen offenbar immer mehr Deutsche auf die Bahn um. Im vergangenen Jahr verdoppelte der Konzern seinen Gewinn im Fernverkehr. Auch 2013 werden Rekorde angepeilt - trotz des Milliardengrabs Stuttgart 21.

ICE-Passagiere in Hamburg: Die Züge sind besser ausgelastet
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ICE-Passagiere in Hamburg: Die Züge sind besser ausgelastet


Berlin - Tanken war 2012 so teuer wie nie zuvor. Autofahrer ärgern die hohen Preise, der Deutschen Bahn aber haben sie nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters den höchsten Gewinn ihrer Geschichte eingebracht. Der Konzern verbuchte demnach 2012 ein Betriebsergebnis von 2,7 Milliarden Euro und damit rund 400 Millionen mehr als 2011. Offiziell werden die Zahlen erst in der kommenden Woche vorgestellt, ein Bahn-Sprecher wollte sie weder bestätigen noch dementieren.

Die Zahl der Passagiere im Fernverkehr stieg um fünf Prozent, der Gewinn in dieser Sparte sogar um mehr als das Doppelte auf 364 Millionen Euro. Die Bahnreisenden wurden offenbar auch nicht von den Ticket-Preisen abgeschreckt, die 2011 um knapp vier Prozent erhöht wurden.

Da den besser ausgelasteten Zügen kaum zusätzliche Kosten gegenüberstanden, schlug sich das Passagierwachstum voll im Gewinn nieder. Seit Jahren hat die Bahn fast keine neuen Fernzüge gekauft, zum Teil wegen Lieferschwierigkeiten der Industrie. Dadurch wurde das Ergebnis-Plus auch nicht durch Abschreibungen gebremst.

Noch höher war der Gewinn beim Schienennetz, das der Staat jährlich mit 2,5 Milliarden Euro subventioniert. Mit fast 900 Millionen Euro war das Netz erstmals in der Bahn-Geschichte größter Gewinnlieferant. Die Einnahmen stammen aus den Gebühren zur Nutzung des Netzes, unter anderem von Konkurrenten.

Schlechter lief es im Güterverkehr, der unter der abflauenden Konjunktur litt. Hier blieben die Erlöse sogar unter dem Vorjahreswert. Zumindest in Deutschland konnte die Güterbahn wieder einen kleinen Gewinn einfahren, der vor allem auf ein radikales Sparprogramm zurückzuführen ist. Die internationale Logistik (Flugzeug, Schiff, Lkw) blieb dagegen mit einem Gewinn von 400 Millionen Euro hinter unter den Erwartungen zurück.

Trotz der Milliardenkosten für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 soll die Rekordjagd weitergehen. In diesem Jahr peilt die Bahn einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2,9 Milliarden Euro an. Bis 2017 soll er auf vier Milliarden Euro anwachsen.

dab/Reuters

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Velociped 13.03.2013
1. Die Bahn finanziert den Bundeshaushalt
Warum sollte das Netz einen Überschuss erzielen. Hier werkelt ein Staatsbetrieb als Monopolist, vernachlässigt seine Strecken, kassiert Mitbewerber gezielt ab und verteuert damit Bahnverkehr unverhältnismässig. Das Netz sollte eine schwarze Null schreiben. Das Ziel des Netzes sollte eine gute Qualität des Schienennetz sein. Stattdessen wird über Jahrzehnte an der Instandhaltung gespart, damit ein immer weiter wachsender Gewinn ausgewiesen werden kann. Damit zahlt die Bahn nicht nur jede Menge Steuern, muss ihre Infrastruktur aber selber bezahlen und finanziert mit den Preiserhöhungen und daraus folgendem Gewinn auch noch den Bundeshaushalt. Doch der #Aufschrei bleibt aus.
nuderider 13.03.2013
2. was bedeutet AG?
die zu 100% dem bund gehört - richtig, nicht dem allgemeinwohl verpflichtet. sie haben vergessen, daß der profit auch aus dem verkaufen der bahn liegenschaften kommt. damit läßt sich ein paar jahre lang auch hübsch die bilanz polieren. es ist doch ein alter hut, daß die bahn elektrisch noch fahren wird, wenn das letzte öl verbrannt sein wird - gerade deshalb ist ja die privatisierung in db ag so schlimm, da die politik einen wichtigen steuerungsposten aufgegeben hat - oder hat die politik etwa nichts zu sagen? stellt euch vor die bahn würde nur 1/3 kosten! dann würde das auto inflationiert werden und etliche dieses nicht mehr erneuern - soweit darf es aber nicht kommen, dagegen helfen die ständigen preiserhöhungen!
j1958 13.03.2013
3. Besser so
als ein Verlustbetrieb wie in vielen anderen Ländern. Solange das Geld in den Bundeshaushalt geht, geht ja nichts verloren. Die Bahn gibt allerdings zuwenig für die Instandhaltung des Netzes aus, hier müßte mehr getan werden. Ob allerdings ein neues (privates?) Unternehmen da anders handeln würde bezweifle ich.
mitchomitch 13.03.2013
4.
Es ist mir völlig unverständlich, dass von Bahnseite derart hohe Gewinne angepeilt werden. Die Aufrechterhaltung des Schienenverkehrs ist Ausfluss der Daseinsvorsorge und damit Staatspflicht. Dazu gehört m.E. auch, dass den Bürgerinnen und Bürgern faire Preise angeboten werden, die nicht auf Gewinnerzielung abzielen, sondern auf Kostendeckung. Daher sollte der Staat als Eigentümer dringend dafür Sorge tragen, dass diesem Treiben Einhalt geboten wird.
Robert_Rostock 13.03.2013
5.
Zitat von j1958als ein Verlustbetrieb wie in vielen anderen Ländern. Solange das Geld in den Bundeshaushalt geht, geht ja nichts verloren. Die Bahn gibt allerdings zuwenig für die Instandhaltung des Netzes aus, hier müßte mehr getan werden. Ob allerdings ein neues (privates?) Unternehmen da anders handeln würde bezweifle ich.
Eben. Darum muss das Netz aus dem DB-Konzern herausgelöst und in eine staatliche, nicht gewinnorientierte Institution überführt werden. Ähnlich wie Network Rail in Großbritannien, Banedanmark, Banverket in Schweden usw. Es ist einfach ein Unding, dass DB Netz zum größten Gewinnlieferanten der DB AG wird. Und gleichzeitig z.B. in Berlin regelmäßig S-Bahnen wegen Signal- oder Weichenstörungen ausfallen.
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