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Hoher Quartalsverlust: GM droht Opel mit Werksschließung

Der US-Autohersteller General Motors verliert die Geduld mit seiner deutschen Tochter Opel. Um die Verluste zu verringern, verlangen die Amerikaner von den Gewerkschaften tiefe Einschnitte, schreibt das "Wall Street Journal". Das Werk in Bochum könnte geschlossen werden.

Opel-Zentrale in Rüsselsheim: US-Mutter könnte Produktion nach Südkorea verlagern Zur Großansicht
DPA

Opel-Zentrale in Rüsselsheim: US-Mutter könnte Produktion nach Südkorea verlagern

Hamburg - Das Europageschäft des US-Autoherstellers General Motors (GM) mit den Marken Opel und Vauxhall läuft weiterhin schlecht - die Zahlen für das letzte Quartal 2011 könnten desaströs ausfallen. Einem Bericht des "Wall Street Journals" (WSJ) zufolge verliert GM die Geduld mit seinen Tochterfirmen: "Wenn Opel gerettet wird, dann jetzt und die Einschnitte werden tief sein", zitiert das "WSJ" einen GM-Vertreter.

Der Zeitung zufolge ist die GM-Führung dabei, einen Plan für sein Europageschäft auszuarbeiten, der mehr Werksschließungen und Stellenstreichungen vorsieht. Demnach könnten Teile der Produktion von Deutschland nach Südkorea verlagert werden. Die Werke in Bochum mit mehr als 3000 Arbeitern und im englischen Ellesmere Port mit mehr als 2000 Beschäftigten könnten demnach geschlossen werden.

Gewerkschaften kündigen Widerstand an

Seit langem versucht GM, mit den Gewerkschaften über weitere Einsparungen bei Opel zu verhandeln, bisher erfolglos. Zwar hat der US-Konzern Medienangaben zufolge im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn der Firmengeschichte erzielt, nach Verlusten im Europageschäft in Höhe von 580 Millionen Dollar allein in den ersten drei Quartalen 2011 scheint das US-Management aber jetzt entschlossen, mit Opel die Wende zu schaffen. Weil der Absatz in Europa weiterhin schwach ist, sollen vor allem die Produktionskosten sinken - durch Einschnitte beim Material und den Beschäftigten.

Die Gewerkschaften in Deutschland dürften den GM-Plänen nicht kampflos zustimmen. Der neue Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte schon kurz nach seiner Wahl im Januar harte Verhandlungen angekündigt und einen Lohnverzicht der Beschäftigten abgelehnt. Die verschobene Tariferhöhung um 2,7 Prozent wollte er im Februar wie geplant umsetzen, weil die Beschäftigten bereits einen beachtenswerten Sanierungsbeitrag geleistet hätten.

Bis Ende Januar hatte Schäfer-Klug mit einem neuen Unternehmensplan gerechnet, der mit dem Betriebsrat allerdings noch besprochen werden müsste. Der Betriebsratschef besteht auf den Standortsicherungsvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis 2014 ausschließt. Einzelheiten zu den Sparvorgaben werden am 16. Februar erwartet, wenn GM die Zahlen für das 4. Quartal 2011 vorlegen wird.

nck

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1. . Raum für eigene Notizen
Casparcash 08.02.2012
"....durch Einschnitte beim Material und den Beschäftigten." Heißt übersetzt: Die Rostlauben halten in Zukunft nicht mehr lange. Hatten wir doch bei Opel schon einmal. Lopez fällt mir spontan ein...
2. .:
berpoc 08.02.2012
Zitat von sysopDer US-Autohersteller General Motors verliert offenbar die Geduld mit seiner deutschen Tochter Opel. Um die Verluste zu verringern, verlangen die Amerikaner von den Gewerkschaften tiefe Einschnitte, schreibt das "Wall Street Journal". Auch das Werk in Bochum könnte jetzt geschlossen werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,813964,00.html
Der technische Fortschritt wird immer mehr Menschen freisetzen. Eigentlich ein alter Menschheitstraum. Leider wurde versäumt über die gesellschaftspolitischen Folgen nachzudenken und Lösungen zu finden und zu kommunizieren. Die Eliten, deren Aufgabe genau das gewesen wäre, haben sich jedoch lieber mit weiterer maßloser Reichtumsanhäufung beschäftigt. Flankiert von den lobbyhörigen Politikern, die Land und Leute für ihren Pfründeerhalt verrieten.
3.
Kamillo 08.02.2012
Einsparungen beim Material. Das heißt doch, GM hat nichts begriffen. Denn das bedeutet Qualitätsverlust. Opel ist qualitätsmäßig mit den aktuellen Fahrzeugen endlich etwa da wo auch der deutsche Mitbewerb, vor allem VW, ist. Wenn Opel nun die Qualität verschlechtern müsste, würde das auch wieder weniger verkaufte Autos bedeuten. Opel braucht IMHO einfach mehr Zeit, und (noch) mehr Geld für Marketing. Ich denke aber, Opel soll nicht einfach mehr Geld in Werbespots ballern, sondern Opel soll z.B. seine Autos zusammen mit kompetenten Beratern in Einkaufszentren stellen. Je ein Auto pro Modell zum angucken, je eines für eine Proberunde unten auf dem Parkplatz. Jedeo Woche dann in einem anderen Einkauftszentrum. Und mehrere solche Teams gleichzeitig in verschiedenen Einkaufszentren. Vor allem Samstags.
4. Welcher Verlust?
hellsguenni 08.02.2012
Zur Info: In 2011 war der Buick Excel (aktueller Opel Astra) das meistverkaufte Auto in China (254.000 Stück). Dummerweise wurde der Gewinn aus diesen Verkäufen nicht Opel sondern GM gutgeschrieben. Anders ausgedrückt: ohne Opel hätte GM niemals den Gewinn in China einfahren können. Wäre der Gewinn Opel gutgeschrieben worden, hätte nicht Opel sondern GM den Verlust gemacht. Dadurch hat Opel ganz maßgeblich zu den 8 Milliarden Gewinn von GM in 2011 beigetragen - dafür bekommen wir nun wieder einen Tritt in den Allerwertesten - na ja, mal schauen, was sich unsere Freunde über dem großen Teich noch so ausdenken werden...
5. Bochum
mauimeyer 08.02.2012
Zitat von sysopDer US-Autohersteller General Motors verliert offenbar die Geduld mit seiner deutschen Tochter Opel. Um die Verluste zu verringern, verlangen die Amerikaner von den Gewerkschaften tiefe Einschnitte, schreibt das "Wall Street Journal". Auch das Werk in Bochum könnte jetzt geschlossen werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,813964,00.html
...ist ja schon lange auf der Liste. Wahrscheinlich wurde dort über Jahre nicht investiert. Klar - wenn keine Kunden da sind, ist eine Anpassung unumgänglich. Aber Opel ist ein Lehrstück dafür, wie aus einer einst "blühenden" Firma langsam einen Sanierungsfall macht. Die Autos waren früher nie aufregend aber stock-zuverlässig. Dieses Merkmal hat Opel mit Beginn der 80er Jahre konsequent unter ständig wechselnden amerikanischen Chefs abgebaut. Aus "Rekord" wurde "Omega" und, und, und. Alles nur Oberfläche, Quartalsdenken und nackte Marktbeschränkung. Opel durfte nicht auf die lukrativen Märkte um Chevrolet und Buik zu schonen. Jetzt dümpeln sie auf der dümpelnden Plattform Europa. Dieser Markt ist zu klein. Hyundai mit reisenstückzahlen ersetzt die Position von Opel: Preiswerte und zuverlässige Autos. Nur haben eben die Koreaner den weltmarkt und nicht nur Europa. Was sie in Europa haben, ist ein Engeneering-Center und wo steht das ? In Rüsselsheim! Da können dann die jungen aufstrebenden Opel-Ingenieure gleich anheuern. Das letzte Asset von Opel...., denn der ingenieurtechnische Verstand von GM liegt in Deutschland. Die Patente in USA. Geistige Ausbeutung, wie nach dem Krieg bei der Ausplünderung des Reichspatentamtes. Opel hätte allein eine Chance gehabt. Kauri
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Um diese Standorte geht es: GM-Werke in Europa
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Um diese Standorte geht es: GM-Werke in Europa


Opel-Standorte
Eisenach
Das jüngste Opel-Werk wurde 1992 im westlichen Thüringen eröffnet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem kleinen Corsa. Insgesamt bietet der Autobauer in Eisenach rund 1800 Menschen Arbeit.
Rüsselsheim
Das Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist das Herz der Adam Opel GmbH. Rund 750 Millionen Euro wurden 2002 in seine Modernisierung investiert. Die Beschäftigtenzahl liegt aktuell bei rund 15.500, davon sind etwa 5500 Mitarbeiter im internationalen Entwicklungszentrum angesiedelt, der Denkfabrik des Autobauers.

In Rüsselsheim läuft derzeit der Mittelklassewagen Insignia in den drei Versionen Limousine, Fließheck und Kombi vom Band. Im Durchschnitt werden täglich 720 Einheiten des neuen Zugpferds der Marke mit dem Blitz produziert. In der Anlaufphase befindet sich außerdem die Produktion des Insignia Sports Tour, von dem in Kürze pro Tag mehr als 80 Fahrzeuge in Rüsselsheim gebaut werden sollen.
Bochum
Das 1962 eröffnete Werk, einst Produktionsstätte des Opel Kadett, baut den Astra und den Kompakt-Van Zafira. Außerdem werden in Bochum Achsen und Getriebe hergestellt. Insgesamt arbeiten an diesem Standort etwa 5300 Menschen. Pro Jahr laufen etwa 240.000 Autos vom Band.
Kaiserslautern
In der Westpfalz stellt Opel Fahrzeugkomponenten für Karosserie, Chassis und Innenraum her. Die Powertrain GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Opel und Fiat, produziert dort Motoren. Der Standort spielt eine wichtige Rolle im weltweiten Fertigungsverbund von GM. Insgesamt sind dort 2360 Mitarbeiter im Komponentenwerk beschäftigt. Weitere 1130 Menschen fertigen Motoren an.
Europa
Opel-Autos werden außerdem in folgenden europäischen Werken produziert: Antwerpen/Belgien (Astra), Gleiwitz/Polen (Agila, Astra Classic, Zafira), Ellesmere Port/England (Astra), Luton/England (Vivaro) und Zaragoza/Spanien (Corsa, Meriva, Combo).

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