Verfahren vor Arbeitsgericht: Modekette Hollister schränkt Mitarbeiterkontrolle ein

Die Taschen von Mitarbeitern der Modemarke Hollister werden bis auf weiteres nur noch stichprobenartig kontrolliert. Darauf einigte sich der bisher einzige Hollister-Betriebsrat in Deutschland mit den Arbeitgebern - das Hessische Landesarbeitsgericht stellt das Verfahren deshalb ein.

Hollister-Werbung: Ganzjährig Flip-Flops und Kontrolle Zur Großansicht
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Hollister-Werbung: Ganzjährig Flip-Flops und Kontrolle

Frankfurt - Sie mussten auch im Winter Flip-Flops tragen, um das Surfer-Image der Marke zu pflegen. Sie wurden bis ins Lager von Kameras verfolgt, und sie mussten Taschendurchsuchungen und Leibesvisitationen über sich ergehen lassen. Deshalb zogen die Mitarbeiter am Standort Frankfurt der hippen Modemarke Hollister vor das hessische Landgericht. Bevor es zum Urteil kam, lenkte die Modekette, die zum US-Konzern Abercrombie & Fitch gehört, aber ein.

Taschen der Mitarbeiter in der Frankfurter Hollister-Filiale werden demnach vorerst nur stichprobenartig kontrolliert. Der bisher einzige Hollister-Betriebsrat in Deutschland hat sich mit den Arbeitgebern auf eine vorläufige Regelung der umstrittenen Überprüfungen geeinigt. Bis zum Abschluss einer endgültigen Betriebsvereinbarung werden Taschen nach einem "Würfelprinzip" kontrolliert: Wer eine Vier würfelt, wird überprüft. Das Hessische Landesarbeitsgericht stellte daher das Verfahren über Arbeitsbedingungen bei der Modekette am Donnerstag ein.

In den Läden brodelt es schon länger. Wie das Wirtschaftsmagazin "Der Handel" berichtete, verstößt das Mitarbeiterhandbuch von Hollister gegen das deutsche Arbeitsrecht. Dem Blatt zufolge beschwerten sich Betriebsräte, Arbeitsrechtler und Mitarbeiter über die ununterbrochene Überwachung in dem Unternehmen. Auch andere Vorschriften gaben Grund zur Klage: Die Mitarbeiter mussten nicht nur zu jedem Wetter Flip-Flops bei der Arbeit tragen, da das Unternehmen sein Surfer-Image stärken will. Weil die Kunden sich vor und in jeder Filiale auch wie am Strand von Kalifornien fühlen sollten, mussten "Models" genannte Verkäuferinnen jeden Besucher begrüßen mit: "Hey what's up, welcome to the pier."

Schon im vergangenen Jahr hatte der Betriebsrat gegen die aus seiner Sicht überzogenen Kontrollen der Mitarbeiter geklagt. Dabei gab das Frankfurter Arbeitsgericht Mitte Dezember der Modekette recht, weil der Betriebsrat zu dem Zeitpunkt noch nicht lange genug im Amt gewesen sei. Grundsätzlich hieß es in dem Urteil aber auch, Mitarbeiter dürften nur dann kontrolliert werden, wenn die Arbeitnehmervertreter ausdrücklich zugestimmt haben.

nck/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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1. ...
adazaurak 04.04.2013
was apple bei den telephonen ist hollister bei den Klamotten. Mainstreamkonsumprodukte für stupidos
2. Braucht man deren Ware?
wolfi55 04.04.2013
Mal im Ernst, muss man Ware dieser Ladenkette käuflich erwerben oder kann der Mensch auch ohne diese leben? Eine Begrüßung auf Englisch in einem Laden hierzulande, das muss aber wirklich nicht sein. Genauso kann man die in den Läden fürchtelrich aufregen in dem man bei dem Schild "SALE" nach Dreck sucht. Sale ist nämlich das französische Wort für Dreck. Entweder warnen die vor Dreck oder sie wolen einem Dreck geben.
3. Taschenkontrolle?
swische 04.04.2013
Eigentlich sollte Hollister froh sein, wenn dieses qualitativ minderwertige und völlig überteuerte Zeug ungesehen die Läden verläßt! In meinen Augen und nach meiner mehrfachen Erfahrung ausschliesslich Mainstream-Einwegartikel. Kann mit Hackett, GAP, Polo Ralph, Hilfiger usw. absolut nicht mithalten.
4. Nur dumme Sprüche
Aguilar 04.04.2013
Zitat von sysopAPDie Taschen von Mitarbeitern der Modemarke Hollister werden bis auf weiteres nur noch stichprobenartig kontrolliert. Darauf einigte sich der bisher einzige Hollister-Betriebsrat in Deutschland mit den Arbeitgebern - das Landesarbeitsgericht Hessen stellt das Verfahren deshalb ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hollister-schraenkt-mitarbeiterkontrolle-ein-a-892544.html
Egal ob die Hotlines mit dem Satz:"Guten Tag, mein Name ist ..., was kann ich für Sie tun?" oder diese wohl dümmliche Firma mit "Hey what's up, welcome to the pier." begrüßen lassen, dem Konsumenten soll zuerst ein Wohlgefühl vermittelt werden. Mir gereicht es zum Kotzen, immer mit denselben blöden Sprüchen empfangen zu werden. Aber typisch, das Verkaufsverhalten wird auf die Gefühlsebene gelenkt, damit Kundinnen und Kunden nicht mehr merken, welchen Schund sie kaufen sollen.
5. Das Urteil ist ein Skandal! !
frank_w._abagnale 04.04.2013
Das Urteil istein Skandal. Wenn man als Unternehmer sein Eigentum nicht mehr vor Dieben schützen darf, stimmt irgendwas nicht. Wer ein reines Gewissen hat und nicht klaut, lässt sich auch im Rahmen von Mitarbeiterkontrollen kontrollieren.
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Die schlimmsten Chef-Sprüche (1)

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Die schlimmsten Chef-Sprüche (2)

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Weshalb Ihr Chef Sie feuern darf
Privates im Büro
Ich nehme meinen Hund mit ins Büro.

Ob das erlaubt ist, hängt vom Arbeitgeber ab. Er kann sich auf das Hausrecht berufen und es dem Mitarbeiter verbieten, den Hund mit ins Büro zu nehmen. Hält sich der Angestellte nicht an ein Verbot, kann das im Wiederholungsfall zur Abmahnung und dann auch zur Kündigung führen. "Hat der Chef aber jahrelang den Hund im Büro geduldet, kann er das nicht plötzlich ohne sachlichen Grund verbieten", sagt Volker Schneider, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Wuppertaler Kanzlei GKS.

Ich habe ein Glas mit einem Goldfisch auf meinen Schreibtisch stehen.

"Im Prinzip ist das kein Grund für eine Abmahnung oder gar Kündigung", sagt Rechtsanwalt Schneider. "Bei einem Goldfisch überwiegen wohl die Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers gegenüber dem Hausrecht des Arbeitgebers." Der Goldfisch sei vergleichbar mit persönlichen Gegenständen wie Fotos oder Blumen, die der Arbeitgeber auch nicht verbieten könne.

Ich habe ein Foto meiner Freundin im Bikini auf meinen Schreibtisch stehen.

Das ist ein grenzwertiger Fall. Normalerweise überwiegt bei Fotos das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers. Sind die Bilder jedoch anstößig, könnte das ein Grund für eine Abmahnung sein. Dasselbe gilt für Pin-ups: Sie müssen vom Arbeitgeber nicht geduldet werden. Selbst wenn sie sich zum Beispiel in einem Spind befinden.
Eine Zigarette zu viel
Ich rauche während der Arbeit.

Der Chef kann vom Mitarbeiter verlangen, sich während der Raucherpause auszustempeln. Wenn der Arbeitnehmer sich nicht daran hält, kann das zur Kündigung führen. Das geht aus einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Duisburg hervor. Eine Arbeitnehmerin hatte trotz mehrfacher Abmahnung Zigarettenpausen im Raucherraum verbracht, ohne sich auszustempeln (Aktenzeichen: 3 Ca 1336/09).

Generell verbieten kann der Arbeitgeber das Rauchen aber nicht. "Das wäre eine Erziehung zu Gesundheit und würde zu sehr in die Persönlichkeitsrechte eingreifen", sagt der Wuppertaler Fachanwalt Volker Schneider. Der Chef könne zwar grundsätzlich verlangen, dass die Mitarbeiter zum Rauchen das Betriebsgelände verlassen. Ist das Gelände allerdings zu groß dafür, müsse der Arbeitnehmer an einer ungefährlichen Stelle eine Raucherecke einrichten. Schneider: "Der Chef darf nicht versuchen, seine Angestellten zu einer gesünderen Lebensweise zu erziehen."
Schummeln bei Schwangerschaft, Krankheiten und im Lebenslauf
Ich habe meine Schwangerschaft verschwiegen.

Grundsätzlich ist die Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch unzulässig. Wird trotzdem gefragt, darf gelogen werden. Der Chef darf also nicht kündigen, wenn die Arbeitnehmerin bei Vertragsunterzeichnung bereits schwanger war und das auch wusste. Einzige Ausnahme: Es geht um die Besetzung eines Arbeitsplatzes, an dem Schwangere nicht eingesetzt werden dürfen, etwa wenn geröntgt wird.

Ich habe eine schlimme Krankheit und meinem Arbeitgeber davon nichts erzählt.

Hier gilt Ähnliches wie bei einer Schwangerschaft. Wenn es Voraussetzung für den Arbeitsplatz ist, dass der Mitarbeiter nicht an bestimmten Krankheiten leidet, wäre das ein Grund, den Arbeitsvertrag anzufechten. Das heißt, er kann rückwirkend für ungültig erklärt werden. "Wenn die Krankheit keine Auswirkungen auf die Leistungen und auf den Arbeitsplatz hat, darf sie verschwiegen werden", sagt der Wuppertaler Fachanwalt Volker Schneider.

Ich habe in meinem Lebenslauf ein bisschen geschummelt.

Wenn der Aspekt, bei dem gelogen wurde, für den Arbeitgeber bei der Einstellung entscheidungsrelevant war, kann er innerhalb von 14 Tagen fristlos kündigen, nachdem er die Lüge festgestellt hat. Bei arglistiger Täuschung ist eine Anfechtung des Arbeitsvertrags auch noch innerhalb eines Jahres möglich. Die Frist beginnt erst, wenn der Arbeitgeber die Täuschung bemerkt hat.
Den Vorgesetzten beleidigen
Ich habe meinen Chef einen Idioten genannt.

Im Prinzip kann das zu einer fristlosen Kündigung führen. Allerdings ist es auch Abwägungssache und hängt von der Güte der Beleidigung ab. Wenn es wirklich mal rausgerutscht ist, dann kann der Chef den Mitarbeiter abmahnen. Bei der Verwendung schlimmer Schimpfworte ist auch eine fristlose Kündigung möglich.

Ich habe über meinen Chef gelästert.

Im engen Freundeskreis darf man das. Im Kollegenkreis kann Beleidigung, Verunglimpfung oder üble Nachrede ein Kündigungsgrund sein. So beurteilte das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main im Jahre 2001 die Kündigung einer Büglerin für gerechtfertigt. Die Frau hatte dem Juniorchef des Betriebs ein Verhältnis mit einer Kollegin unterstellt (Aktenzeichen 4 Ca 5471/00).
Eine Überstunde zu wenig
Ich habe mich geweigert, Überstunden zu machen.

Wenn im Vertrag nicht ausdrücklich vereinbart ist, dass der Arbeitnehmer Überstunden zu leisten hat, ist er grundsätzlich nicht dazu verpflichtet. Einzige Ausnahme: Es handelt sich um einen Notfall. Der kann bestehen, wenn plötzlich viele Mitarbeiter krankheitsbedingt fehlen oder der Betrieb sich in einer finanziellen Schieflage befindet und kurzfristig Aufträge erhalten hat, die sofort abgearbeitet werden müssen. Verweigert der Arbeitnehmer das Ableisten von Überstunden, obwohl der Vertrag das vorsieht, kann er fristlos gekündigt werden. Allerdings darf die Arbeitszeit auch mit Überstunden 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Sind es mehr, kann der Arbeitnehmer sich weigern, sie zu leisten.
Bleistiftklau und Privatbriefe im Büro
Ich habe einen Bleistift aus dem Büro stibitzt.

Auch die Mitnahme eines Bleistiftes ist Diebstahl und damit prinzipiell ein Kündigungsgrund. Hier hängt es aber auch davon ab, wie lange der Arbeitnehmer dem Betrieb angehört. Sind es zum Beispiel bereits 30 Jahre, reicht ein Bleistift nicht aus. Generell gibt es aber weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung eine Bagatellgrenze. So kann theoretisch auch ein Keks zur Kündigung führen, der aus dem Konferenzraum geklaut wurde.

Nicht immer kommen Arbeitgeber mit Bagatellkündigungen vor Gericht durch, wie eine Entscheidung des Hamburger Arbeitsgerichts zeigt (Aktenzeichen 27 Ca 262/98): Eine Arbeitnehmerin hatte aus dem Kühlschrank der Betriebskantine eine Dose Fanta entwendet. Das Gericht hielt eine fristlose Kündigung für überzogen und urteilte, der Arbeitgeber hätte zunächst abmahnen müssen.

Ich habe einen privaten Brief durch die Frankiermaschine der Firma geschickt.

Selbst bei geringen Portobeträgen kann das eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Das zeigt das Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts in Frankfurt am Main von 2007. Ein Kundenberater eines Versicherungsmaklers hatte mehrere private Briefe über die Poststelle seines Arbeitgebers verschickt. Der Portobetrag belief sich auf weniger als fünf Euro. Dennoch war die Kündigung rechtmäßig. Der Mitarbeiter habe mit seinem Verhalten in erheblicher Weise das Vertrauen des Arbeitgebers verletzt, so die Richter (Aktenzeichen 22 Ca 966/06).
Mailen und Telefonieren - nicht dienstlich
Ich telefoniere ab und zu kurz privat.

Der Chef kann generell untersagen, dass privat telefoniert wird. In der Regel muss er jedoch erst eine Abmahnung aussprechen, bevor er kündigen kann. Um dem privat telefonierenden Mitarbeiter auf die Schliche zu kommen, darf er - sofern ein Verdacht auf Missbrauch vorliegt - die angerufenen Personen identifizieren. Heimlich die Telefongespräche mitanhören darf der Arbeitgeber jedoch grundsätzlich nicht.

Ich lese während der Arbeitszeit meine privaten E-Mails und surfe im Netz.

Ist im Arbeitsvertrag ein generelles Verbot der privaten Internetnutzung festgehalten, kann ein Verstoß zu einer Abmahnung oder Kündigung führen. Hat der Arbeitgeber nicht ausdrücklich die Privatnutzung des Internets verboten, verletzt der Arbeitnehmer seine vertraglichen Pflichten, wenn er das Web in erheblichem zeitlichen Umfang nutzt. Besonders die Nutzung von Seiten mit pornografischem Inhalt kann eine fristlose Kündigung rechtfertigen.