Hochhäuser aus Holz Besser als Stahl

Mit Holz baut man Schränke und Schuppen - aber mehrstöckige Gebäude? Tatsächlich gibt es erste Holz-Hochhäuser. Experten halten den Rohstoff aus dem Wald für mindestens so gut wie Stahl.

Michael Green Architecture

Was macht Städte aus dem Mittelalter bis heute lebendig? Was gibt ihren Häusern ein Gesicht, das über Jahrhunderte seine Schönheit bewahrt hat? "Es ist das Holz", sagt Manfred Hegger.

Hegger ist Professor für Architektur an der TU Darmstadt. Er spricht fast liebevoll über den Rohstoff aus dem Wald. Schon vor Jahren baute er Wohnhäuser und Industriehallen aus Holz. In der Baubranche gilt er bis heute als Exot, genau wie sein Kollege Hermann Kaufmann von der TU München. "Die Moderne", sagt Kaufmann, "hat diesen Baustoff vergessen". Doch in letzter Zeit erlebt das Material eine Renaissance, und Kaufmann hat entscheidenden Anteil daran. Im österreichischen Dornbirn hat er gezeigt, dass Holz nicht nur für Bauernhäuser taugt, sondern auch in der Höhe hält: Acht Stockwerke misst sein "LifeCycle Tower", ein energieeffizientes Holzhochhaus in Systembauweise. Es ist das höchste im deutschsprachigen Raum - eine Art Plattenbau aus Holz. Wie bei einem Baukasten werden die Module aufeinander gesteckt. "Wenn man das Holz intelligent einsetzt", so Manfred Hegger, "kann es ähnlich viel leisten wie Stahlbeton".

"Stützen aus Holz halten einem Brand länger stand als Stahl"

In Deutschland werden schon 16 Prozent der Neubauten aus Holz gefertigt, doch dies bezieht sich auf Ein- oder Zweifamilienhäuser. An Hochhäuser haben sich die Architekten lange nicht gewagt. Grund war der Brandschutz, der Genehmigungen für Holzhäuser meist auf fünf Stockwerke begrenzte. "Beim Bauen aus Holz denken viele an die Stadtbrände im Mittelalter und die Brandbomben im Krieg", sagt Tom Kaden. Der Berliner Architekt gilt als Pionier in der Holzbauszene: Bereits 2008 baute er ein siebenstöckiges Wohnhaus im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Fürsprecher seines Konzepts, so Kaden, sei ausgerechnet die Feuerwehr gewesen. "Die wissen, dass Stützen aus Holz einem Brand länger standhalten als Stahl." Holz ist zwar schneller entzündlich, aber die Abbrennrate ist besser berechenbar: Selbst verkohlte Balken können noch einiges halten, wenn Stahl schon längst geschmolzen wäre.

Dennoch haben weder Kaden noch Kaufmann ganz auf Beton verzichtet. Beide Häuser haben Holz-Beton-Verbunddecken, beim österreichischen LifeCycle Tower ist auch der "Erschließungskern", also Treppenhaus und Fahrstuhlschacht, aus Beton. Dass es auch im Kern aus Holz geht, zeigt der Timber Tower in London, der als weltweit höchstes Wohngebäude aus Holz gilt. Lediglich das Erdgeschoss des neunstöckigen Plattenbaus ist aus Beton. Ein weiteres Highlight im mehrstöckigen Holzbau ist vor wenigen Monaten in Mailand fertig geworden: Dort stehen vier Neungeschosser komplett aus Brettsperrholz. Die 124 Wohnungen in Mailand sind ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus und Familien mit wenig Geld vorbehalten.

30 Stockwerke sind in Planung

Noch, sagt Architekt Kaufmann, sei Holzbau teurer als Beton - "auf den ersten Blick". Beziehe man die Energiebilanz ein, ändere sich das Bild aber deutlich: Die Treibhausgas-Bilanz eines fertigen Holzgebäudes liegt bei etwa ein Zehntel im Vergleich zu seinem Bruder aus Beton. Holz ist zudem leicht, aber fest, es isoliert Wärme und ist größtenteils recyclebar.

Europäische und amerikanische Architekten haben bereits 20- und 30-Geschosser aus Holz geplant. Holz, sagt Architekt Hegger, sei längst kein Trend mehr - "es ist eine Bewegung".



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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
nojo71 11.04.2014
1. Aber welches ist den das größte Holzgebäude der Welt?
Es ist der Todai-Ji Tempel in der japanischen Stadt Nara. Mit einer Breite von 57 mtr, Höhe von 48 mtr. und Tiefe von 50 mtr.. Es ist das größte nur aus Holz erbaute Gebäude und beherbergt die größte Buddhistische Bronzestatur. Und jetzt kommts: Erbaut 1708 !!! Und steht immer noch...
Sebb_81 11.04.2014
2. Stahl schmilzt beim Brand nicht sondern verliert seine Festigkeit
Dass Stahl bei einem Gebäudebrand schmilzt ist äußerst selten. Allerdings dehnt er sich bei schon geringer Erwärmung stark aus und schädigt so das Gebäude. Und er verliert noch vor dem schmelzen seine Festigkeit, wird also weich, und das Gebäude stürzt ein. Sieht dann so aus: http://bc01.rp-online.de/polopoly_fs/1.1064174.1305761797!httpImage/1024590177.jpg_gen/derivatives/d950x950/1024590177.jpg
kanadasirup 11.04.2014
3. Ausgereift?
Wie sieht es denn mit der Haltbarkeit aus? Schimmel, Käfer, Termiten, Fäule, etc. Wie wird das Holz denn genau eingesetzt? Das sind wohl eher Verbundstoffplatten mit Holzanteil oder wie?
dx456 11.04.2014
4. Das sagt doch alles:
Zitat: Die 124 Wohnungen in Mailand sind ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus und Familien mit wenig Geld vorbehalten. Wenn man sich die letzten Videos bei Spon über den Brand von großen Holzbauten in den USA ansieht, dann wird es deutlich: Ein mehrstöckiges Holzhaus ist im Brandfall ein Scheiterhaufen, der von seinen Bewohnern nichts übriglässt. (Nur ein mit Styropor gedämmtes Haus brennt ähnlich gut). Dass das Holzhochhaus in Mailand nur für Arme Leute Verwendung finden soll bedeutet für mich nichts Gutes ...
ruhrly51 11.04.2014
5. Eben Natur
Nicht nur der Tempel zeigt die Wertigkeit, auch alte Fachwerkhäuser, die Fenster in alten Schlössern und Burgen. Und dann gibt es noch die Bauten aus Bambus. Auch nicht von schlechten Eltern. Die alten Bauwerke in Südamerika, Ägypten, Asien, vor etlicher Zeit gebaut mit dem, was die Natur anbietet. ECHTE Holzhäuser, Lehmputz, Linolium, Holzdielen, sind umweltfreundlich, brauchen zwar mehr Pflege, aber schaffen ein allergiefreundliches Wohnfeld. Kostet etwas mehr, doch sollte man sich diese Vorteile nicht kaputt machen, wenn man dann wieder auf Chemie zurückgreift. Idealismus gehört auch dazu!
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