Schweizer Großbank HSBC-Chef verteidigt sein geheimes Konto

HSBC-Chef Stuart Gulliver hat eine originelle Begründung für sein geheimes Konto in der Schweiz. Er wollte hohe Boni vor seinen Kollegen verstecken. Steuern habe er aber immer gezahlt.

HSBC-Chef Stuart Gulliver (Archivbild): "Schande"
REUTERS

HSBC-Chef Stuart Gulliver (Archivbild): "Schande"


Genf/London - Die Affäre um die Großbank HSBC dreht sich immer mehr um ihren Chef. Seit bekannt wurde, dass Stuart Gulliver ein geheimes Konto in der Schweiz unterhielt, steht der Top-Manager unter immensem Druck. Die Großbank bestätigte nun die Existenz dieses Kontos. Gulliver selber verteidigte sein Vorgehen auf einer Pressekonferenz.

Er habe durch die Konstruktion hohe Bonuszahlungen vor seinen Kollegen verstecken wollen, die ansonsten hätten sehen können, was er verdiene. Gulliver betonte, dass er stets alle Steuern für die Beträge gezahlt habe, die auf diesem Konto eingegangen seien. Auf die Frage, ob er nach wie vor ein Konto in der Schweiz habe, blieb Gulliver den Journalisten eine Antwort schuldig, berichtet der "Guardian".

Aufsichtsratschef Douglas Flint sprang Gulliver zur Seite. "Hier gibt es überhaupt keine Story", sagte er: "Es gibt nichts, was Stuart getan hat, das nicht absolut transparent, legal und angemessen ist."

Gulliver entschuldigte sich zudem erneut für den Skandal bei einer Schweizer Tochter der HSBC: "Ich denke, es ist angemessen, von einer Schande zu sprechen", sagte der seit 2011 amtierende HSBC-Chef vor Journalisten. Das Image der Bank habe schweren Schaden genommen.

Gewinn der HSBC bricht um 17 Prozent ein

Berichten zahlreicher Medien zufolge hat die HSBC, Europas größtes Geldhaus, über eine Tochter in der Schweiz Wohlhabenden bei Steuerhinterziehung und Geldwäsche geholfen. Darunter seien neben Industriellen auch Schauspieler, Sportler, Musiker sowie Waffenhändler und Diktatoren gewesen.

Am Sonntag war bekannt geworden, dass auch HSBC-Chef Gulliver ein Konto in der Schweiz unterhielt. Über dieses Konto erhielt er laut "Guardian" bis 2003 seinen jährlichen Bonus, der Geldfluss lief über eine Firma in Panama. 2007 betrug der Kontostand demnach 7,6 Millionen Pfund.

Anlass der Pressekonferenz am Montag war eigentlich die Bekanntgabe der Jahreszahlen des Unternehmens - und auch dort gab es keine guten Nachrichten: Der Vorsteuergewinn der Bank sank 2014 um 17 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar. Das Ergebnis lag deutlich unter den Analystenerwartungen. An der Londoner Börse fielen die HSBC-Aktien um knapp sechs Prozent auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

bos/bka/Reuters

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
postmaterialist2011 23.02.2015
1. Immer alles versteuert ...
Da fragt man sich nur zu welchen Sätzen ? Wenn er diesen Betrag als Kapitalertrag deklariert hat, dann hat er als in Hong Kong Steuerpflichtiger genau 0% darauf gezahlt und selbst als Einkommen hat er dies dann mit maximal 15% versteuert. Und wer das Ammenmärchen mit dem Neid der Kollegen glaubt, dem ist nicht zu helfen.
minsk60 23.02.2015
2. dann kann sich niemand beschweren
Zitat von postmaterialist2011Da fragt man sich nur zu welchen Sätzen ? Wenn er diesen Betrag als Kapitalertrag deklariert hat, dann hat er als in Hong Kong Steuerpflichtiger genau 0% darauf gezahlt und selbst als Einkommen hat er dies dann mit maximal 15% versteuert. Und wer das Ammenmärchen mit dem Neid der Kollegen glaubt, dem ist nicht zu helfen.
Wenn er seinen Wohnsitz in Hongkong hat und dort keine Steuern auf Kapitaleinkünfte erhoben werden, kann ihm keinerlei Vorwurf dafür gemacht werden. Ich lebe auch in einem Land mit der gleichen Steuersituation, sollte ich die theoretische deutsche Steuer ausrechnen und als Spende an das Finanzministerium überweisen?
bristolbay 23.02.2015
3. Gier, Gier und noch einmal Gier
und die ist unendlich. Klar hat der Bankster Steuern gezahlt, so um die 0,5% in Panama und das sollte keiner wissen. Boni vor Kollegen geheim halten? Quatsch. Zahlungen an Vorstände müssten doch offengelegt werden. Ich geh mal davon aus, dass es sich hier um "unter-der-Hand-Zahlungen" aus Briefkastenfirmen handelt, die nicht publik werden durften oder um Boni, die wegen der finanziellen Lage der Bank nicht an die Öffentlichkeit kommen durften. Bin mal gespannt, was der englische Fiskus sagt. Bestimmt nichts, den HSBC ist unangreifbar. Unsere Welt wäre besser, wenn man diesen Kraken mehr als 50% der Bezüge per Steuer wegnimmt. Von 3,8 Mio Pfund kann man sich immer noch etwas kaufen.
postmaterialist2011 23.02.2015
4. Steuern ?
Zitat von minsk60Wenn er seinen Wohnsitz in Hongkong hat und dort keine Steuern auf Kapitaleinkünfte erhoben werden, kann ihm keinerlei Vorwurf dafür gemacht werden. Ich lebe auch in einem Land mit der gleichen Steuersituation, sollte ich die theoretische deutsche Steuer ausrechnen und als Spende an das Finanzministerium überweisen?
Der gute Mann war in London ansässig, der Steuersitz Hong Kong ist daher schon mehr als fraglich. Das Konstrukt ist garantiert dazu gedacht möglichst steuersparend zu wirken. Keine Ahnung wo Sie aufgewachsen sind, sollte dies in Deutschland der Fall gewesen sein und Sie hier die deutsche Infrastruktur von kostenlosen Schulen und Universitäten genutzt haben, dann finde ich Ihre Einstellung mehr als nur parasitär. Eigene Kosten der Allgemeinheit aufdrücken, aber Gewinne sind dann Privatsache. Nicht die Schulden der Griechen sind ein Problem, sondern die Steuervermeidung vieler Wohlhabender in diesem Land, wodurch der normale Steuerzahler etwa 1/3 mehr an Abgaben hat, als wenn ein jeder seinen Ertrag auch bei uns regulär versteuern würde.
crimesceneunit 23.02.2015
5. liebe Leute...
ihr habt mich leider erwischt, aber ich erkläre trotzdem, dass meine Weste weiß ist und zwar Blütenweiß! Und warum regt ihr euch eigentlich überhaupt darüber auf, dass ich so geldgierig bin? tststs...
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