Skandal bei Großbank HSBC Bank in der Schweiz machte Milliardengeschäfte mit Kriminellen

Es war der spektakulärste Bankdatenraub der vergangenen Jahre: 2008 verschwand Hervé Falciani mit Daten von 130.000 Kunden der Großbank HSBC. "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR haben einen Teil der Dokumente ausgewertet. Sie belegen, dass die Bank in der Schweiz Schwarzgeld in Milliardenhöhe hortete.

Das Gebäude der HSBC-Bank in Genf: Schwarzgeld gehortet
dpa

Das Gebäude der HSBC-Bank in Genf: Schwarzgeld gehortet


New York - Vor drei Jahren hat sich die britische Großbank HSBC in den USA für 1,9 Milliarden Dollar vom Vorwurf der Geldwäsche und Terrorfinanzierung freigekauft. Nun werden neue Vorwürfe laut: Bei einer Schweizer Tochter der Bank sollen Steuerhinterzieher und andere Kriminelle Milliardenbeträge angelegt haben. Das berichten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR unter Berufung auf vertrauliche Dokumente, die französische Fahnder 2009 von Hervé Falciani, einem ehemaligen Mitarbeiter der Bank, bekommen hatten.

Aus den Unterlagen gehe detailliert hervor, wie Bankberater der Schweizer HSBC ihren Kunden dabei halfen, ihr Vermögen zu verschleiern, so der Bericht. In den Dokumenten finden sich die Namen von mehr als 100.000 Menschen aus mehr als 200 Ländern, darunter auch die von Verwandten und Regierungsmitgliedern von Autokraten wie Syriens Machthaber Baschar al-Assad, Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak und Chinas ehemaligem Premier Li Peng. Zudem gebe es Verbindungen zu mutmaßlichen Blutdiamantenhändlern, Waffenschiebern und Terrorfinanzierern.

Laut dem Bericht haben sich auf Konten der Genfer Niederlassung der Bank im Jahr 2007 mehr als 75 Milliarden Euro befunden. Finanzermittler aus Deutschland und elf anderen Ländern sollen dank der vertraulichen Unterlagen schon mehr als eine Milliarde Euro Steuern und Strafen eingetrieben haben.

Die Bank hat gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" ein "Kontrollversagen in der Vergangenheit" eingeräumt. Die Schweizer HSBC habe "zu viele Hochrisiko-Konten" geführt. Mittlerweile habe man sich von allen "steuerlich problematischen" Kunden getrennt.

Falciani hatte sich Ende 2008 mit Daten von rund 130.000 Kunden der britisch-asiatischen Großbank nach Frankreich abgesetzt. Mithilfe der Informationen wurden Hunderte Steuerbetrüger enttarnt, unter ihnen die spanische Bankiersfamilie Botín.

2012 ließ sich Falciani in Spanien verhaften, weil er glaubte, im Gefängnis sicherer zu sein. Nachdem ein spanisches Gericht die Auslieferung des Italo-Franzosen an die Schweiz verweigerte, kehrte er 2013 nach Frankreich zurück. Dort lebt er derzeit unter Polizeischutz an einem unbekannten Ort.

Der SPIEGEL hat Falciani im Juli 2013 interviewt. Damals beklagte er, dass "nicht einmal ein Prozent" der Informationen, die er geliefert habe, ausgewertet worden seien. Das komplette Gespräch lesen Sie hier.

vet



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insgesamt 101 Beiträge
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raber 09.02.2015
1. Die Betrüger sind Banken mit Politikern
Business as usual. HSBC, Goldman Sachs, Deutsche Bank und wie sie alle heissen. Bei Drogengeschäften müssen sie nur einen lächerlichen Teil ihres Gewinns als Strafe zahlen. Was nicht gefunden wird, zahlt nicht. Bei der Bankenkrise werden sie von den Regierungen dann auch noch vom Geld der Steuerzahler gerettet. Sind die Politiker Komplizen? Es geht nicht an, dass sie nach so vielen Betrügereien auf allen möglichen Gebieten und Ländern nichts unternehmen Die meisten Politiker haben einfach jede Glaubwürdigkeit und Ehre verloren.
tschanz51@bluewin.ch 09.02.2015
2. Schweizer Bank?
Die HSBC Switzerland in Genf ist ebenso wenig eine Schweizer Bank, wie die Deutsche Bank (Schweiz) AG in Zürich auch!
hevopi 09.02.2015
3. Das ist ja ganz neu,
das Kriminelle dort ihr Geld anlegen. Es ist doch schon Jahrzehnte bekannt (spätestens nachdem auch die Nazis dort Geld horteten), die kriminellen Schweizer Banken, die Zentralen für kriminelle Geldanleger. Es ist nicht damit getan, die HSBC zu Strafzahlungen zu verurteilen, das ganze Leid, dass sie vielen Menschen damit angetan haben, ist nicht mehr reparabel. Vorschlag: Alle Unterlagen werden geprüft, die HSBC trägt die Kosten und eine entsprechende Strafe, gegen die kriminellen Mitarbeiter (nicht normale Angestellte) wird ermittelt und für den Kostenaufwand, der damit verbunden ist, werden zunächst die Ergebnisse der letzten 5 Jahre eingezogen.
naive is beautiful 09.02.2015
4. x-Jahre später (wir schreiben das Jahr 2015)...
..hat sich die frühere Strategie Schweizer Banken gegenüber professionellen Steuerflüchtlingen auf massiven US- und EU-Druck mittlerweile ja erkennbar geändert - davon ist im Artikel allerdings nichts zu lesen. Welchen praktischen Nährwert, liebe SPON Redaktion, haben also (über historische Wahrheiten hinaus) solche Artikel? Oder haben Sie neue, aktuelle Informationen (=jünger als 5 Jahre), die alle seitherigen Absichtserklärungen, Beteuerungen und praktische Gegenmaßnahmen der Schweizer Banken konkret widerlegen können? Falls nicht, was soll dann heute ein solcher Artikel, der inhaltlich längst einen regelrechten 'Immambart' hat?
Benjowi 09.02.2015
5. Merkwürdige Beißhemmung!
Nachdem sich ausgerechnet die deutschen Behörden bei der Abarbeitung der Daten dieser Liste vorsichtig ausgedrückt nicht gerade überschlagen, könnte man auf die Idee kommen, hier erlitte diese Datensammlung ein ähnliches Schicksal wie die daraus entstandene Lagarde-Liste in Griechenland. Offensichtlich gibt es auch hier ein tief verwurzeltes Geflecht zwischen Teilen der ach so hochgelobten deutschen beamteten Obrigkeit und Betroffenen, so dass man nur sehr selektiv vorgeht, um es wiederum sehr zurückhaltend zu beschreiben.
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