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HSBC: Schweizer Banker enthüllt Geheimdaten von Bankkunden

Es könnte ein zweiter Liechtenstein-Fall werden: In Genf soll ein Mitarbeiter der HSBC Daten Tausender Bankkunden geklaut und an französische Steuerfahnder übergeben haben. Der Angestellte mit dem Decknamen "Antoine" überlistete die Technik wohl mit einem selbstprogrammierten System.

Frankreichs Haushaltsminister Woerth: Heftige Verstimmung mit der Schweiz Zur Großansicht
AFP

Frankreichs Haushaltsminister Woerth: Heftige Verstimmung mit der Schweiz

Paris - Die Geschichte klingt vertraut - und sie könnte der Auftakt zu einem neuen Steuerskandal werden: Ein Angestellter der HSBC Private Bank in Genf soll Konten von Tausenden Kunden geknackt und die Daten den französischen Steuerfahndern übergeben haben. Der "Antoine" genannte Franko-Italiener lebe heute unter falscher Identität an der Côte d'Azur, berichtet die Zeitung "Le Parisien" am Mittwoch.

Auf der Kontoliste sollen mehrere Politiker sowie chinesische Behörden und Codes stehen, hinter denen Geheimdienste vermutet werden. "Antoine" fürchte nun die Wut mancher Kontoinhaber. "Gewisse Kunden können ein gefährliches Profil haben", sagte ein Ermittler dem Blatt unter Anspielung auf die Mafia.

Bereits im Sommer hatte der französische Haushaltsminister Eric Woerth mit der Erklärung für Furore gesorgt, er besitze eine Liste von 3000 Franzosen, die drei Milliarden Euro auf Nummernkonten in der Schweiz deponiert hätten. Woerth gab den Steuersündern die Chance, bis zum Jahresende ihre Lage zu legalisieren.

Computer mit eigenem System ausgetrickst

Sein Vorstoß führte zu einer heftigen Verstimmung mit der Schweiz, die vermutete, Paris habe die Kontodaten illegal erlangt. Der Minister erklärte daraufhin, die Daten seien nach Steuerkontrollen in Frankreich von Schweizer Banken freiwillig und ohne Gegenleistungen übermittelt worden. Der "Parisien" zieht diese Aussage nun in Zweifel. Die Daten dürften von "Antoine" kommen. Die HSBC Private Bank habe den Datendiebstahl bestätigt, aber in kleinerem Umfang, schreibt das Blatt.

Der Fall erinnert an Deutschlands Steuerstreit mit Liechtenstein. Ein Archivar der fürstlichen Liechtensteiner Bank LGT hatte dem Bundesnachrichtendienst für 4,5 Millionen Euro Kontodaten verkauft. Dies hatte 2008 zu spektakulären Ermittlungen gegen etwa 700 deutsche Steuersünder geführt und zum Rücktritt von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel geführt. Der LGT-Mitarbeiter wird zwar wegen einer Klage Liechtensteins international gesucht, soll aber unter dem Schutz der deutschen Behörden leben. "Die Geheimdienste haben ihm ein neues Gesicht, neue Papiere und eine neue Zukunft bezahlt", erklärte ein Ermittler dem "Parisien".

Der 38-jährige "Antoine" hatte die Bankcomputer dem Bericht zufolge mit einem selbst ersonnenen System ausgespäht. Anfang 2009 sei er nach Frankreich gekommen und habe sofort Kontakt mit den höchsten Steuerbehörden gesucht. Die Schweiz habe seine Auslieferung verlangt. Die französischen Behörden hätten das aber verweigert und den Schweizern nur ein Vernehmungsprotokoll übermittelt. Ihr Informant habe eine neue Identität bekommen und werde geschützt.

"Antoine" machte sich für die Ausbeutung der Kontodaten unverzichtbar, indem er sie verschlüsselte. "Er hat Codes erarbeitet, und er kennt als einziger die Schlüssel", sagte ein Ermittler dem Blatt. Von seinem Anwalt Patrick Rizzo wird "Antoine" als Idealist beschrieben. Der Staatsanwaltschaft soll er erklärt haben: "Der wahre Dieb ist die Bank."

sam/dpa

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1. Ich finde es Gut
Rübezahl 09.12.2009
Zitat von sysopEs könnte ein zweiter Liechtenstein-Fall werden: In Genf soll ein Mitarbeiter der HSBC Daten Tausender Bankkunden geklaut und an französische Steuerfahnder übergeben haben. Der Angestellte mit dem Decknamen "Antoine" überlistete die Technik wohl mit einem selbstprogrammierten System. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,666118,00.html
Da laufen sicherlich noch viele Postwinkel rum.
2. Bananenrepublik
D50 09.12.2009
"Der LGT-Mitarbeiter wird zwar wegen einer Klage Liechtensteins international gesucht, soll aber unter dem Schutz der deutschen Behörden leben." So so: Wenn es dem Deutschen Staat dienlich ist, dann hilft er also Straftätern sich der Strafverfolgung zu entziehen. Das nennt man dann wohl "Bananenrepublik".
3. Sumpf austrocknen!
Klo, 09.12.2009
Zitat von sysopEs könnte ein zweiter Liechtenstein-Fall werden: In Genf soll ein Mitarbeiter der HSBC Daten Tausender Bankkunden geklaut und an französische Steuerfahnder übergeben haben. Der Angestellte mit dem Decknamen "Antoine" überlistete die Technik wohl mit einem selbstprogrammierten System. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,666118,00.html
Schön wäre es, wenn es viele Antoines geben würde. Diesen Steuerhinterziehungssumpf muß man endlich trocken legen, damit die Steuern sinken können. Schließlich zahlen wir ehrlichen Mitbürger für das, was hier hinterzogen wurde mit.
4. Bananenrepublik Deutschland
mhampel, 09.12.2009
Und? Wem hilft das? Solange in Deutschland Ermittlungen zur Steuerhinterziehung aktiv behindert werden, wird das alles wenig Folgen haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,596875,00.html http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,661891,00.html In der Politik werden die Schwerverbrecher in Deutschland weiterhin geschützt. Sie haben nicht viel zu befürchten. Die Verfahren werden verschleppt und manipuliert. So wurden Anklagepunkte gegen Zumwinkel fallen gelassen weil die Staatsanwaltschaft einen Teil der Verbrechen um 12 h (!) zu spät hat anklagen lassen. Ansonsten hätte der ehrenvolle Verbrecher ja ins Gefängnis gemusst. Man darf sich in Deutschland nicht über die Schweiz oder Leichenstein aufregen, solange es bei unserer Steuerfahndung wie in einer Bananenrepublik zugeht.
5. Ach, wenn's in Frankreich auch
nuschelsud 09.12.2009
Kochs und Weimars gibt, dann brauchen sich die reichen Steuerhinterzieher keine allzu großen Sorgen zu machen. http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2130837_Steuerhinterziehung-Weimar-liess-Liechtenstein-Faelle-liegen.html
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