Zoff mit Parteifreund: Grünen-Politikerin Scheel verliert Posten bei Ökostromanbieter

Vor drei Monaten heuerte Christine Scheel beim Stromkonzern HSE an, nun verliert die Ex-Bundestagsabgeordnete ihren Vorstandsposten schon wieder. Hintergrund ist ein Streit mit dem Darmstädter Bürgermeister - der wie Scheel Mitglied der Grünen ist.

Scheel: Zoff mit dem Darmstädter Oberbürgermeister Zur Großansicht
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Scheel: Zoff mit dem Darmstädter Oberbürgermeister

Darmstadt - Die frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen, Christine Scheel, ist beim Öko-Energie-Versorger HSE gescheitert. Schon nach drei Monaten soll die 55-Jährige ihr Amt als Vorstandsmitglied wieder abgeben. Der Aufsichtsrat des Hauptanteilseigners HEAG habe beschlossen, Scheel und ihrem Vorstandskollegen Holger Mayer (46) das Vertrauen zu entziehen, teilte Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch am Freitag mit. "Ziel ist die schnellstmögliche Trennung."

Scheel war 25 Jahre für die Grünen in der Landes- und Bundespolitik aktiv. Mitte Januar wurde die Finanzexpertin von der Fraktion in Berlin verabschiedet. Seit ihrem Eintritt in den dreiköpfigen Vorstand tobte bei den Grünen in Darmstadt ein erbitterter Streit um die Ausrichtung der HSE. Parteifreund Partsch warf Scheel eine "massive Kampagne" vor.

Auslöser des Streits zwischen Vorstand und Kontrollgremium war die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Scheel hatte sich gegen den möglichen Rückkauf der Stadt von 40 Prozent der Unternehmensanteile, gewehrt. "Ein Rückkauf der Anteile durch die Stadt würde das Unternehmen entscheidend schwächen", sagte Scheel damals dem SPIEGEL. Stattdessen wollte sie einen finanzstarken Investor anlocken. Im Gespräch war Deutschlands drittgrößter Stromversorger EnBW.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich Christine Scheel nicht zu den Vorwürfen von Partsch äußern. Ein Sprecher teilte lediglich mit, der Vorstand bedauere die Entscheidung. "Die Vorstandsmitglieder haben immer im Sinne des Unternehmens gehandelt."

Die Trennung hat offenbar vor allem persönliche Gründe. Obwohl Partsch und Scheel in der gleichen Partei sind, versuchte der Bürgermeister ihre Berufung in den Vorstand zu verhindern. Er warnte sogar öffentlich, die Berufung einer Grünen durch einen Grünen rieche zu sehr nach Vetternwirtschaft. Das zumindest kann nach dieser unrühmlichen Trennung niemand mehr behaupten.

cte/dpa

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1. Da kommt Freude
f.a.g. 27.04.2012
Zitat von sysopDPAVor drei Monaten heuerte Christine Scheel beim Stromkonzern HSE an, nun verliert die Ex-Bundestagsabgeordnete ihren Vorstandsposten schon wieder. Hintergrund ist ein Streit mit dem Bürgermeister - der wie Scheel Mitglied der Grünen ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,830216,00.html
auf ,wenn sich sone`Karrieristen die auf der scheinheiligen Politschiene aufgestiegen sind ,sich auch establishmentmässig selbst demontieren bzw. lassen .
2. Und, in welcher Höhe.......
curti 27.04.2012
Zitat von sysopDPAVor drei Monaten heuerte Christine Scheel beim Stromkonzern HSE an, nun verliert die Ex-Bundestagsabgeordnete ihren Vorstandsposten schon wieder. Hintergrund ist ein Streit mit dem Bürgermeister - der wie Scheel Mitglied der Grünen ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,830216,00.html
.....der Dame der Abgang versüßt? Ansonsten zeigt die Linie von Scheel wie weit man dem entfernt ist von dem was diese Partei vorzugeben pflegt. Grün ist mittlerweile eher unkenntlich, eine Mischung irgendwo zwischen Gelb und Schwarz!
3.
bernhard-d 27.04.2012
Seit die Grünen in der Realpolitik angekommen sind, werden sie doch von karieregeilen "NachDemMundeRednern" förmlich überrolt. Das was im Moment bei den Grünen läuft ist doch genauso korrupt wie bei den anderen 3 Etablierten. Ich habe Grün 20 Jahre lang gewählt, es wird Zeit sich eine neue Partei zu suchen, die einfach ehrlich ist.
4. Und, in welcher Höhe.......
curti 27.04.2012
Zitat von sysopDPAVor drei Monaten heuerte Christine Scheel beim Stromkonzern HSE an, nun verliert die Ex-Bundestagsabgeordnete ihren Vorstandsposten schon wieder. Hintergrund ist ein Streit mit dem Bürgermeister - der wie Scheel Mitglied der Grünen ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,830216,00.html
.....wird der Dame der Abgang versüßt? Ansonsten zeigt die Linie von Scheel wie weit man dem entfernt ist von dem was diese Partei vorzugeben pflegt. Grün ist mittlerweile eher unkenntlich, eine Mischung irgendwo zwischen Gelb und Schwarz!
5. Christine Scheel
maxbee 28.04.2012
Zitat von sysopDPAVor drei Monaten heuerte Christine Scheel beim Stromkonzern HSE an, nun verliert die Ex-Bundestagsabgeordnete ihren Vorstandsposten schon wieder. Hintergrund ist ein Streit mit dem Bürgermeister - der wie Scheel Mitglied der Grünen ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,830216,00.html
Eine begnadete Wirtschaftsfachfrau, die ihre fundierten Kenntnisse zum einem ihrem Pädagogikstudium, welches sie nach 6 Jahren mit dem Magister – zum Diplom hat es dann doch nicht gereicht – abschloss. Zum anderen hat der jahrelange parteipolitische Einsatz für die Grünen ihr die erforderlichen Einblicke in die tieferen Zusammenhänge der kapitalistischen Ökonomie verschafft. Von daher war es nur konsequent, dass sie sich 1998 als die von den Grünen händeringend gesuchte Finanz- und Wirtschaftsexpertin zu erkennen gab. Vor einigen Jahren hat dieser Ruf auch unsere staatstragenden Medien erreicht, weshalb sie des Öfteren Gastauftritte als Finanzexpertin bei den diversen Talkrunden zu verzeichnen hatte. Bei diesen Gelegenheiten gab sie zu erkennen, dass ihr Finanzexpertentum doch eher einem Crashkurs der Volkshochschule entsprungen ist – mehr als die üblichen wirtschaftsliberalen Ergüsse waren von ihr nämlich nicht zu vernehmen. Nicht mehr eindeutig zu klären ist, ob die Verantwortlichen beim Stromkonzern HSE auf ihr selbsternanntes Expertentum hereingefallen sind oder ob die auch in grünen Kreisen verbreitete Ämterpatronage verantwortlich für ihre Berufung in den Vorstand der HSE gewesen ist. Leider hat Sie es versäumt still und leise die Früchte dieses bestens dotierten Versorgungsjobs einfach zu genießen und ist stattdessen ihrer Selbsttäuschung als Wirtschaftsexpertin verfallen. Was sich in ihrem Vorhaben manifestierte tatsächliche Leitungsfunktionen in diesem Konzern ausüben zu wollen – mit dem nun konsequenterweise eingetretenen Resultat.
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