Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

HSH-Chef Nonnenmacher: Absturz des Zahlengotts

Von und

Er wurde als Finanzgenie gefeiert, als er zur HSH Nordbank kam - jetzt muss Dirk Jens Nonnenmacher als Skandalbanker abtreten. Von möglicher Bilanzfälschung bei seiner Bank bis zu hohen Boni für den Vorstandschef: Protokoll eines Niedergangs.

Dirk Jens Nonnenmacher: "Was glauben Sie, was ich den ganzen Tag tue" Zur Großansicht
REUTERS

Dirk Jens Nonnenmacher: "Was glauben Sie, was ich den ganzen Tag tue"

Hamburg - In Krisen brauchen Manager Fähigkeiten, die im laufenden Geschäft kaum gefragt sind. Wenn ein Unternehmen so lange negative Schlagzeilen macht wie die HSH Nordbank, dann kommt ein Wirtschaftsführer mit extremem Selbstbewusstsein und forschem Auftreten nicht mehr weiter - er kann die Lage sogar verschlimmern. In der Krise sind eben auch Zurückhaltung gefordert, Demut, ein wenig Selbstkritik.

Doch dies ist die Sache von Dirk Jens Nonnenmacher nicht. Der Chef der HSH Nordbank, dem die Eigner Hamburg und Schleswig-Holstein nun das Vertrauen entzogen haben, begegnete der Kritik der vergangenen Monate stets mit demonstrativem Unverständnis. "Was glauben Sie, was ich den ganzen Tag tue", herrschte Nonnenmacher die Mitglieder des Kieler Untersuchungsausschusses in der vergangenen Woche an, als diese ihn zur HSH-Spitzelaffäre befragten.

Auch bei der Halbjahresbilanz im Spätsommer weigerte sich der Bankchef, auf Kritiker einzugehen. Selbst Nachfragen der Landesregierungen in Hamburg und Schleswig-Holstein, den Hauptaktionären der HSH Nordbank, tat er ab. Vorwürfe, Mitarbeiter ausspioniert zu haben, nannte er "unglaublich und perfide". Die Frage, wie sicher er sich denn noch im Amt fühle, wischte er herablassend beiseite: "Seien Sie sich sicher, dass ich mir sicher bin, dass ich das uneingeschränkte Vertrauen genieße."

Obwohl fast wöchentlich neues belastendes Material über den Umgang mit Mitarbeitern bekannt wurde, verweigerte Nonnenmacher konkrete Antworten. Dabei ging es vor allem um die fragwürdige Art und Weise, wie sich die Bank von Ex-Vorstandsmitglied Frank Roth und von Roland K., Ex-HSH-Statthalter in New York, getrennt hatte.

Nonnenmachers Problem war, dass er sich mit seiner Rolle als Chef einer Bank in Staatsbesitz nie angefreundet hat. Obwohl die HSH mit Milliarden Euro Steuergeldern vor der Pleite gerettet werden musste, beharrte der Manager auf seinem 2,9-Millionen-Euro-Bonus. Selbst enge Mitarbeiter rieten ihm damals zum Verzicht - oder zumindest zu einem Kompromiss. Doch Nonnenmacher lehnte ab. Damit verspielte er bereits nach weniger als einem Jahr jeden Kredit in der Öffentlichkeit und trug sogar dazu bei, dass die damalige schleswig-holsteinische Landesregierung aus CDU und SPD zerbrach.

Wer nun sein Nachfolger wird und ob der Aufsichtsrat die Entscheidung der Politik zu Nonnenmachers Abberufung mitträgt, ist noch unklar. Sollte sich der Aufsichtsrat allerdings dagegen sperren, könnten ihn die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein als Hauptanteilseigner auch abberufen. Sicher ist: Die Zeit von Dirk Jens Nonnenmacher als Chef der HSH Nordbank ist nach zwei Jahren beendet.

Wie der umstrittene Manager es an die Spitze der Landesbank schaffte, mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte und was ihn letztlich das Amt kostete - Chronologie eines Niedergangs:

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
seine_unermesslichkeit 08.11.2010
Herr Dr. Nonnenmacher sollte jetzt Politiker werden. Die besten Voraussetzungen dafür hat er!
2. Der Herr Mathematik-Professor bietet als Banker ein
sic tacuisses 08.11.2010
Zitat von sysopEr wurde als Finanzgenie gefeiert, als er zur HSH Nordbank kam - jetzt muss Dirk Jens Nonnenmacher als Skandalbanker abtreten.*Von möglicher Bilanzfälschung bei seiner Bank bis zu hohen Boni für den Vorstandschef: Protokoll eines Niedergangs. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,727911,00.html
ebenso jämmerliches Bild wie die im Bundestag versammelte "Lehrerelite". Schuster, bleib bei deinem Leisten.
3. Pleite Bankangestellter Nonnenmacher
Masterskipper 08.11.2010
Der absolut überbezahlte HSH-Bankangestellte Nonnenmacher ist einer von diesen geldgierigen Finanzdeppen,denen der einfache Deutsche Sparer mal eine kräftige Abreibung mit allem drum und dran verpassen sollte.Ich wünsche Herrn Nonnenmacher einen Sozialabstieg,der ihn bis zur Hamburger Tafel führen muß.Und das ganze müßte dann noch als Dokuserie im Fernsehen gezeigt werden.
4. ...
Joerg 08.11.2010
Zitat von sysopEr wurde als Finanzgenie gefeiert, als er zur HSH Nordbank kam - jetzt muss Dirk Jens Nonnenmacher als Skandalbanker abtreten.*Von möglicher Bilanzfälschung bei seiner Bank bis zu hohen Boni für den Vorstandschef: Protokoll eines Niedergangs. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,727911,00.html
Gut so, nur leider zu spät. Wie lange bleiben jetzt noch die Verantwortlichen im Aufsichtsrat der HSH im Amt? Oder hat Herr "Peanuts" seine Aufsichtspflicht nicht verletzt?
5. Verachtungswürdige Eliten destabilisieren unsere Gesellschaft..
ELIASS 08.11.2010
Manager befinden sich immer im Konflikt zwischen sozialer Verantwortung und persönlichen Interessen. Die Krise beweist uns, dass die Mehrheit unserer Eliten mit ihrer sozialen Verantwortung hoffnungslos überfordert sind. Sie sind in ihrem Beruf hochbegabt. Aber einen materiellen Vorteil auszuschlagen fällt ihnen ebenso schwer wie einem Hartz IV Empfänger, der ein Zusatzeinkommen nicht dem Jobcenter meldet. Diese Dürftigkeit hinsichtlich ihrer Persönlichkeit macht diese Eliten zu einer Gefahr für unsere Gesellschaft. Wenn sich jemals eine politische Chance dafür bieten sollte, dann sollten wir dafür sorgen, dass betriebliche Größen von Banken und Unternehmen dem "menschlichen Maß" angepasst werden. Erst dann müssen wir nicht mehr fürchten, durch solche "Verantwortungswürstchen" die sich wie Hunde ungezügelt auf ihre Geldnäpfe stürzen, die Vermögen und Arbeitsleistungen der normalen Bürger vernichtet werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Skandaltruppe: Wer ist wer bei der HSH?
Die Landesbanken in der Übersicht
BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: