Von Stefan Schultz und Christian Teevs
Hamburg - In Krisen brauchen Manager Fähigkeiten, die im laufenden Geschäft kaum gefragt sind. Wenn ein Unternehmen so lange negative Schlagzeilen macht wie die HSH Nordbank, dann kommt ein Wirtschaftsführer mit extremem Selbstbewusstsein und forschem Auftreten nicht mehr weiter - er kann die Lage sogar verschlimmern. In der Krise sind eben auch Zurückhaltung gefordert, Demut, ein wenig Selbstkritik.
Doch dies ist die Sache von Dirk Jens Nonnenmacher nicht. Der Chef der HSH Nordbank, dem die Eigner Hamburg und Schleswig-Holstein nun das Vertrauen entzogen haben, begegnete der Kritik der vergangenen Monate stets mit demonstrativem Unverständnis. "Was glauben Sie, was ich den ganzen Tag tue", herrschte Nonnenmacher die Mitglieder des Kieler Untersuchungsausschusses in der vergangenen Woche an, als diese ihn zur HSH-Spitzelaffäre befragten.
Auch bei der Halbjahresbilanz im Spätsommer weigerte sich der Bankchef, auf Kritiker einzugehen. Selbst Nachfragen der Landesregierungen in Hamburg und Schleswig-Holstein, den Hauptaktionären der HSH Nordbank, tat er ab. Vorwürfe, Mitarbeiter ausspioniert zu haben, nannte er "unglaublich und perfide". Die Frage, wie sicher er sich denn noch im Amt fühle, wischte er herablassend beiseite: "Seien Sie sich sicher, dass ich mir sicher bin, dass ich das uneingeschränkte Vertrauen genieße."
Obwohl fast wöchentlich neues belastendes Material über den Umgang mit Mitarbeitern bekannt wurde, verweigerte Nonnenmacher konkrete Antworten. Dabei ging es vor allem um die fragwürdige Art und Weise, wie sich die Bank von Ex-Vorstandsmitglied Frank Roth und von Roland K., Ex-HSH-Statthalter in New York, getrennt hatte.
Nonnenmachers Problem war, dass er sich mit seiner Rolle als Chef einer Bank in Staatsbesitz nie angefreundet hat. Obwohl die HSH mit Milliarden Euro Steuergeldern vor der Pleite gerettet werden musste, beharrte der Manager auf seinem 2,9-Millionen-Euro-Bonus. Selbst enge Mitarbeiter rieten ihm damals zum Verzicht - oder zumindest zu einem Kompromiss. Doch Nonnenmacher lehnte ab. Damit verspielte er bereits nach weniger als einem Jahr jeden Kredit in der Öffentlichkeit und trug sogar dazu bei, dass die damalige schleswig-holsteinische Landesregierung aus CDU und SPD zerbrach.
Wer nun sein Nachfolger wird und ob der Aufsichtsrat die Entscheidung der Politik zu Nonnenmachers Abberufung mitträgt, ist noch unklar. Sollte sich der Aufsichtsrat allerdings dagegen sperren, könnten ihn die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein als Hauptanteilseigner auch abberufen. Sicher ist: Die Zeit von Dirk Jens Nonnenmacher als Chef der HSH Nordbank ist nach zwei Jahren beendet.
Wie der umstrittene Manager es an die Spitze der Landesbank schaffte, mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte und was ihn letztlich das Amt kostete - Chronologie eines Niedergangs:
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