Paul Lerbinger: HSH-Chef tritt überraschend zurück

Der Vorstandschef der schwer angeschlagenen HSH Nordbank, Paul Lerbinger, gibt sein Amt zum Ende des Monats auf. Warum der Manager mitten in der Sanierungsphase zurücktritt, ist unklar. Nachfolger soll Finanzvorstand Constantin von Oesterreich werden.

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Noch-HSH-Chef Paul Lerbinger: Rücktritt mitten in der Sanierungsphase

Hamburg - Der Schritt kommt vollkommen überraschend: Mitten in der Sanierungsphase der finanziell schwer angeschlagenen HSH Nordbank ist der Vorstandsvorsitzende Paul Lerbinger zurückgetreten. Wie der Aufsichtsrat der Bank mitteilte, kam Lerbinger mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper überein, dass er seine Tätigkeit Ende Oktober beende.

Neuer Vorstandschef soll der derzeitige Finanzvorstand Constantin von Oesterreich werden. Die Zustimmung des Aufsichtsrats zum Wechsel an der Spitze solle in einer Sitzung am 24. Oktober eingeholt werden. Angaben zu den Gründen von Lerbingers Rücktritt machte das Unternehmen nicht. "Das Ausscheiden von Dr. Lerbinger in dieser für die Bank schwierigen Phase ihrer Umstrukturierung ist bedauerlich", teilte Aufsichtsratschef Kopper mit.

Ende September berichtete der SPIEGEL, dass die Wahrscheinlichkeit wachse, dass die HSH Nordbank Geld aus dem 7-Milliarden-Euro-Garantierahmen der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein in Anspruch nehmen muss. Nach SPIEGEL-Informationen hat Bank-Chef Paul Lerbinger in einer vertraulichen Sitzung des Ausschusses "Öffentliche Unternehmen" der Hamburger Bürgerschaft eingestanden, dass die Ziehungswahrscheinlichkeit für die Bürgschaft am Jahresende bei über 50 Prozent liege.

Ungemach droht auch bei einer anderen, für die Bank zentralen Kennziffer: Wie der SPIEGEL weiter erfuhr, habe Lerbinger im Ausschuss "Öffentliche Unternehmen" auf Nachfragen einräumen müssen, dass die von der Bankenaufsicht vorgeschriebene Kernkapitalquote von neun Prozent zum Jahresende wohl nicht zu halten sei. Ein HSH-Sprecher sagte auf Anfrage, die Bank prüfe "derzeit Möglichkeiten, die Quote ohne Zuführung von frischem Geld zu stärken". Die Darstellung, der Bürgschaftsfall sei wahrscheinlicher geworden, wies die Bank zurück.

Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein teilten zum Rücktritt mit: "Eine erfolgreiche Restrukturierung erfordert einen handlungs- und durchsetzungsfähigen Vorstand, der für Stetigkeit und Stabilität bei der Etablierung des neuen Geschäftsmodells sorgt", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) und Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD).

Die beiden Bundesländer sind die Haupteigner der durch die globale Finanzkrise 2008 und verlustreiche Spekulationsgeschäfte in Not geratenen Bank - sie mussten das Institut mit staatlichen Garantien und Kapitalspritzen in Milliardenhöhe retten. Die Landesregierungen forderten die HSH Nordbank auf, die "im Interesse der Bank und ihrer Anteilseigner erforderlichen Entscheidungen" zu treffen und die Nachfolgefrage zu klären.

Die HSH Nordbank richtet ihr Geschäftsmodell derzeit völlig neu aus. Das hatte die EU-Kommission im Gegenzug für die Genehmigung der Staatshilfen zur Bedingung gemacht. Das aus den ehemaligen Landesbanken von Schleswig-Holstein und Hamburg entstandene Institut soll als eine Geschäftsbank für norddeutsche Firmenkunden und Mittelständler agieren und sich international nur noch auf die Projektfinanzierung in ausgesuchten Sektoren wie der Schifffahrt konzentrieren.

nck/dpa/dapd

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insgesamt 6 Beiträge
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1. liegts wirklich nur am fehlenden Vertrauen ???!
daslästermaul 17.10.2012
Zitat von sysopDer Vorstandschef der einst schwer angeschlagenen HSH Nordbank, Paul Lerbinger, gibt sein Amt zum Ende des Monats auf. Offenbar haben die Haupteigner Hamburg und Schleswig-Holstein das Vertrauen in Lerbingers Arbeit verloren. Nachfolger soll Finanzvorstand Constantin von Oesterreich werden. HSH-Chef Paul Lerbinger tritt überraschend zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hsh-chef-paul-lerbinger-tritt-ueberraschend-zurueck-a-861861.html)
vor einigen Wochen noch sicher im Sattel sitzend hat Leibinger gegenüber der Presse kundgetan, dass er mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % damit rechnet, dass die von Hamburg und Schleswig-Holstein gewährten Bürgschaften vermutlich in Anspruch genommen werden. Es drängt sich daher fast schon zwingend die Vermutung auf, dass Leibinger, der vermutlich wegen der verheerenden wirtschaftlichen Lage der Bank mit seinem Rausschmiss rechnen mußte, hier ganz einfach die Flucht nach vorne ergriffen hat und von sich aus gegangen ist.
2. Nur alleine ?
klauslynx 17.10.2012
Wann geht denn nun endlich auch dieser unsägliche Aufsichtsrat ?
3. Meine Fresse....
trevorcolby 17.10.2012
.....das ist eine elendig lange siechende Katastrophe. Wann wird dieser Saftlanden endlich abgewickelt ??? DAS wäre das einzig vernünftige.
4. Abwickeln
ernstmoritzarndt 17.10.2012
Es ist endlich an der Zeit, daß die Kirchturmpolitiker daran gehen, das Institut in die Abwicklung zu geben. Landesbanken sind überflüssig wie ein Kropf und lange Jahre genutzt worden, um Politikern irgendeinen strahlenden Aufsichtsratsposten zu verschaffen, den sie fachlich sowieso nicht ausfüllen konnten. Wohin man hört, NRW, Sachsen, Bayern usw. - überall sind die Landesbanken in Schwierigkeiten, teilweise schon in der Abwicklung.
5.
Caimann 17.10.2012
Es ist schon erschütternd, dass Herr Lerbinger geht. Er hat seine Sache gut gemacht und für die Altlasten ist er ja nicht verantwortlich. Alle die jetzt nach "Abwicklung" dieser Bank schreien, sollten auch mal daran denken, dass die Länder in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden durch die Landesbank verdient haben. Davon spricht heute keiner mehr. Die wirklich Leidtragenden sind im Moment die Angestellte. Viele Mitarbeiter haben durch die EU Vorgaben schon ihren Arbeitsplatz verloren, ohne dass sie Schuld an trifft. Wird diese Bank "abgewickelt", werden nochmal 2.000 Arbeitsplätze vernichtet.
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